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Kardinal Vinko Puljic aus Bosnien-Herzegovina und Erzbischof Christoph Schönborn aus Wien Kardinal Vinko Puljic aus Bosnien-Herzegovina und Erzbischof Christoph Schönborn aus Wien  (AFP or licensors)

Bosnien-Herzegowina: Bischofskonferenz befasst mit politischem Wirbel

Die Bischöfe von Bosnien-Herzegowina werden am Dienstag und Mittwoch in Mostar zu ihrer regulären Frühjahrsvollversammlung zusammenkommen. Teil der Beratungen wird die Diskussion über die Situation der Christen im Land sein.

Erst vor Kurzem, hatte der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica, sich während der gemeinsamen Konferenz mit österreichischen Bischöfen in Sarajevo über die Situation der Katholiken in der Republika Srpska geäußert. Im Krieg (1992-95) seien bis auf wenige alle Kirchen, Pfarrhäuser und andere kirchliche Einrichtungen zerstört worden. Der Wiederaufbau sei schleppend, weil die Bürokratie des Regierungschefs der Republika Srpska, Milorad Dodik, die Genehmigungen nicht erteile, Ansuchen verzögere oder sich schlicht als nicht kompetent erkläre, so der Bischof. Dazu komme, dass es kein Geld gebe. Internationale Hilfe komme in seiner Diözese nicht an.

Allein in Banja Luka habe es vor dem Krieg 40.000 Katholiken gegeben. Heute seien es nur mehr 2.000, so der Bischof gegenüber den österreichischen Journalisten. In seiner Diözese seien insgesamt nur mehr fünf Prozent der Katholiken von vor dem Krieg übrig.

 

Präsident Dodik verärgert

 

Präsident Dodik zeigte sich ob der Aussagen des katholischen Bischofs verärgert und bezichtigte ihn, nur Unruhe zu stiften.
Der Erzbischof von Sarajewo, Kardinal Vinko Puljic nahm daraufhin seinen Amtskollegen gegen die Anschuldigungen aus Banja Luka in Schutz. Komaricas Aussagen würden der Wahrheit entsprechen. Mehr als 90 Prozent der Katholiken seien aus dem Territorium der Republika Srpska geflüchtet. In den ersten Nachkriegsjahren sei die Rückkehr in diese Gebiete fast undenkbar gewesen und die Behörden der Republika würden nun dementsprechend handeln, dass eine Rückkehr auch weiterhin nicht möglich sei. Er verwies auf die ehemals katholischen Dörfer in der Region Bosanska Posavina im Norden der Republika an der Grenze zu Kroatien, "wo die Ruinen der Familienhäuser zu sehen sind, in denen nun die Bäume wachsen", so Puljic wörtlich.

 

Kirchstatistik Bosnien-Herzegowina

 

Im Rahmen der gemeinsamen Sitzung der bosnischen und österreichischen Bischöfe Anfang März in Sarajewo präsentierte der Generalsekretär der Bischofskonferenz von Bosnien-Herzegowina, Ivo Tomasevic, Details zur Kirchenstatistik: Lebten 1991 noch 812.256 Katholiken in ganz Bosnien und Herzegowina, so waren es 2017 nur mehr 376.134, was einem Rückgang von 53 Prozent entspricht. Besonders dramatisch ist die Lage in der Republika Srpska: Dort ging die Katholikenzahl von 152.856 (1991) auf nur mehr 8.369 (2017) zurück, was einen Rückgang von fast 95 Prozent bedeutet.

(kap – vn)
 

20 März 2018, 11:09