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Vereidigungsfeier 2024: Kommandant erinnert an Mutter Teresa

„Die Frucht des Dienens ist Frieden." Mit diesem Zitat von Mutter Teresa erinnerte der Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde, Christoph Graf, an diesem Montagnachmittag im Vatikan, an den Stellenwert der Leibwache. Er äußerte sich bei der Vereidigungsfeier für 34 neue Gardisten. Sie leisteten ihren Schwur bei schönem Wetter im Damasushof im Vatikan.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Punkt 17 Uhr ertönten nach dem Kirchglockenschlag die Fanfaren im Hof vor dem Apostolischen Palast. Vor hunderten Gästen, darunter der Substitut des Staatssekretariats, Edgar Peña Parra, und die Schweizer Präsidentin Viola Amherd, zogen die 34 Gardisten im langsamen Laufschritt ein. Als Vertreter der Kirche in der Schweiz war der Präsident der Bischofskonferenz, der Basler Bischof Felix Gmür anwesend. Erstmals nahm auch Bischof Joseph Maria Bonnemain von Chur an der Feier teil.

Zum Nachhören - wie die diesjährige Vereidigung der Schweizergarde war

Trommelwirbel gaben den Rhythmus vor. Zwei Ehrenvertretungen waren in diesem Jahr ebenfalls mit dabei: Zuerst marschierten die „Cent-Suisses“ zu den Klängen der „Fifres et Tambours de Bale“ ein. Dieses historische Ehrenkorps ist seit dem 18. Jahrhundert die Ehrengarde der Winzerbruderschaft während der „Fete de Vigneron“ (Winzerfest). Heute sind sie Sinnbild der Schweizer Geschichte der Elite-Reisläufer. Sie sind insbesondere Repräsentanten der Truppe des französischen Königs, die 1792 der Revolution zum Opfer fiel. Die Pfeifen und Trommeln, die sie begleiten, gelten als „lebendiges Zeugnis“ einer reichen Schweizer Musiktradition.

Die Vereidigung 2024
Die Vereidigung 2024

Es folgte dann der Einzug des Banners der Zentralvereinigung der ehemaligen Gardisten. Diese Fahne vereint das im Dienst stehende Korps mit seinen Mitgliedern, die in die Schweiz zurückgekehrt sind. Sie gilt auch als das sichtbare Symbol des Mottos: „Einmal Gardist, immer Gardist!“.

Tragik des „Sacco di Roma“

Die Vereidigung findet jährlich am 6. Mai statt. Dies geschieht in Erinnerung an 147 Schweizergardisten, die an diesem Tag im Jahr 1527 bei der Plünderung Roms durch deutsche und spanische Söldner getötet wurden. Die restlichen Gardisten hatten den damaligen Papst Clemens VII. in die Engelsburg in Sicherheit gebracht. In Gedenken an die Tragik des „Sacco di Roma“ vom schworen dann die 34 Rekruten – diesmal etwa gleichviele französisch- wie deutschsprachige Hellebardiers – dem Papst ihren Treueeid. Kommandant Christoph Graf und Gardekaplan P. Kolumban Reichlin hielten eine Ansprache und erläuterten die Bedeutung der päpstlichen Leibwache in der heutigen Zeit. So hob Kommandant Graf hervor:

„Unterstützung, auch durch Gebete, ist sehr wichtig“

„Ich freue mich besonders, jedes Jahr aufs Neue an diesem wichtigen und unvergesslichen Moment für jeden Schweizergardisten teilnehmen zu dürfen, der im Beisein von Eltern, Brüdern und Schwestern stattfindet. Die Eltern, Brüder und Schwestern sind die wichtigsten Ansprechpartner. Sie bieten den jungen Gardisten die nötige Unterstützung. Dafür möchte ich Ihnen von ganzem Herzen danken. Ihre Unterstützung, auch durch Gebete, ist sehr wichtig, denn nicht wenige von ihnen sind zum ersten Mal für längere Zeit im Ausland, und das mit einer so großen Last an Verantwortung.“

Die Vereidigung 2024
Die Vereidigung 2024

Die Frucht des Gebets

Dann erläuterte er aus seiner früheren Zeit in der Garde und ging dabei auch auf ein Treffen mit Mutter Teresa ein:

„Im Laufe meines Dienstes habe ich Mutter Teresa mehrmals getroffen. Eines frühen Morgens, als ich hier im Hof von San Damaso als junger Wächter Dienst tat, wurde Mutter Teresa erwartet, die zur Messe von Papst Johannes Paul II. in der Privatkapelle der päpstlichen Wohnung hier im dritten Stock eingeladen war.  Sie kam in einem kleinen, unauffälligen Auto; und bevor sie in den Aufzug stieg, kam sie auf mich zu und überreichte mir einige Medaillen, auf denen die Mutter Gottes, Maria, abgebildet war, und ein kleines Stück Papier, auf dem geschrieben stand: ,Die Frucht der Stille ist das Gebet. Die Frucht des Gebetes ist der Glaube. Die Frucht des Glaubens ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist der Dienst. Die Frucht des Dienens ist der Friede.` Dieses Zitat von Mutter Teresa ist nichts anderes als eine einfache Anleitung, wie man ein erfolgreiches Leben in Frieden aufrechterhalten oder wiedererlangen kann. Das heißt, Frieden mit sich selbst und Frieden mit der Welt. Das ist es, was zum Weltfrieden führt.“

„Was uns als individuelle Menschen wie als Gesellschaft im Guten voranbringt, ist nicht die Erwartungshaltung, von anderen etwas zu bekommen“

Der Gardekaplan und Benediktiner Pater Kolumban unterstrich seinerseits, dass der Garde-Schwur von einer beispielhaften Wertehaltung und Einsatzbereitschaft zeuge. Dabei schwören die Gardisten, jeder in seiner Muttersprache, den Papst notfalls mit dem eigenen Leben zu beschützen.  Pater Kolumban fügte dazu an:

„Was uns als individuelle Menschen wie als Gesellschaft im Guten voranbringt, ist nicht die Erwartungshaltung, von anderen etwas zu bekommen, sondern die Bereitschaft jedes Einzelnen, anderen etwas zu geben. Ohne Hingabe tun sich das menschliche Leben, sein Aufblühen und seine Entwicklung schwer. Wir alle sind, was wir sind, dank der Dienstbereitschaft unzähliger Menschen, angefangen bei unseren Eltern: Auf wie viele Annehmlichkeiten haben sie über Jahre verzichtet, wie oft haben sie eigene Interessen, persönliche Wünsche und Träume hintangestellt, aus purer Zuneigung und aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Wert des wachsenden und reifenden Lebens.“

Die Schweizer Bundespräsidentin Viola Amherd bei der Vereidigung 2024
Die Schweizer Bundespräsidentin Viola Amherd bei der Vereidigung 2024

Kulturelles Rahmenprogramm

Das Gardespiel führte nach der Vereidigung mehrere Stücke wie „Du Nord“ von Albert Benz und „Slaidburn“ von Kenneth Alford auf. Die Trommler spielten „By Land and Sea“ von Markus Bolt und das Stück „Jumba Jump!“ von Christoph Walter. Zum Abschluss der Zeremonie, beim Ausmarsch, wurden die Stücke „Calibra“ von Roman Lombriser von den Tambouren und „Justitia“ von Stefan Jäggi von der Band gespielt.

Ihren Schwur leisten sie in Muttersprache

Von den 34 neuen Gardisten stammen 16 aus der deutschen Schweiz, genauso viele aus dem französischen Teil und zwei aus dem italienischen. Ihren Schwur, den Papst notfalls mit ihrem Leben zu schützen, leisten sie in ihrer jeweiligen Muttersprache. 

Nach der Vereidigung folgt ein mindestens 26 Monate langer Dienst in der Truppe, die für die Sicherheit von Kirchenoberhaupt und Vatikan zuständig ist. Für diesen Zeitraum sind die Gardisten Bürger des Vatikans. 

Die Vereidigung findet jährlich am 6. Mai statt. Dies geschieht in Erinnerung an 147 Schweizergardisten, die an diesem Tag im Jahr 1527 bei der Plünderung Roms durch deutsche und spanische Söldner getötet wurden. Die restlichen Gardisten hatten den damaligen Papst Clemens VII. in die Engelsburg in Sicherheit gebracht. 

(vatican news)

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06. Mai 2024, 17:56