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Missbrauch innerhalb der Kirche wirft lange Schatten Missbrauch innerhalb der Kirche wirft lange Schatten 

Missbrauch bei Legionären Christi: Erschütternde Erkenntnisse

175 Minderjährige sind zwischen 1941 und 2019 von Mitgliedern der Legionäre Christi sexuell missbraucht worden, darunter sind 60 Betroffene, an denen sich der Ordensgründer Marcial Maciel selbst verging. Das geht aus einem internen Bericht des Ordens hervor, der am Wochenende veröffentlicht wurde. Man gehe von noch mehr Betroffenen aus, geht daraus hervor.

Der Bericht wurde von einer Kommission verfasst, die im Juni vom Generaloberen der Kongregation, Eduardo Robles-Gil, eingesetzt wurde. Er bezieht sich auf den Zeitraum 1941 bis 2019 und listet 175 Fälle von Kindesmissbrauch auf, in die 33 Kleriker - Priester und Diakone - involviert sind. Die überwiegende Mehrheit der durch Missbrauch Betroffenen seien Teenager zwischen elf und 16 Jahren.

Knapp Hälfte der Beschuldigten selbst betroffen

Von den insgesamt 33 Tätern sind den Angaben nach bislang nur zwei vor Gericht gestellt worden: einer wurde verurteilt, ein anderer stehe derzeit vor Gericht. Von den verbleibenden Klerikern seien 18 immer noch Teil des Ordens, ihnen sei der Kontakt mit Minderjährigen untersagt: 4 übten ihren Dienst als Priester unter Einschränkungen aus, 14 dürfen das Priesteramt nicht mehr öffentlich ausüben. Sechs übergriffig gewordene Geistliche seien mittlerweile verstorben und acht in den Laienstand zurückversetzt worden; einer habe die Legionäre verlassen. 

14 der 33 übergriffig gewordenen Kleriker seien selbst durch Missbrauch innerhalb des Ordens betroffen gewesen. Dies verweise auf die Existenz von „Missbrauchsketten“, bei denen Betroffene im Laufe der Zeit selbst übergriffig würden, hält der Bericht fest. Vor Hintergrund dieser Dynamik könne von 111 Betroffenen die Rede sein, die entweder direkt vom Ordensgründer Marcial Maciel (1920-2008) oder aber von deren Opfern missbraucht worden seien.

Es sei mit noch mehr Fällen als den bislang berichteten zu rechnen, hält der Bericht fest, die Statistik müsse regelmäßig aktualisiert werden. Wann die einzelnen Missbrauchsfälle stattfanden, führt der Bericht nicht im Detail auf.

Entschädigungsmaßnahmen in 45 Fällen

Mit Blick auf 45 der durch Missbrauch Geschädigten ist von „Fortschritten auf einem institutionellen Weg der Entschädigung und Versöhnung“ die Rede. Nähere Details dazu gibt der Bericht allerdings nicht. Allgemein hält er fest: „Es gibt immer noch einen großen Bedarf, diesen Weg für andere zu ermöglichen.“

Das Enddatum des vom Bericht erfassten Zeitraums ist der 16. Dezember 2019. Papst Franziskus hatte am 17. Dezember das so genannte Päpstliche Geheimnis im Fall von Missbrauch durch Priester aufgehoben. Die Maßnahme führt dazu, dass Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden gehen. Außerdem können in Zukunft kirchenrechtlich geschulte Laien in Missbrauchsprozessen als Anwälte auftreten, eine Rolle, die bisher Priestern vorbehalten war.

Inspektion und Distanzierung der Legionäre 

Maciel hatte 1941 kurz vor seiner Priesterweihe eine Kongregation gegründet, aus der die Legionäre Christi und die angeschlossene Laiengemeinschaft Regnum Christi hervorgingen. Gegen Ende seines Lebens und nach seinem Tod 2009 wurde bekannt, dass Maciel als Priester nicht nur mehrere Kinder hatte, sondern auch vielfachen sexuellen Missbrauchs schuldig war.

Nach Bekanntwerden der Sexualstraftaten Maciels ordnete der damalige Papst Benedikt XVI. (2005-2013) eine umfassende Inspektion durch den Vatikan an und tauschte die gesamte Ordensleitung aus. Zeitgleich zu der Vatikanuntersuchung hatten sich die Legionäre Christi im Jahr 2010 öffentlich von ihrem Gründer distanziert. Mitte September 2019 traten neue, vom Vatikan approbierte Statuten in Kraft. 

Studie ist im Januar Thema in Rom

Die Ordensgemeinschaft zählt laut eigenen Angaben derzeit 1.501 Mitglieder aus 40 Ländern, die in 21 Ländern tätig sind. Zusammen mit der Laienbewegung Regnum Christi mit weltweit rund 23.000 Mitgliedern bilden die Legionäre Christi eine sogenannte geistliche Familie.

Die umfassende Missbrauchsstudie soll beim nächsten Generalkapitel der Kongregation beraten werden, das ab 20. Januar in Rom stattfindet. Dort wollen die Verfasser auch Schlussfolgerungen und Empfehlungen vorlegen.

(reuters/afp/kap – pr)

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22. Dezember 2019, 11:37