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Archivbild: Cardenal signiert ein Buch Archivbild: Cardenal signiert ein Buch  (AFP or licensors)

Nicaragua: Sorge um Ernesto Cardenal

Kirche und Gesellschaft in Nicaragua verfolgen aufmerksam Nachrichten über den Gesundheitszustand des erkrankten nicaraguanischen Dichters und katholischen Priesters Ernesto Cardenal.

Wie die Tageszeitung „El Nuevo Diario“ berichtet, befindet sich der 94-Jährige seit etwa zwei Wochen wegen einer Niereninfektion in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Managua. Sein Gesundheitszustand sei besorgniserregend, schreibt die Zeitung. Sie veröffentlichte ein Bild von Cardenal, das den Schriftsteller deutlich geschwächt im Krankenbett zeigt.

Das Foto kursierte via Facebook und Twitter und wurde von Managuas Weihbischof Silvio Baez nach einem Besuch bei Cardenal geteilt. Wenige Tage zuvor hatte Cardenals Assistentin Luz Marina Acosta noch erklärt, sein Zustand sei stabil.

“ Heute habe ich meinen Bruder besucht ”

„Heute habe ich meinen Bruder und priesterlichen Freund, Padre Ernesto Cardenal, besucht, mit dem ich einige Minuten sprechen konnte“, schrieb Baez zu dem Bild. Anschließend sei er vor dem Krankenbett niedergekniet, um den Segen Cardenals als Geistlicher der katholischen Kirche zu erbeten, den ihm dieser erteilt habe, so Baez weiter.

Eine der schillerndsten Figuren des Kontinents

Cardenal gehört zu den schillernden Figuren Lateinamerikas. Er nennt sich selbst „Sandinist, Marxist und Christ“. 1966 gründete er auf der Insel Mancarron die Gemeinschaft von Solentiname, eine Bauernkommune nach urchristlichem Vorbild. Der Priester war unter anderem am Sturz des Diktators Anastasio Somoza in Nicaragua beteiligt, nach der Revolution 1979 wurde er Kulturminister der sandinistischen Regierung. Wegen seines politischen Engagements verbot ihm Papst Johannes Paul II. 1985 die Ausübung des priesterlichen Dienstes.

Vom Verbündeten zum Kritiker Ortegas

Später überwarf sich Cardenal mit seinen einstigen Kampfgenossen, heute ist er ein scharfer Kritiker von Präsident Daniel Ortega, dem er schwere Menschenrechtsverletzungen vorwirft.

Für sein literarisches Werk erhielt Cardenal 1980 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2012 den spanischen Königin-Sofia-Preis für Iberoamerikanische Literatur. Kritiker nennen ihn den „Begründer der mystischen lateinamerikanischen Literatur“.

(kna – sk)
 

17 Februar 2019, 15:38