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Vatican News
Ein friedlicher Fulani vor einem Haus im Bundesstaat Plateau Ein friedlicher Fulani vor einem Haus im Bundesstaat Plateau  (AFP or licensors)

Nigeria: „Ein Land der Vernichtungslager und Massenfriedhöfe“

Die nigerianischen Bischöfe haben erneut Präsidenten Muhammadu Buhari zum Rücktritt aufgefordert. Ihrer Meinung nach ist er nicht in der Lage, die Sicherheit aller Bürger zu gewährleisten.

In einer Erklärung, die dem vatikanischen Fidesdienst vorliegt, bitten die Bischöfe den Präsidenten zum wiederholten Mal, das Land von weiterem Leid und Chaos sowie Anarchie und Tod zu bewahren. Anlass ihres Appells war ein Massaker, bei dem vor wenigen Tagen im Bundesstaat Plateau rund 200 christlichen Bauern durch die Hand - muslimischer - Fulani starben. 

Das Vertrauen verloren

 

Der Präsident habe das Vertrauen der Bürger verloren, wenn er nicht für deren Sicherheit sorgen könne, so die Bischöfe. Es könne auch kein Zufall mehr sein, dass die Täter dieser abscheulichen Massaker derselben Religion angehören wie diejenigen, die den Sicherheitsapparat kontrollieren, einschließlich des Präsidenten selbst.

Auffällig sei auch die Tatsache, dass in Fällen, in denen christliche Bauern ihrerseits die Nomaden angreifen, die Polizei die Täter schnell festnehme. Dasselbe gelte jedoch nicht für die Verfolgung der Fulani, die Christen ermordeten. 

Bereits Ende April hatte die Bischofskonferenz Nigerias Buharis Rücktritt gefordert. Auslöser dafür war ein anderes Massaker gewesen, bei dem die Fulani-Terroristen zwei Priester und 15 Gemeindemitglieder niedermetzelten. 

Angriffe nehmen zu

 

Übergriffe extremistischer Fulani-Gruppen nehmen in Nigeria seit einigen Jahren zu. Anders als Boko Haram treiben die Islamisten unter den Fulani ihr Unwesen nicht nur im Norden. Sie bedrohen auch den mittleren Süden und werden strafrechtlich bisher wenig verfolgt.

Das nomadische Hirtenvolk stammt aus dem muslimisch geprägten Norden des Vielvölkerstaates Nigerias. Wegen der anhaltenden Trockenheit ziehen die Gruppen mit ihren Viehherden immer weiter in den Süden, wo sie in tödlichen Konflikt mit den dort ansässigen christlichen Bauern geraten.

Im Gegensatz zu den Anschlägen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram spielen die Massaker der Fulani-Kämpfer in westlichen Medien bisher kaum eine Rolle. Zugleich verzeichnet der „Global Terrorism Index (GTI)“ die radikalen Fulani-Milizen als viertgrößte Terrorgruppe weltweit nach Boko Haram, dem Islamischen Staat und Al-Quaida.

Muhammadu Buhari, der selbst der Volksgruppe der Fulani angehört, wurde im März 2015 zum Präsidenten Nigerias gewählt. Er kündigte einen harten Kampf gegen Boko Haram an und konnte inzwischen einige Erfolge verzeichnen. Weitaus zaghafter geht Buhari gegen die Gräueltaten der Fulani vor.

(fides/csi)

 

04 Juli 2018, 16:31