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Demonstration gegen die Benachteiligung der Dalits bei der Vergabe von Regierungsposten Demonstration gegen die Benachteiligung der Dalits bei der Vergabe von Regierungsposten   (AFP or licensors)

Indien: Christliche Dalits verlieren doppelt

Auf das schwierige Schicksal der indischen Minderheit der Dalit hat der katholische Bischof Sarat Chandra Nayak im Gespräch mit der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ aufmerksam gemacht. Er gehört selbst der niedrigsten Kaste der indischen Gesellschaftsordnung an, oft werden die Dalit auch als „Unberührbare“ bezeichnet.



Auf das schwierige Schicksal der indischen Minderheit der Dalit hat der katholische Bischof Sarat Chandra Nayak im Gespräch mit der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ aufmerksam gemacht. Er gehört selbst der niedrigsten Kaste der indischen Gesellschaftsordnung an, oft werden die Dalit auch als „Unberührbare“ bezeichnet. Seine Diözese von Berhampur liegt im westindischen Bundesstaat Odisha, bekannt auch als Schauplatz blutiger Christenverfolgungen vor zehn Jahren.
Dalits sind im täglichen Leben zahlreichen Schikanen ausgesetzt und werden zu den niedrigsten Arbeiten herangezogen, dürfen ihr Gesicht nicht vor der Sonne schützen und einem Angehörigen einer höheren Kaste nicht direkt in die Augen schauen, berichtet der Bischof.
Anteilsmäßig bekennen sich in Indien zahlreiche Dalits zum christlichen Glauben, in dem sich der Wert eines Menschen nicht nach seiner Rangordnung bemisst. Doch der Glaubenswechsel schafft für die Dalits zusätzliche Schwierigkeiten, betont der Bischof. „Nach der indischen Unabhängigkeit trat ein Erlass in Kraft, mit dem den Dalits und anderen Minderheiten besondere Fördermittel gewährt werden. Damit sollten sie nach Jahrhunderten der Vernachlässigung entschädigt werden. Für Dalits, die anderen Religionen angehören, gilt das jedoch nicht.“
Wird ein Dalit also Christ oder Muslim, bricht auch noch das geringe staatliche Almosen weg. Appelle, das zu ändern, verhallten ungehört: „Christen machen nur 2,5 Prozent der indischen Gesamtbevölkerung aus“, erklärt Nayak. „Daher konnten wir nicht viel tun, um diesen Erlass anzufechten.“
Um verstärkt für die Rechte der Dalits eintreten zu können, hat die Indische Bischofskonferenz eine eigene Kommission ins Leben gerufen, deren Vorsitzender Bischof Nayak ist.
Friedlicher Protest sei dringend nötig, erklärt er, denn die Lage der konvertierten Dalits habe sich noch weiter verschlechtert: „Die gegenwärtige Regierungspartei BJP mit ihrer hindunationalistischen Ideologie ist klar dagegen, die Förderung von Minderheiten auf christliche und muslimische Dalits auszuweiten.“ In sechs indischen Bundesstaaten herrschen Anti-Konversions-Gesetze, die den Religionswechsel unter Strafe stellen.
Dahinter stecke die Furcht vor einer Re-Kolonialisierung der indischen Kultur. „Überdies stellt das Christentum bestimmte hinduistische Gebräuche in Frage.“ Dabei seien durchaus Erfolge erzielt worden, so der Bischof beispielweise mit Blick auf die mittlerweile kaum noch angewandte Praxis der Witwenverbrennung.

20 Prozent der sozialen Dienste werden von Christen geleistet

Es ärgert ihn, dass es „als selbstverständlich“ hingenommen werde, dass gut 20 Prozent der Dienstleistungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich von Christen getragen würden, obwohl diese nur eine kleine Minderheit seien. Von Nationalisten werde versucht, auch hier das Engagement der Christen zurückzudrängen – zum Schaden für die ganze indische Gesellschaft.

Doch nicht nur nach außen gebe es viel an Überzeugungsarbeit zu leisten: „Ein Rest des Kastendenkens bleibt auch bei manchen Christen nach der Taufe noch bestehen.“ 144 Bischöfe hat Indien. Nur zwölf sind Dalits, während ein Großteil der Gläubigen dieser Kaste angehört.
 

18 April 2018, 15:01