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Istanbul Istanbul  (AFP or licensors)

Türkei: Schulkrise religiöser Minderheiten spitzt sich zu

Die insgesamt 24 Schulen, die sich in Trägerschaft von Stiftungen und Einrichtungen christlicher Minderheiten in der Türkei befinden, sind in einer kritischen Lage. Dies könnte sogar so weit gehen, dass ihre Existenz gefährdet ist. Das berichtet der vatikanische Fidesdienst an diesem Freitag. Zu Beginn des neuen Schuljahres ging an vielen Schulen die Zahl der angemeldeten Schüler zurück, was einige dieser Schulen zur Schließung zwingen könnte. Dies beklagt Toros Alcan, Präsident der Stiftung der armenischen „Sur Hac Tibrevank“-Schule und Vertreter der Stiftungen der Minderheiten beim Verband der türkischen Stiftungen.

Wie die türkische Presse berichtet, nannte Alcan verschiedene Faktoren, die zu einer solchen Krise der Schulen der Minderheiten geführt haben: hauptsächlich eine Gesetzgebung, die diese mit Privatschulen gleichstellt, was zu einer beachtlichen Einschränkung der Zuschüsse führt, auf die hingegen staatliche Schulen Anspruch haben. Alcan erinnerte daran, dass die Schulen der Minderheiten gemeinnützig tätig sind und ihre Rechte vom Vertrag von Lausanne garantiert werden, weshalb ihre Statuten nicht mit denen von Privatschulen gleichgestellt werden dürfen.

In den letzten Jahren des osmanischen Reichs gab es auf dem Gebiet der heutigen Türkei insgesamt 6.437 Schulen von Minderheiten. Ihre Anzahl ging in den ersten Jahren nach Gründung der türkischen Republik sehr drastisch bis auf 138 zurück. Damals zielte die nationalistische Politik des „Komitees für Einheit und Fortschritt“ darauf ab, ein Einheitsmodell des „türkischen Bürgers“ zu schaffen, und inspirierte damit eine Politik der Ausweisung von Minderheiten. Die nationalistische Mentalität führte dazu, dass Schulen der Minderheiten als Hindernis bei diesem Prozess der Homogenisierung betrachtet wurden.

(fides 24.11.2017 mg)

24 November 2017, 15:14