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Flüchtlinge willkommen? Nicht in der EU, wenn man sich den derzeitigen Streit ansieht Flüchtlinge willkommen? Nicht in der EU, wenn man sich den derzeitigen Streit ansieht  (AFP or licensors)

Jesuiten-Flüchtlingsdienst kritisiert „Abschottung Europas“

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) sieht die stark gesunkenen Ankunftszahlen von Migranten an italienischen Häfen skeptisch. „Dies ist keine gute Nachricht, da der Grund dafür nicht etwa weniger Kriege und Konflikte auf der Welt sind, sondern eine Politik der Abschottung.“

Dies sagte die Sprecherin des JRS-Flüchtlingszentrums Centro Astalli, Donatella Parisi, der Nachrichtenagentur Kathpress in Rom. Mauern zu errichten, löse die Probleme nicht, sondern verschärfe sie.


„Die Zahl der Toten auf dem Mittelmeer wird weiter steigen, wie auch die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen“, so Parisi. Sie forderte erneut sichere und legale Einwanderungsmöglichkeiten, etwa durch sogenannte humanitäre Korridore oder Quoten für ausländische Arbeitnehmer. Die gesetzlichen Möglichkeiten dafür gebe es.


Situation an EU-Außengrenzen? Unverändert „inhuman“


Der JRS-Europadachverband kritisierte derweil am Dienstag insgesamt die Situation an den EU-Außengrenzen. Seit drei Jahren habe sich nichts verbessert, sagte JRS-Europa-Direktor Jose Ignacio Garcia in Brüssel. Mitarbeiter der Organisation und Partner interviewten im vergangenen Jahr 117 Migranten zu ihren Erlebnissen an den Grenzen in Rumänien, Kroatien, Spanien, Italien, Malta und Griechenland. Der Bericht dazu wurde am Dienstag vorgestellt.
Die Lebensbedingungen an den Grenzen seien für Migranten oft „inhuman“, so das Fazit. JRS-Politikreferentin Claudia Bonamini machte besonders auf Zurückweisungen von Migranten an den europäischen Außengrenzen aufmerksam. Diese seien illegal, aber an See- wie auch Landgrenzen „die Realität“.

 


EU-Gipfel hat „historische Verantwortung“


Die italienische sozialdemokratische EU-Abgeordnete Elly Schlein sagte, die EU-Staats- und Regierungschefs hätten beim Gipfel kommende Woche eine „historische Verantwortung“. Sie müssten das Momentum nutzen, um die Asylregeln in der EU zu harmonisieren. Dabei dürfe nicht der „niedrigste Standard“ als Vorbild gelten, sondern der höchste.


JRS-Europa-Direktor Garcia forderte mehr „Pragmatismus“ bei der Kompromisssuche. In den vergangenen Jahren hätten sich die Positionen zur Flüchtlingspolitik in Europa weiter auseinanderbewegt. „Es hat eine 180-Grad-Wende in der Flüchtlingspolitik von 'sehr offen' zu 'verschlossen' gegeben“, so Garcia. Das sei zu schnell gegangen. Es gelte nun, eine Balance zu finden, damit Menschen, die Asyl brauchten, unter „humanen Bedingungen“ aufgenommen werden können.


(kap – pr)
 

19 Juni 2018, 16:33