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Dem Heiligen Stuhl reicht nicht, was beim UN Klimagipfel COP26 in Glasgow bisher rum kam Dem Heiligen Stuhl reicht nicht, was beim UN Klimagipfel COP26 in Glasgow bisher rum kam  (REUTERS)

Vatikan zu COP26: Es gibt noch mehr zu tun

Kurz vor dem Ende der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow hat sich die teilnehmende Delegation des Heiligen Stuhls am Donnerstagabend zu den bisherigen Ergebnissen geäußert. „Auch wenn es noch mehr zu tun gibt, ist es wichtig, proaktiv nach wirksamen Wegen zur Umsetzung der gemachten Zusagen zu suchen", heißt es in der Erklärung des Heiligen Stuhls.

Was bisher getan werden soll*, scheint dem Heiligen Stuhl noch nicht genug: Bei der 14-tägigen Klimakonferenz hätten sich „verschiedene Lücken" in den Bereichen der Verringerung des Klimawandels, der Maßnahmen der Anpassung und bei der Finanzierung gezeigt. Die für diese drei Aspekte bereitgestellten Ressourcen seien jedoch für das Erreichen der Ziele des Pariser Abkommens von „grundlegender Bedeutung". Der Heilige Stuhl hoffe daher, „dass auf der COP26 eine Einigung über einen klaren Fahrplan erzielt werden kann, um diese Lücken bald zu schließen, wobei die Industrieländer die Führung übernehmen sollten."

„Einigung über einen klaren Fahrplan nötig (...) wobei die Industrieländer die Führung übernehmen sollten“

Der Vatikan würdigte zugleich die Verpflichtungen, die die Staaten mit ihren Zusagen eingegangen sind mit den Worten: „Die ehrgeizigen Verpflichtungen der Staaten, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und die dafür erforderlichen finanziellen Mittel bereitzustellen, sind vielversprechend und in der Tat für das Überleben der am meisten gefährdeten Gemeinschaften unerlässlich." Papst Franziskus hatte diesen Donnerstag noch in einem Brief an Schottlands Katholiken eindringlich zu verantwortungsvollem Handeln gemahnt. Eine schnelle Einigung in Glasgow scheint unterdessen unwahrscheinlich - Beobachter gehen von einer Verlängerung bis mindestens Samstag aus. Am Ende der Konferenz müssen die rund 200 Staaten den finalen Erklärungstext gemeinsam offiziell beschließen.

Was am Ende rum kommt?

Fraglich ist also noch, was am Ende in der Abschlusserklärung steht, und vor allem, wie diese umgesetzt wird. Dazu heißt es in der Mitteilung aus dem Vatikan: „Die Delegation des Heiligen Stuhls hofft, dass die endgültigen Entscheidungen dieser Konferenz von echtem Verantwortungsbewusstsein gegenüber den gegenwärtigen und zukünftigen Generationen sowie von der Sorge um unser gemeinsames Haus inspiriert werden und dass diese Entscheidungen wirklich dem ,Schrei der Erde und dem Schrei der Armen´ entsprechen".  Auf diesen Schrei der Umwelt und der Armen hatte Papst Franziskus übrigens schon 2015 - im Jahr der Pariser Klimakonferenz - in seiner Sozialenzyklika  „Laudato si" hingewiesen. 

Was bisher geplant ist

Laut Medienberichten vom Freitag wurde auf Druck Chinas, Indiens und Saudi-Arabiens das Bekenntnis zum Kohleausstieg in einem neuen Entwurf der Abschlusserklärung abgeschwächt. Statt des Aufrufs, den Kohleausstieg und das Ende der Subventionen für fossile Brennstoffe zu beschleunigen, ist im aktuellen Entwurf nur noch davon die Rede, „ineffiziente Subventionen“ und alte Kohlekraftwerke, deren ausgestoßenes Kohlendioxid nicht gebunden wird, zu beenden, berichtet das „Handelsblatt". Der Zusatz „ineffizient“ könnte Ländern eine Hintertür offenlassen, an fossilen Brennstoffen länger festzuhalten. Aus Sicht von Beobachtern wäre es allerdings ein Erfolg, wenn erstmals überhaupt ein Bekenntnis zum Kohleausstieg in der Abschlusserklärung steht. Auch andere Elemente im zweiten Entwurf, den die britische Ratspräsidentschaft am Freitagmorgen veröffentlichte, geben demnach Anlass zur Hoffnung:

So werden die Industrieländer aufgefordert, ihre Finanzhilfen für ärmere Länder „dringend und bedeutend“ aufzustocken. Das entspricht den Forderungen des Heiligen Stuhls. Zudem wird dabei erstmals wird eine konkrete Frist genannt: Die Finanzhilfen sollen bis 2025 verdoppelt werden. Die Industrieländer werden laut dem „Handelsblatt" im Entwurf zudem angehalten, „bessere und zusätzliche“ Unterstützung zu leisten, um gegen Klimaschäden vorzugehen.

Es gibt Erfolge

Geblieben ist das Ziel,  das klimaschädliche Emissionen bis 2030 um 45 Prozent sinken sollen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Auch die Aufforderung an alle Länder, ihre nationalen 2030-Klimaziele bis Ende 2022 nachzubessern, ist weiterhin im Text - jedoch nicht als Verpflichtung formuliert. Bisher als Erfolg gewertet wird ein Klimapakt der beiden größten Treibhausgasemittenten der Welt, China und USA. 

„Die Delegation des Heiligen Stuhls hofft, dass die endgültigen Entscheidungen dieser Konferenz von echtem Verantwortungsbewusstsein gegenüber den gegenwärtigen und zukünftigen Generationen sowie von der Sorge um unser gemeinsames Haus inspiriert werden“

* Dieser Text wurde am 12.11. um 12.15 Uhr aktualisiert. 

(vatican news/handelsblatt - sst)

11 November 2021, 18:25