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Papst Franziskus hält bei seiner Slowakei-Reise am 13. September 2021 eine Rede Papst Franziskus hält bei seiner Slowakei-Reise am 13. September 2021 eine Rede  (Vatican Media) Leitartikel

Editorial zur Papstreise: Neues Alphabet zur Glaubensverkündung

Mit seiner Slowakei-Reise zeigt Papst Franziskus der Kirche in der Slowakei und in ganz Europa den Weg auf, um demütig und ohne Sehnsucht nach der Vergangenheit in der heutigen Welt präsent zu sein. Ein Leitartikel von Andrea Tornielli.

Andrea Tornielli - Bratislava

Papst Franziskus' Reise in die Slowakei ermöglicht es uns, zu verstehen, welchen Weg Franziskus den Kirchen nicht nur im Osten, sondern in ganz Europa vorschlägt. Vor allem steht der Papst für eine realistische Sichtweise: Selbst Märtyrernationen, die den kommunistischen Totalitarismus und Verfolgung erlebt haben, stehen heute vor einer im Galopp fortschreitenden Säkularisierung. Sie sind zudem mit Generationen konfrontiert, die keine Verbindung mehr zu einer Zeit haben, in der Heldentum, Widerstand und ein mit Stolz gelebter Identitätsglaube eine Rolle spielten.

Junge Leute werden heutzutage „oftmals von einem konsumistischen Geist getäuscht, der die Existenz verblassen lässt", stellte Franziskus bei seiner Begegnung mit Regierungsvertretern, der Zivilgesellschaft und dem Diplomatischen Korps fest. Gesellschaften, die einst stolz auf ihre Traditionen waren, erleben heute eine ideologische Kolonisierung, eine Reduzierung des Fortschritts auf rein materiellen Gewinn, und ein Streben nach Rechten, die auf individualistische Wünsche reduziert sind.


Angesichts all dessen erklärt Franziskus, dass die Antwort auf die Säkularisierung nicht darin besteht, sich zu verschließen. Die Kirche ist keine Festung und auch kein Machthaber, der die Welt mit Distanz und Selbstgenügsamkeit betrachtet. Was es braucht, ist eine demütige Kirche, die demütig wie Jesus gemeinsam weiter geht und die sich nicht von der Welt abgrenzt, sondern in ihr lebt, wie Papst Franziskus bei seiner Begegnung mit slowakischen Bischöfen betonte.

Wir brauchen eine Kirche, die sich nicht in Eintönigkeit und Starrheit flüchtet, sondern die Freiheit stärkt, in dem sie den Weg jedes Einzelnen respektiert. Es braucht eine kreative Kirche, die so ist wie die Slawenapostel Kyrill und Method, die ein neues Alphabet erfanden, um den Menschen den Glauben zu verkünden.

Neue „Alphabete" für die Verkündigung des Evangeliums zu finden, ohne einer längst gewesenen Vergangenheit nachzutrauern, ist die dringendste Aufgabe für die Kirchen in Europa.

Übersetzung: Stefanie Stahlhofen

(vatican news - at/sst) 

13 September 2021, 18:37