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Türkei: Ökumenisches Patriarchat reagiert gelassen

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat die von der russisch-orthodoxen Kirche beschlossenen Gegenmaßnahmen zur „Causa Ukraine“ zur Kenntnis genommen.

Die Streichung des Namens von Bartholomaios I. aus der liturgischen Erwähnung (der sogenannten Kommemorierung) und den Fürbitten sei in Moskau schon einmal Mitte der 1990er Jahre während der Auseinandersetzung um die Jurisdiktion über die Orthodoxen von Estland verfügt worden. Damit „könne man leben“, zitiert die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. Dasselbe gelte für das Konzelebrationsverbot zwischen russischen und Bischöfen aus Konstantinopel.

Schwerer wiege jedoch der Beschluss, die Vertreter des Moskauer Patriarchats aus allen interkirchlichen Gremien abzuziehen, die durch einen Hierarchen von Bartholomaios I. geleitet werden. Das gilt vor allem für die Dialogkommission mit der römisch-katholischen Kirche. Ihr orthodoxer Ko-Vorsitzender an der Seite von Kardinal Kurt Koch, Titularerzbischof Job Getcha von Telmissos (Fethiye) in Kleinasien, sieht jedoch den Schaden begrenzt.

 

Sorge im Phanar

Mit Sorge wurde im Phanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, jedoch die Erklärung des Leiters des russischen Außenamts, Metropolit Hilarion Alfejew, zugunsten von jüngsten Bestrebungen in der US-Diaspora des Ökumenischen Patriarchats zur Erlangung der Autokephalie registriert. Der Vorschlag, in der Türkei für Wirtschaftsemigranten und Touristen aus Russland kirchliche Strukturen des Moskauer Patriarchats einzurichten, wird hingegen gelassen genommen. Ebenso sieht es bei der Drohung eines Zusammengehens mit der inzwischen fast inexistenten türkisch-orthodoxen Nationalkirche in der Umgebung von Bartholomaios aus. Beide Ideen stammen von Hilarions Mitarbeiter, dem Türkeispezialisten Roman Silantjev.

Für „taktisch ungeschickt“ in dem Moskauer Beschluss halten auf der Insel Chalki vor Istanbul mit ihrer seit 1971 von den Türken geschlossenen Theologischen Hochschule Mitarbeiter des designierten „Wiedereröffnungsrektors“, Metropolit Elpidoforos Lambriniadis, die Verbindung der Ukrainefrage mit Ablehnung der Zulassung einer Wiederverheiratung von Diakonen und Priestern durch Konstantinopel.

 

Die zweite Ehe für Geistliche sei ein altes und heute wieder brennendes Anliegen der serbisch-orthodoxen Kirche. Deren bisheriger Eifer an der Seite Moskaus in Sachen Kiewer Autokephalie könnte nun durch die russische Gegnerschaft zu dieser Reform „gebremst“ werden. Übrigens zeichne sich nach den zunächst recht einhelligen Bedenken in der orthodoxen Kirchenfamilie gegen eine autokephale Ukraine nun ein „Überdenken“ ab.

Die polnische orthodoxe Kirche hat schon ihre frühere Ablehnung gemildert und nun dafür plädiert, sich mehr Zeit zu lassen. Auch in den anderen bisher abweisenden orthodoxen Kirchenzentren habe, so sieht man es in Istanbul, das „energische Auftreten“ von Bartholomaios dem russischen Patriarchen Kyrill I. gegenüber Eindruck gemacht und ein Umdenken eingeleitet. Dazu beigetragen haben auch drei vom Phanar am Vorabend der Moskauer Synod-Sitzung bekannt gemachte Dokumente.

Aus ihnen geht hervor, dass fast der gesamte ukrainische Episkopat Anfang November 1991 und erneut am 21. Januar 1992 vom damaligen russischen Patriarchen Alexij II. die Autokephalie erbeten hatte.

 

Anliegen nicht neu

Das Anliegen einer gerechten kirchlichen Neuordnung für die Orthodoxie im ehemaligen Ostblock war vom heutigen Patriarchen schon während der Perestroika, der Umstrukturierung des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Systems der Sowjetunion, noch vor der Wende vertreten worden. Damals war er noch Metropolit und engster Mitarbeiter von Dimitrios I.

Dieser Wunsch wurde auch vom damaligen Bischof von Czernowitz in der Bukowina unterschrieben, Onufrij Berezovskij. Dieser ist hingegen heute in Kiew Metropolit der moskautreuen orthodoxen Kirche in der Ukraine. In dieser Funktion hat er unlängst bestritten, je um Autokephalie ersucht oder diese auch nur gewünscht zu haben. Nach Vorlegung seiner gegenteiligen Unterschrift durch Konstantinopel erkrankte Onufrij plötzlich und fuhr nicht nach Russland. Er nahm jedoch über eine Videoübertragung an der Sitzung in Moskau teil.

(kna – ros)

18 September 2018, 10:39