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Kühe gelten Hindus als heilig. Extremisten greifen aber zu deren Schutz zu brutaler Gewalt. Kühe gelten Hindus als heilig. Extremisten greifen aber zu deren Schutz zu brutaler Gewalt.  (AFP or licensors)

Indien: Bischof beklagt erneute Lynchjustiz der „Kuh-Wächter“

Der Erzbischof von Bhopal, Leo Cornelio, hat nach erneuten Gewalttaten selbst ernannter Kuh-Wächter die staatlichen Behörden zum Einschreiten aufgerufen. Wie ucanews an diesem Mittwoch meldet, nahm die Polizei fünf Verdächtige fest. Sie sollen drei Menschen gefesselt und verprügelt haben. Der Erzbischof sieht die Vorfälle in dem zentralindischen Staat als Hinweis auf die Bedrohung des multireligiösen Zusammenlebens.

Erneut hat die Selbstjustiz der so genannten „Kuh-Wächter“ in Indien Empörung hervorgerufen. In den sozialen Medien kursierte ein Video, das zeigt, wie fünf Männer drei Personen angegriffen hatten, die sie des Rindfleischtransports verdächtigten. Der Vorfall, bei dem ein muslimisches Paar und ihr hinduistischer Fahrer an einen Baum gefesselt und mit Schlagstöcken verprügelt wurden, ereignete sich am vergangenen Mittwoch im Bezirk Seoni, im indischen Zentralstaat Madhya Pradesh. Dabei wurde der Muslim gezwungen, seine Frau mit einem Schuh zu schlagen. Die Polizei nahm am Samstag, nachdem die Videos öffentliche Entrüstung auslösten, sowohl die Opfer als auch fünf verdächtige Männer fest und löschte das Video aus dem Internet.

Kühe per Gesetz geschützt

Die Opfer der Gewalttat wurden beschuldigt, Rindfleisch transportiert zu haben. In den meisten Staaten Indiens sind Schlachtung und Verzehr von Rindfleisch gesetzlich verboten. Die Kuh gilt Hindus als heilige Mutter-Gottheit und wird deshalb besonders geschützt und verehrt. Seit Jahren aber nehmen Bürgerwehren das Gesetz in ihre Hand und lynchen die meist muslimischen Transportfahrer. Nach öffentlichen Berichten stieg die Zahl der durch diese religiöse Selbstjustiz Getöteten auf über 30 seit 2010.

Lynchjustiz stellt Staat in Frage

Erzbischof Cornelio forderte daher nun eine entschiedene Verurteilung seitens der Regierung und Strafen gegen die Täter: „Diese Art von Brutalität ist in einer zivilisierten Gesellschaft nicht akzeptabel. Es ist höchste Zeit, dass die Regierung strenge Maßnahmen gegen Kuh-Wächter ergreift, die das Gesetz in ihre Hände nehmen." Beobachter sehen einen Zusammenhang zwischen der deutlichen Zunahme der in Gruppen organisierten Lynchjustiz und der Regierung der Hindu-nationalistischen Bharatiya Janata-Partei (BJP) von Präsident Modi. „Diese Art der offenen Darstellung des Terroraktes wird zu gesellschaftlicher Spaltung und Gesetzlosigkeit führen“, fürchtet der Erzbischof. Er meint, eine solche Aktion wie im Video „stellt den Staat in Frage“.  

Christliche und muslimische Führungspersonen zeigten sich entsetzt über die brutale Gewalt. Sie beklagen das Ausbleiben von Strafen und schätzen, die jüngsten Wahlsiege der BJP hätten die hinduistischen Mobs nochmals ermutigt. Oft sind Muslime in Indien in der Fleisch- und Lederindustrie tätig, warum sie wirtschaftlich marginalisiert werden. Die Vorfälle gelten Beobachtern als alarmierender Hinweis auf die zunehmenden sozialen Unruhen, die sich oft gegen die nichthinduistischen Minderheiten richtet.

(ucanews / vatican news – fr)

29 Mai 2019, 11:57