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Mailänder Dom Mailänder Dom  (ANSA)

Mailänder Kardinal: „Missbrauchsfälle sind eine Tragödie“

Papst Franziskus und die gesamte Kirche leidet „unglaublich tief“ an der Aufdeckung der Missbrauchsfälle. Das sagt im Gespräch mit Vatican News der emeritierte Mailänder Erzbischof, Kardinal Angelo Scola. Italiens Bischöfe wollen ihre Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch aktualisieren. Dabei solle der Fokus stärker auf Prävention und auf der Ausbildung von Priestern und Mitarbeitern liegen.

Mario Galgano und Luca Collodi – Vatikanstadt/Rimini

In der Adriastadt Rimini nahm der Mailänder Kardinal und frühere Erzbischof an dem jährlichen Katholikentreffen „Meeting“ teil, das von der katholischen Bewegung „Comunione e Liberazione“ mitorganisiert wird. Bei dem Treffen stellte Kardinal Scola seine Autobiografie vor, die jetzt auf Italienisch erschienen ist.

Im Gespräch mit Vatican News ging der Kardinal auf seine Lebensgeschichte ein und auch auf die heutigen Herausforderungen für die Kirche.

„Die Missbrauchsfälle sind eine Tragödie. Jeder Fall ist einer zu viel. Ich habe aber Hoffnung, dass die Art und Weise wie Papst Franziskus das Thema angeht, uns weiterbringt. Er ruft uns alle auf, die Scham und die Trauer durchzumachen. Es besteht die Gefahr, dass die Schönheit der Kirche und des Glaubens dadurch verdunkelt wird und deshalb ruft uns der Papst dazu auf, mit Scham und Trauer zu reagieren.“

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Kinderschutz neu überdenken

 

In Italien sollen die Normen für den Kinderschutz in der Kirche neu überdacht werden. Das sagte der Leiter der bischöflichen Missbrauchskommission, Ravennas Erzbischof Lorenzo Ghizzoni, der Zeitung „Avvenire“ in der Donnerstagsausgabe. Papst Franziskus habe mit seinem am Montag veröffentlichten Schreiben zum Missbrauchsskandal einen „Qualitätssprung“ in der Kirche verlangt, so Ghizzoni.

Auch der emeritierte Mailänder Erzbischof weist daraufhin, dass die Zusammenarbeit mit der Justizbehörde wichtig sei.

„Es ist wichtig, dass die korrekten Prozeduren vorgenommen werden. Vieles wird ja bereits umgesetzt. Auf diese Weise wird diese Tragödie für die Missbrauchsopfer ein bisschen gelindert und können so auf einen Neuanfang hoffen. Es geht aber auch um eine Bewusstseinsbildung für den gesamten Klerus, der Laien und allen Menschen guten Willens. Die Schönheit und die Güte der Kirche darf nicht von ihren Mitarbeitern verschmutzt werden.“

Zur Mahnung des deutschen Kinderschutzexperten Hans Zollner von der Päpstlichen Universität Gregoriana, die Bischöfe in Italien müssten angesichts der „schockierenden Nachrichten“ aus anderen Teilen der Weltkirche die Augen öffnen, sagte indes Ghizzoni, Zollner als Deutscher glaube, dass in Italien ein ähnlicher Skandal aufbrechen könne wie in seinem Heimatland.

In Italien seien zahlreiche Fälle ans Licht gekommen, sagte Ghizzoni; „aber sie blieben auf lokaler Ebene, es gab keine Explosion, die die ganze Kirche erfasste“. Zollner gebe nur den „Ansporn, die Arbeit zu tun, die wir gerade machen“. Allerdings fehlten auf Diözesanebene Teams und Strukturen für Prävention und Schulung in Kinderschutzfragen. So gebe es „niemanden“, der beispielsweise kirchliche Kinder- und Jugendbetreuer über Signale für Missbrauch aufkläre, sagte Ghizzoni.

 

Auch italienische Kirche stark betroffen

 

Entgegen der Einschätzung des Erzbischofs sagte der Gründer und Leiter der Anti-Kinderpornografie-Initiative „Meter“, don Fortunato Di Noto, der Online-Zeitung „Formiche.net“ am Donnerstag, der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche betreffe auch italienische Bistümer in starkem Umfang. Dort seien in den vergangenen zehn Jahren „Hunderte“ Priester in Fälle von Missbrauch und Kinderpornografie verwickelt gewesen. In einigen Fällen seien die Bischöfe unzulänglich mit den Verbrechen umgegangen.

Zu viele Personen leisteten Widerstand, wenn es darum gehe, Täter an die weltliche Justiz auszuliefern, sagte Di Noto, der selbst Priester ist. Eine Kernfrage sei, ob Bischöfe in Verdachtsfällen eine Anzeige bei der weltlichen Justiz stellen müssten oder nicht. Es gehe um eine „formelle Übernahme der Verantwortung“. Zugleich deutete Di Noto an, ein Bischof allein könne mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen überfordert sein.

(vatican news/kna)

24 August 2018, 10:15