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Papst Franziskus im Februar mit Angehörigen von Asia Bibi Papst Franziskus im Februar mit Angehörigen von Asia Bibi  (Vatican Media)

Pakistan: Asia Bibi bald auf freiem Fuss?

Im Fall Asia Bibi könnte es nach fast zehn Jahren des Bangens zu einem glücklichen Ende kommen. Der pakistanische Aktivist Paul Bhatti rechnet mit einer baldigen Freilassung der Christin.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Asia Bibi ist im Juni 2009 wegen angeblicher Blasphemie verhaftet worden; 2010 wurde sie zum Tod verurteilt. Seitdem sitzt sie hinter Gittern, häufig in einer Isolationszelle. An diesem Montag nun sollte abschließend über ihre Berufung gegen das Todesurteil verhandelt und dann noch im Lauf des Tages das endgültige Urteil gefällt werden. Zwar wurde der Gerichtstermin an diesem Montag verschoben, doch Bhatti glaubt trotzdem, dass die Schlacht so gut wie gewonnen ist.

„Ich bin sehr hoffnungsvoll und zuversichtlich“, sagt uns Paul Bhatti an diesem Montag telefonisch aus Pakistan. „Zwar bin ich nicht sicher, ob man wirklich schon mit ihrer Freilassung rechnen kann, aber ich bin doch zuversichtlich: Wenn sie nicht schon heute freigelassen wird, dann wird doch ein wichtiger Schritt getan werden, um sie zumindest bald freizulassen.“

Hier ging es von Anfang an nicht wirklich um Schuld oder Unschuld

Bhatti ist Arzt und Politiker; sein Bruder, der Minister Shabaz Bhatti, wurde 2011 wegen seines Einsatzes für die christliche Minderheit von einem muslimischen Eiferer ermordet. Paul Bhatti kämpft schon seit vielen Jahren für eine Rehabilitierung und Freilassung von Asia Bibi – jetzt sieht er sich fast am Ziel.

Zum Nachhören

„Mein positives Gefühl beruht auf der Tatsache, dass sie unschuldig ist und dass viele Menschen in Pakistan – darunter auch Muslime – der Ansicht sind, dass man sie zu Unrecht angeklagt hat. Der Präsident des Obersten Gerichts hat in letzter Zeit sehr klare, deutliche Stellungnahmen abgegeben – ein sehr mutiger Mann! Denn hier ging es von Anfang an nicht wirklich um Schuld oder Unschuld; wer in dieser Sache in der Vergangenheit Urteile gefällt hat, war dem Druck von Extremisten ausgesetzt.“

Pakistan hat sich gewandelt

Asia Bibi ist Mutter von fünf Kindern; seit mehr als 3.300 Tagen ist sie in Haft. Papst Franziskus hat im Februar 2018 ihren Mann und ihre älteste Tochter in Audienz empfangen und sich für die Freilassung der Christin eingesetzt.

Pakistan „hat sich gewandelt“, glaubt Paul Bhatti. Immer mehr Menschen im Land verstünden, „dass man die muslimischen Extremisten in die Schranken weisen muss“. In seiner Zuversicht fühlt sich Bhatti auch durch mehrere „mutige“ Urteile des Obersten Gerichts in jüngster Zeit bestärkt. Vielleicht wirkt sich auch der politische Wandel im Land zugunsten von Asia Bibi aus? Der frühere Kricket-Star und langjährige Oppositionelle Imran Khan ist seit Mitte August Regierungschef.

Der Kricket-Star und die Todeskandidatin

„Auch unser jetziger Premierminister – auch wenn er einige missverständliche Äußerungen getätigt hat – ist, glaube ich, wirklich davon überzeugt, dass die armen Leute beschützt werden müssen. Er hat sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ihm der Schutz der Minderheiten ausgesprochen wichtig sei. Also, alle diese Faktoren deuten darauf, dass man sie freilassen wird.“

Zu den Faktoren zählt Bhatti auch die jahrelange internationale Kampagne, die auch von wichtigen Diplomaten unterstützt worden sei.

„Das hat sein Gewicht – aber noch wichtiger ist das pakistanische Rechtssystem selbst. Ich glaube, es wird für Gerechtigkeit sorgen…“

Allerdings: Das sagte Bhatti vor dem Bekanntwerden der Verschiebung des Gerichtstermins. Ganz ist das Drama um Asia Bibi noch nicht zu Ende.

(vatican news)
 

08 Oktober 2018, 13:45