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Vatican News
Straßenszene in Kolumbien Straßenszene in Kolumbien  (AFP or licensors)

D/Kolumbien: Ein sicheres Daheim für Mädchen schaffen

Es ist die Initiative eines Einzelnen, die den entscheidenden Unterschied für das Leben von vielen anderen Menschen machen kann – was wie eine Binsenweisheit klingen mag, kann gerade in Zeiten des zunehmenden Individualismus nicht oft genug wiederholt werden. Die Gründung von solchen Initiativen zu fördern, das ist auch ein Anliegen des Begabtenförderungswerkes der katholischen Kirche in Deutschland: Cusanuswerk. Seit 2009 zeichnet das Stipendienwerk alle zwei Jahre herausragende ehrenamtliche Projekte aktiver und ehemaliger Stipendiaten aus.

In diesem Jahr ging einer der beiden mit 5.000 Euro dotierten Preise an den Bonner Arzt Theodor Rüber. Er wurde für das von ihm ins Leben gerufene Projekt CASA HOGAR geehrt. CASA HOGAR setzt sich vor allem für Bildung und den Schutz von Mädchen und Frauen in der kolumbianischen Provinz Chocó ein. Die Nachricht, dass sein Projekt mit dem Cusanus-Preis ausgezeichnet worden ist, sei für ihn und sein Team auf mehrfache Weise von besonderer Bedeutung gewesen, erzählt Rüber im Gespräch mit Radio Vatikan.

„Einerseits, weil es eine gewisse Wertschätzung ausdrückt, über die wir uns freuen; aber noch mehr, weil es dem Projekt eine gewisse Aufmerksamkeit gibt über den finanziellen Betrag hinaus, den man für die Hilfe der Mädchen in Kolumbien nutzen kann. Wir haben im Team viele Alt-Cusaner und auch aktuelle Cusaner. Man sogar die Idee CASA HOGAR als ‚cusanisch‘ bezeichnen, denn es geht auch in Kolumbien darum, einzelne sehr talentierte, ambitionierte Mädchen zu fördern zum Nutzen der gesamten Gesellschaft.“

“ Talentierten Mädchen eine Chance verschaffen ”

CASA HOGAR ist ein reines Ehrenamtsprojekt, das von 60 Freiwilligen in verschiedenen Ländern getragen wird. Menschen aus Deutschland, Österreich, USA und vor allem Kolumbien haben sich 2015 auf Initiative von Rüber zusammengefunden, um ein bereits bestehendes kirchliches Projekt in der Provinz Chocó tatkräftig zu unterstützen und auszubauen. „Dort versuchen wir als internationales Team in diesen vier Ländern jungen Mädchen, die aufgrund der katastrophalen Lebensumstände, die dort herrschen, völlig chancenlos sind, zu helfen,“ erklärt Rüber. „Das tun wir vor allem durch Bildung. Man muss dazu sagen, Chocó ist eine der wenigen Regionen, die von den Friedensverhandlungen, die jetzt stattgefunden haben, nicht profitiert haben. Da hat der Friedensvertrag eher dazu geführt, dass die Farc-Rebellen ein Machtvakuum hinterlassen haben, das gewalttätig mit kriegerischen  Auseinandersetzungen gefüllt wird. Es ist der feuchteste Ort der Welt, die goldreichste Region Südamerikas, und es ist das Epizentrum des blutigsten Konfliktes, den Lateinamerika in den letzten 60 Jahren erleben musste.“

“ Der Einsatz der Ortskirche ”

Hinzu kommt: Die Gesellschaft ist in großen Teilen von machistischen Strukturen dominiert, umso schwerer haben es junge Mädchen. Das hat der Bischof des Bistums Istmina-Tadó schon vor langem erkannt, seine Diözese ist bei der Förderung junger Mädchen besonders aktiv und über die Hilfe aus dem Ausland sehr dankbar. „Eigentlich kümmern wir uns um Jungen und Mädchen“, erklärt Bischof Julio Hernando García Peláez, „aber CASA HOGAR wird nur Mädchen bzw. Frauen aufnehmen. Unsere Erfahrungen hier vor Ort zeigen, dass Frauen diejenigen sind, die am schlechtesten behandelt und am meisten in ihren Menschenrechten verletzt werden. Sie werden oft geschlagen. Sie sind Opfer der sozialen Umstände vor Ort wie Drogenhandel oder Alkoholismus, Kriege oder Guerillakämpfe.“

“ Weitere Projekte in Planung ”

Der Bau eines Wohnhauses für bedürftige und talentierte Mädchen, die in Zukunft die diözesane Schule besuchen sollen, ist mittlerweile dank der Spenden, die Rüber und sein Team sammeln konnten, abgeschlossen. 20 Schülerinnen werden dort außerhalb der Schulzeiten von Ordensschwestern betreut. Nun stehen weitere Projekte an: „Das zweite Projekt ist, dass wir eine Schule von 150 auf 500 Schülerkapazität ausbauen, damit es die Schüler auch zum Abitur bringen zu können. Das dritte Projekt ist der Bau eines Essensaales im ganz tiefen Dschungel in Chocó für eine indigene Gemeinschaft.“

Für den Ausbau der Schule sei die Finanzierung auch durch öffentliche Gelder, die in Verbindung mit einem signifikanten Eigenanteil eingeworben wurden, bereits gesichert. Im Dezember solle nun mit dem Bau begonnen werden – nachdem sich der Baustart aufgrund der nach wie vor unsicheren Lage vor Ort bereits um ein Jahr verzögert habe, gibt Rüber einen Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen das Team zu kämpfen hat: „Das Land, auf dem das Haus gebaut wird, wird von Landbesetzern beansprucht. Das sind Probleme, mit denen man in diesen Gebieten zu tun hat und die meistens nicht zu vermeiden sind. Mit unserer momentanen Aufstellung zweifeln wir aber nicht, dass wir es schaffen, dieses Projekt und auch zukünftige Projekte abzuschließen.“

(rv 19.11.2017 cs)

20 November 2017, 14:12