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Vatican News
Polizeibeamte zünden zum Gedenken an den Terroranschlag vor einer Polizeistation Kerzen an Polizeibeamte zünden zum Gedenken an den Terroranschlag vor einer Polizeistation Kerzen an  (AFP or licensors)

Kolumbien: Kirche könnte Vermittlerrolle übernehmen

Bei dem Anschlag auf eine Polizeischule in der Hauptstadt Bogotá am vergangenen Donnerstag wurden 21 Menschen getötet. Nun hat sich die Guerillagruppe ELN zu der Tat bekannt. Der Anschlag könnte den ohnehin auf tönernen Füßen stehenden Friedensprozess in Kolumbien ernstlich in Gefahr bringen.

Die marxistische Guerillaorganisation ELN hat sich zu dem Bombenanschlag auf eine Polizeischule in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota bekannt. In einer auf der ELN-Internetseite veröffentlichten Erklärung hieß es, der Anschlag sei eine Reaktion auf das repressive Vorgehen der Armee.

Staatspräsident Ivan Duque hat als Reaktion auf den Anschlag die ohnehin ins Stocken geratenen Friedensgespräche abgebrochen. Auf die kolumbianische Kirche könnte nun die Aufgabe zukommen, in der völlig verfahrenen Situation zu vermitteln.

Rebellen signalisieren Verhandlungsbereitschaft

Bei dem Attentat waren am vergangenen Donnerstag 21 Menschen getötet und 80 verletzt worden. Präsident Duque sei nicht auf eine „Geste des Friedens“ eingegangen und habe während des einseitig von der ELN verkündeten Waffenstillstands an Weihnachten Militäraktionen durchgeführt, erklärten die Rebellen in ihrer Bekennerbotschaft am Montag. Zugleich signalisierten sie weiterhin Verhandlungsbereitschaft.

Präsident Duque hatte schon kurz nach dem Anschlag die ELN verantwortlich gemacht und die Friedensgespräche mit der marxistischen Guerilla praktisch für beendet erklärt. Kuba, das Gastgeberland der Verhandlungen, forderte der Präsident auf, die als Unterhändler fungierenden ELN-Kommandanten auszuliefern. Kuba lehnt dies jedoch ab.

Nach Schätzungen der Behörden verfügt die ELN über eine Truppenstärke von 2.500 Männern und Frauen; sie ist überwiegend im Osten Kolumbiens aktiv. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen fast 7.000 Morde, ebenso viele Entführungen, 3.000 Fälle von Landvertreibung und etwa 1.000 Zwangsrekrutierungen auf das Konto der Gruppe. Sie wird zudem für schwere Umweltzerstörungen durch mehr als 1.300 Anschläge auf Öl-Pipelines verantwortlich gemacht.

Friedensprozesss in Gefahr

Das Bogota-Attentat bringt den Friedensprozess in Kolumbien gänzlich in Gefahr. Das verdeutlichen auch die deutlichen Reaktionen aus der katholischen Kirche. Papst Franziskus verurteilte die Tat schon am Freitag als „unmenschlich“.

„Wir lehnen jede Form von Terrorismus und Gewalt ab. Wir trauern und bemühen uns weiter um Frieden durch Dialog, Versöhnung und soziale Gerechtigkeit“, zitierte der vatikanische Pressedienst Fides den Vorsitzenden der Kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Oscar Urbina Ortega.

Kirche: Aufruf zu gemeinsamem Friedensprojekt

„Mit Gewalt und terroristischen Aktionen wird nichts erreicht“, betonte der Weihbischof in Medellin und Generalsekretär der Bischofskonferenz, Elkin Fernando Alvarez Botero. Die Kirche rufe dazu auf, sich in einem gemeinsamen Friedensprojekt für das Land zusammenzuschließen und den Terrorismus zu bekämpfen. Gewalt sei keine Lösung, hielt er fest.

Auf die kolumbianische Kirche könnte die Aufgabe zukommen, in der verfahrenen Situation zu vermitteln. Die ELN hat aufgrund ihrer katholischen Wurzeln traditionell eine Nähe zur Kirche. Bei Geiselfreilassungen fungieren immer wieder katholische Geistliche als Vermittler. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Erzbischof von Cali, Dario de Jesus Monsalve, zu. Ihm werden gute Kontakte zur Guerilla nachgesagt.

Gesprächsfaden nicht abreissen lassen.... 

Wie die gesamte Bischofskonferenz rief Monsalve bereits in den vergangenen Wochen dazu auf, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, obwohl die Guerilla immer wieder mit neuen Entführungen und Gewalttaten provozierte. „Es ist nun der Zeitpunkt sich solidarisch mit den Familien zu zeigen“, sagte Monsalve, der allerdings eine direkte Schuldzuweisung vermied. Zuletzt hatte er auch auf die anhaltende Gewalt gegen soziale Aktivisten und Menschenrechtler hingewiesen.

(kap – skr)

21 Januar 2019, 14:33