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Weihnachtsmesse in der syrisch-katholischen Gemeide der heiligen Behnam und Sarah Weihnachtsmesse in der syrisch-katholischen Gemeide der heiligen Behnam und Sarah  (AFP or licensors)

Irak: Eine Weihnachtsbotschaft aus Karakosch an alle Christen

Sie gelten als moderne Glaubenszeugen: die Christen in der irakischen Ninive-Ebene, die trotz Verfolgungen und schwieriger Lebensbedingungen ausharren. Auch Weihnachten stellt kaum eine Ausnahme dar: Proteste gegen die Regierung überschatteten die Vorbereitungen auf die Festtage, der chaldäische Patriarch sah sich gar gezwungen, adventliche Feiern abzusagen. Und dennoch, von der christlichen Gemeinschaft in Karakosch kommt die Botschaft an die Christen aller Welt, niemals die Kraft zu verlieren und den eigenen Glauben zu bezeugen.

Die Ninive-Ebene im Irak galt seit jeher als christliches Gebiet. Doch der Terror der Milizen des so genannten Islamischen Staates hat seine Spuren hinterlassen: viele Familien mussten fliehen, erst etwa die Hälfte ist in die Heimat zurückgekehrt. Unermüdlich setzen sich nach wie vor internationale Hilfswerke dafür ein, den Menschen eine Zukunftsperspektive zu bieten und gleichzeitig dazu beizutragen, dass geflohene Familien wieder in den Irak zurückkehren können. Doch viel ist noch zu tun, um Straßen, Krankenhäuser, Schulen und öffentliche Einrichtungen wieder funktionsfähig zu machen.

Der Appell, den der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako vor einigen Tagen an die Adresse von NGO’s, zivile Institutionen, Kirchen und Regierungen abgesetzt hat, ist unmissverständlich: „Wir brauchen eure Hilfe, ihr müsst wissen, dass die Niederlage des IS in der Region nicht bedeutet, dass ihre Bewohner keine Hilfe mehr bräuchten.“

Bereits zuvor hatte der Patriarch die schwierige Entscheidung getroffen, die Christmette nicht in der Nacht zu feiern, sondern bereits am Tag, während die Adventsfeierlichkeiten ganz ausgesetzt worden waren, um mit dem damit eingesparten Geld Medizin zu erwerben. Ausschlaggebend für diese Entscheidungen auch die nach wie vor prekäre Sicherheitslage in der Region, genauso wie das Gedenken an die Opfer und Verletzten der Straßenproteste gegen die Regierung, der vorgeworfen wird, korrupt und an der schlimmen wirtschaftlichen Krise des Landes schuld zu sein. 

Gedenken an die Opfer der Proteste

Doch trotz allem wollen sich die Christen in der Region ihr Weihnachtsfest nicht stehlen lassen, erzählt der Priester Georges Jahola, der der Gemeinde der heiligen Behnam und Sarah in Karakosch vorsteht. 

„Die Weihnachtstage werden von den Menschen hier sehr intensiv begangen und die Messen sind voller Freude, es ist das Klima, das auf Weihnachten hinführt. Unser Weihnachten ist sicher ein Weihnachten der Solidarität, denn wir unternehmen viel, um diese Freude mit den anderen zu teilen, auch in materieller Hinsicht. Auf der anderen Seite sind die Festlichkeiten und die Lichter in diesem Jahr im gesamten Land reduziert, aufgrund der Demonstrationen und Opfer, die dieser Kampf um ein besseres Leben gefordert hat.“

Christen enger zusammengeschweißt

Die langjährige Besetzung durch den Islamischen Staat sei noch spürbar, auch wenn die Menschen mittlerweile ein wenig Normalität und Lebensmut zurückerobert hätten. Gleichzeitig hätten sich die Menschen in dieser Situation der Bedrängnis noch stärker auf ihre christlichen Wurzeln besonnen, erzählt der Priester: „Das sehen wir an der großen Teilnahme bei den Messen und Feierlichkeiten in unseren Städten. Christen streben tendenziell nach Frieden und Versöhnung. Das haben wir vom Herrn gelernt und lernen es immer noch,“ so der Priester, der damit auch den Christen in aller Welt eine Botschaft seiner Gläubigen übermitteln möchte: „Wir wollen den Christen in aller Welt insbesondere sagen, dass sie keine Angst vor dem Zeugnis haben müssen, vor dem Zeugnis, dass darauf wartet, in jedem Moment und an jedem Ort gegeben zu werden. Habt den Mut zu sagen: Ich bin Christ und ich bin Träger von Frieden und Versöhnung.“

(vatican news - cs)

28 Dezember 2019, 08:31