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Hunderte Regierungsgegner auf dem Weg nach Masaya, wo die Polizei gewaltsam gegen Demonstranten vorging Hunderte Regierungsgegner auf dem Weg nach Masaya, wo die Polizei gewaltsam gegen Demonstranten vorging  (ANSA)

Nicaragua: Neue Gewalteskalation

Der Bischof von Estelì, Abelardo Mata, ist am Sonntag in Nicaragua einem bewaffneten Hinterhalt entkommen, der paramilitärischen Truppen zugeschrieben wird. Mata gilt als einer der Bischöfe, die der Linksregierung von Präsident Ortega sehr kritisch gegenüberstehen. Etwa zeitgleich starben bei Auseinandersetzungen in Masaya laut einer Menschenrechtsorganisation zehn Menschen.

Bei Nindirí wurde das Auto des Prälaten Mata beschossen, er ist laut Berichten aber unverletzt. „Ich konnte mit Abelardo Mata nach dem Vorfall bei Nindirí sprechen. Er ist endlich in Sicherheit. Gott sei Dank!“, twitterte José Silvio Báez, Weihbischof von Managua. Auch er ist seit Beginn der Unruhen Mitte April Opfer von Angriffen regierungsnaher Milizen geworden. Sie verletzten Báez am Arm und rissen ihm das Brustkreuz vom Hals, twitterte der Geistliche. Nach diesem Vorfall bekräftigte Weihbischof Baéz die Entschlossenheit der katholischen Kirche, sich nicht einschüchtern zu lassen und den Weg des Dialogs weiterzugehen: „Die katholische Kirche wird weitergehen, sie hat keine Angst“. Die Bischöfe in Nicaragua setzen sich für den nationalen Dialog in Nicaragua ein und werden dafür immer wieder angegriffen.

Gewaltsame Auseinandersetzung mit Regierungstruppen 

 

In Masaya und den Nachbarorten Niquinohomo, Catarina und Monimbó entfernten Polizisten gestern gewaltsam Blockaden und Straßensperren, die die Demonstranten auf den Straßen aufgebaut hatten. Im Viertel Camilo Ortega starben laut der Vereinigung für Menschenrechte in Nicaragua (ANPDH), sechs Menschen, darunter vier Polizisten. Insgesamt seien 10 Menschen getötet worden sein, darunter auch zwei Minderjährige. ANPDH-Chef Àlvaro Leiva kritisert, die regierungsnahen Milizen hätten die medizinische Versorgung der Opfer verhindert und Verwundeten nicht geholfen. Nach einer vorläufigen Bilanz seien etwa 20 Menschen verletzt worden.

Proteste dauern seit drei Monaten an  


Seit drei Monaten erschüttert Nicaragua eine soziale und politische Krise. Gegner der Regierung Ortegas fordern den sofortigen Rücktritt des Präsidenten und werfen der Regierung systematische Gewalt gegen Demonstranten vor. Die Proteste hatten sich an einer Rentenreform sowie der Unterdrückung der Meinungsfreiheit entzündet. Opposition und Vertreter der Zivilgesellschaft fordern den Rücktritt Ortegas. Der macht die Protestbewegung für die Gewalt verantwortlich und lehnt einen Rücktritt ab. Den Regierungsgegnern wirft er vor, einen Putsch vorzubereiten und bezeichnete sie als „Vandalen“ und „Banden von Verbrechern“, die zu „terroristischen Taktiken greifen, um Ihre nicaraguanischen Brüder zu töten“.

Papst will Nicaragua nahe sein 


Die staatlichen Repressionen in Nicaragua haben weltweit für Kritik gesorgt. Kardinal Brenes von Mangua berichtete nach einem Treffen mit Papst Franziskus, dieser habe dazu aufgerufen, „die Einheit der Bischofskonferenz zu schützen und unserem Volk im Leid nahe zu sein“.


Laut Menschenrechtsorganisationen kamen bei den Protesten in Nicaragua bis jetzt mehr als 300 Menschen ums Leben – die Regierung spricht von rund 50 Toten.


(vatican news/Adn Kronos/Dpa/EFE – bw)
 

16 Juli 2018, 11:53