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Jerusalem: Noch mehr Österreich in der Heiligen Stadt

In Jerusalem hat sich das traditionsreiche Österreichische Pilger-Hospiz deutlich vergrößert. Am Donnerstag wird Kardinal Christoph Schönborn von Wien den 13-Zimmer-Zubau namens „Casa Austria“ segnen und feierlich eröffnen. Das Bauunterfangen hatte in den letzten Jahren manche Hürde zu nehmen, technische und bürokratische, erzählt im Gespräch mit Vatican News der Rektor des Österreichischen Hospizes, Markus Bugnyar.

Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Via Dolorosa: mitten in der verwinkelten Altstadt, mitten in der religiösen Historie des Ortes. Dort liegt das Pilgerhaus der katholischen Kirche Österreichs in Jerusalem. Rund 80.000 Gäste pro Jahr steuern dieses Haus an, viele von ihnen lassen sich auf eine Stärkung im Kaffeehaus Wiener Art nieder, und viele möchten hier Quartier nehmen – so viele, dass das Hospiz mit seinen bisherigen Kapazitäten oft zu klein war. 13 komfortable Zimmer kommen nun hinzu. „Ganz wichtig ist für uns, dass wir für die kommenden Pilgergenerationen des 21. Jahrhunderts gerüstet sind. Da können wir einen neuen Standard, eine neue Qualität anbieten“, sagt der Rektor. „Und die Casa Austria wird auch die wirtschaftliche Rentabilität des Österreichischen Hospizes erhöhen, keine Frage.“

Hier zum Hören:

Auf die Bauarbeiten blickt der Eisenstädter Diözesanpriester durchaus zufrieden zurück – im Bewusstsein, viele Schwierigkeiten gemeistert zu haben. „Wenn man in einer Stadt wie Jerusalem etwas bauen möchte noch dazu in der Altstadt, steht man vor vielen Problemen“, fasst Bugnyar zusammen.

“ Die Altstadt von Jerusalem macht Dinge kompliziert ”

„Die Gassen hier sind eng und verwinkelt. Wenn Sie nun vorhaben, hier ein dreistöckiges Gebäude zu errichten, stellt Sie das vor Herausforderungen. Damit liegt auch auf der Hand, die Preise werden in die Höhe getrieben. Denn was Sie außerhalb der Altstadt in jedem anderen Ort mit schwerem Baugerät erledigen können, das müssen hier viele Arbeiter von Hand erledigen. Allein wenn ich an das Gießen des Betons für unsere Zwischendecken denke: Die Altstadt von Jerusalem macht Dinge kompliziert.“

Auch die Schätze aus der Vergangenheit erwiesen sich als Herausforderung, „denn man kann hier nicht graben und ein Fundament freilegen, ohne etwas zu finden. Eine archäologische Rettungsgrabung hat uns zwei Jahre Zeit gekostet und auch sehr viel Geld, aber wir sind auch fündig geworden. Was bislang freigelegt wurde, sind Überreste aus mamelukkischer Zeit bis hin zur byzantinischen Zeit.“ Auch nach Abschluss der eigentlichen Bauarbeiten werden die Grabungsarbeiten in den kommenden Jahren weitergehen, erklärt Bugnyar. Denn „die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass auch auf unserem Gelände noch Reste aus der Zeit der Römer und möglicherweise Zeugnisse aus der Zeit Jesu auftauchen.“

Von politisch-bürokratischen Hürden blieb das österreichische Bauvorhaben ebenfalls nicht verschont. Das ist nicht weiter verwunderlich: In Jerusalem spielen religiöse Befindlichkeiten eine große Rolle, und sie wirken sich stets auch auf ganz irdische Dinge aus. Zum Beispiel erhoben Nachbarn Einsprüche gegen den Zubau. Und das auf gleich zwei Ebenen, der kommunalen und der regionalen, erläutert Bugnyar.

Partner klug auswählen und Aufträge gerecht verteilen

„Dass in der Altstadt gebaut wird, sorgt nicht immer für grenzenloses Verständnis. Sie dürfen nicht vergessen, die Baueinsprüche waren von jüdischer Seite formuliert worden, und von muslimischer Seite waren wir mit dem Problem konfrontiert, dass nicht jeder in der Stadt und schon gar nicht in der Altstadt von den Behörden eine Baulizenz bekommt. Wenn nun gerade eine christliche Einrichtung in muslimischer Nachbarschaft eine Baulizenz bekommt, sorgt das für Spannungen. Da muss viel Zeit und Geld investiert werden, mit den Menschen zu reden, sich zu erklären und diese Spannungen abzubauen.“

So galt es, die Partner für das Bauvorhaben klug auszuwählen und die Aufträge so gerecht wie möglich zu verteilen. Das katholische Haus suchte sich einen israelisch-jüdischen Architekten und einen arabisch-muslimischen Bauunternehmer. Das steht auch ganz in der Tradition der Österreicher in Jerusalem:

„Das Hospiz ist Arbeitgeber für Christen und Muslime der palästinensischen Gesellschaft. Als Gästehaus. Und mit unserem Wiener Kaffeehaus sind wir auch Anlaufstelle für unsere jüdischen Besucher, die die Altstadt von Jerusalem möglicherweise am Wochenende besuchen.“

Nach 150 Jahren fertig gebaut

Dreieinhalb Millionen Euro hat der Zubau gekostet. Das war möglich dank Spenden, Eigenmitteln, Zuschüssen der katholischen Kirche, der österreichischen Bundesländer und der Regierung in Wien. Und aus bisher 32 Wohneinheiten im Jerusalemer Österreich-Hospiz wurden 45. Damit ist die Einrichtung nach 150 Jahren quasi fertig gebaut und kommt nun auf ihre ursprünglich vorgesehene Kapazität, sagt Bugnyar.

Doch nicht nur einen materiellen Auftrag sieht der Rektor hier verwirklicht, sondern auch einen ideellen. Das Österreich-Hospiz ist seinem Gründungsauftrag neu gerecht geworden.

„Unser Gründervater hatte formuliert, die Aufgabe des Hospizes ist es, Heimat am Grab des Erlösers zu sein. Das heißt, wir widmen uns in erster Linie Pilgerinnen und Pilgern aus Österreich, dem deutschsprachigen Raum und auch aus anderen Ländern. Wir verstehen unsere Aufgabe darin, den Menschen den Aufenthalt in Jerusalem so angenehm wie möglich zu machen und sie gleichzeitig mit den heiligen Stätten vertraut zu machen. Denn Pilgerwesen, Wallfahren, ist ein Bildungsauftrag, gerade in unserer Zeit immens wichtig. Wenn das Glaubenswissen austrocknet, braucht es die Arbeit an den Wurzeln, an der Basis, an der Substanz, und da gehört für mich der Besuch der Heiligen Stätten wesentlich dazu. Das Hospiz hat, so möchte ich es auf den Punkt bringen, einen Bildungsauftrag im Interesse der Kirche selbst.“

(vatican news)

22 April 2019, 15:41