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Fast sieben Jahre geschlossen - nun wieder offen: das Nationalmuseum in Damaskus Fast sieben Jahre geschlossen - nun wieder offen: das Nationalmuseum in Damaskus  (ANSA)

Syrien: Nationalmuseum nach sechs Jahren wieder offen

Es ist eine Art kultureller Auferstehung: Nach Jahren der Schließung wegen Verwüstung durch den Bürgerkrieg steht nun die wichtigste Kultureinrichtung des Landes wieder offen: das Nationalmuseum in Damaskus. Wir sprachen mit Pater Fadi Azar, Pfarrer in der syrischen Hauptstadt.

Claudia Valenti und Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Am 28. Oktober feierte man in Damaskus die Wiedereröffnung eines Teils des Nationalmuseums. Es musste 2012 seine Pforten schließen. Danach wurden in geheimen Operationen die meisten der Kunstschätze und Antiken abtransportiert, um sie vor Bomben und Plünderungen zu schützen. Sie waren an mehreren Orten im ganzen Land untergebracht, in den Gebieten, die unter staatlicher Kontrolle standen. „9.000 Stücke sind nun wieder ausgestellt“, erklärt Pater Fadi Azar, er ist Franziskaner und betreut die Pfarrei des Heiligen Antonius von Padua in Damaskus, „aber es gibt Tausende von gestohlenen und beschlagnahmten Kunstwerken, die immer noch in verschiedenen Teilen Syriens verstreut sind.“

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Deshalb wurde auch nur ein Teil des Museumskomplexes wiedereröffnet, vier Abschnitte mit Exponaten aus der Urgeschichte, der assyrischen, der klassisch-römischen und der islamischen Epoche. Ziel ist es jedoch, sagte uns der Pfarrer, das Nationalmuseum möglichst bald wieder ganz zu eröffnen. Der syrische Kulturminister Mohamed al-Ahmad dankte für die internationale Unterstützung bei der Restaurierung des Museums. Geholfen hatten unter anderem die UNO und auch westliche Archäologie-Institute.

 

Der berühmteste Fall von Verwüstung betraf das antike Palmyra

 

Von den gut 700 archäologischen Stätten in Syrien wurden viele in diesen Kriegsjahren zerstört, beschädigt oder geplündert, resümiert die Agentur asianews. Beide Seiten im Kampf machten sich verschiedener Verstöße schuldig. Doch namentlich die Rebellen- und Dschihadistengruppen benutzten den Handel mit Raubkunst, um ihr Kriegswesen zu finanzieren. Der berühmteste Fall von Verwüstung betraf die antike Stadt Palmyra. Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“ eroberten das UNESCO-Kulturerbe und zerstörten es zu großen Teilen, ermordeten dort auch den greisen Archäologen und Palmyra-Fachmann Khaled Asaad. Archäologische Stücke aus der antiken Oasenstadt, die der Zerstörung entgingen, sind nun im Nationalmuseum von Damaskus wieder zu sehen.

„Diese Wiedereröffnung ist für uns sehr wichtig“, bekennt Pater Fadi Azar. „Sie besagt, dass wir vielleicht wieder auf dem Weg der Ruhe und Gelassenheit sind. Sie ermöglicht es uns auch, die Identität des großen Syrien wiederherzustellen, das eine mehrtausendjährige Geschichte hat, mit Tempeln, Synagogen, Moscheen und Kirchen. Und es ist schön für uns, dieses Syrien durch unser Museum bekannt machen zu können."

 

Dennoch ist der Bürgerkrieg noch nicht vorüber

 

Auch die Alltagssituation in Syrien verbessere sich, es gebe Maßnahmen für den Wiederaufbau und die Wiederherstellung der zerstörten Städte. „Die Regierung ist sehr daran interessiert“, so der Pfarrer. Dennoch ist der Bürgerkrieg noch nicht vorüber. Prioritäten sind nach wie vor die Bekämpfung der Armut und die Bewältigung des Problems der Auswanderung junger Menschen.

(vatican news – gs)

 

01 November 2018, 16:32