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Christen bei einer Karfreitagsprozession in Bhopal, im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh Christen bei einer Karfreitagsprozession in Bhopal, im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh   (ANSA)

Indien: Christen fordern Respekt der Osterfeiertage

Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes haben zwei indische Unionsterritorien beschlossen, den Karfreitag als gesetzlichen Feiertag abzuschaffen. Für Theodore Mascarenhas, Generalsekretär der Indischen Bischofskonferenz, eine „offene Diskriminierung“.

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Gemeint sind die beiden ehemaligen portugiesischen Kolonien Dadra und Nagar Haveli sowie Daman und Diu an der Westküste. Dass der Karfreitag kein gesetzlicher Feiertag mehr sein soll, hält der Weihbischof schon allein deshalb für besorgniserregend, weil es in Indien ohnehin nur zwei anerkannte christliche Feiertage gibt: Weihnachten und Karfreitag. Mascarenhas hat inzwischen an die zuständigen Behörden appelliert, „das religiöse Empfinden von etwa 100.000 Christen zu respektieren“. Als Drahtzieher der diskriminierenden Maßnahme verweist er auf „Fundamentalisten, die das Land spalten wollen“. Er vertraue jedoch darauf, dass sein Appell bei der hinduistischen Mehrheit auf Verständnis stoßen werde.

Laut AsiaNews bedeutet diese neue Regelung eine Abstufung des Feiertags von Typ 1 auf Typ 2, womit Schulen und öffentliche Ämter von nun an am Karfreitag geöffnet blieben. Christen, die diesen Tag feiern möchten, wären somit gezwungen, einen Urlaubstag zu nehmen.

Datum der Parlamentswahlen erhitzt die Gemüter...

Doch damit nicht genug: kurz vor Beginn der Karwoche findet in Indien auch die Parlamentswahl statt, bei der die „Lok Sabha“ – das Unterhaus des indischen Parlaments – gewählt wird. In beiden Gebieten soll die Abstimmung am 23. April stattfinden, dem Dienstag nach Ostern. In einem Brief schloss sich Bischof Mascarenhas dem Appell von Priestern und Ordensoberen an die Behörden an, dieses Datum zu überdenken.

Vorbereitung auf das bevorstehende Osterfest respektieren

Auch dass im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu der Wahltermin auf den 18. April – Gründonnerstag – festgesetzt wurde, erhitzt die Gemüter. Wie die katholische Presseagentur fides berichtet, hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Tamil Nadu, Erzbischof Antony Pappusamy, in einem Schreiben an die indische Wahlkommission (ECI) appelliert, den Wahltermin zu ändern, da sich die Christen während dieser Tage auf das bevorstehende Osterfest vorbereiten. Sollte die Wahl an diesem Tag stattfinden, könnten Christen, die in Wahllokalen tätig sind, am Gründonnerstag nicht zur Messe gehen.

Die Parlamentswahl in Indien betrifft 900 Millionen Bürger und soll zwischen dem 11. April 2019 und dem 12. Mai 2019 an insgesamt 7 Tagen stattfinden. Die Auszählung der Stimmen ist für den 23. Mai 2019 geplant.

Hintergrund

Von 1780 bis 1954 gehörte die Region zwischen den Bundesstaaten Gujarat und Maharashtra zu Portugiesisch-Indien. Seit 1961 bildet das Gebiet ein Unionsterritorium, das direkt von der hindu-nationalistischen Zentralregierung Indiens verwaltet wird. Mit einem Bevölkerungsanteil von 1,5 Prozent machen die Christen nur eine kleine Minderheit der rund 340.000 Einwohner in Dadra und Nagar Haveli aus.

(vatican news)
 

16 März 2019, 13:31