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Konferenzen, die wichtige Weichen stellen: Genf ist der zweite Hauptsitz der Vereinten Nationen Konferenzen, die wichtige Weichen stellen: Genf ist der zweite Hauptsitz der Vereinten Nationen 

Fratelli tutti-Konferenz: Geschwisterlichkeit als Inspiration der UNO

Geschwisterlichkeit im internationalen Kontext stärken, gerade angesichts von Tendenzen der Abschottung und des Nationalismus zur Zeit der Corona-Krise: das ist das Anliegen der internationalen Online-Konferenz „Brüderlichkeit, Multilateralismus und Frieden“, die die Vatikanvertretung bei der UNO in Genf für diesen Donnerstagnachmittag organisiert hat.

„Die wachsenden Ungleichheiten und Spaltungen zwischen den Staaten werden immer sichtbarer, und wir können auch sehen, dass die Schwächsten weniger berücksichtigt werden. Dies zeigt sich auch im Wettlauf um die Hortung von Impfdosen auf dem Markt, so dass einige Staaten sogar zu viele haben und andere diese Mittel ganz vermissen“, erklärt dazu Erzbischof Ivan Jurkovič, der den Vatikan bei der UNO in Genf vertritt, im Interview mit Radio Vatikan.

Geschwisterlichkeit international stärken

Angesichts dieses „Virus des radikalen Individualismus“ habe der Heilige Stuhl entschieden, das Grundprinzip der Geschwisterlichkeit im Bereich der internationalen Zusammenarbeit im Austausch mit internationalen Entscheidungsträgern zu stärken. So ist der Ausgangspunkt der hochkarätigen Online-Konferenz an diesem Donnerstag die Präsentation der Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus, die Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft zum Thema hat. Der Sitz der Vereinten Nationen in Genf sei dafür ein wichtiger Ort, so Jurkovič:

„Geschwisterlichkeit, Multilateralismus und Frieden sind drei Worte, die sehr gut nach Genf passen, denn Geschwisterlichkeit ist die Inspiration der Vereinten Nationen - und auch des Papstes. Der Multilateralismus ist ein Thema, das so viel Ärger gemacht hat und das immer Stärkung braucht, und Genf ist auch ein Zentrum der Verhandlungen für Abrüstung und Frieden...“

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Geballtes Potential möglicher Veränderung

Bei der Online-Konferenz sind wichtige internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation, das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen, das internationale Rote Kreuz, und mit Prinz Hassan von Jordanien auch Vertreter anderer Religionen mit dabei. Dass die Botschaft der Enzyklika „Fratelli tutti“ in die UNO-Stadt Genf, wo viele weitere internationale Organisationen Vertretungen haben, getragen wird, sei sehr wichtig, betont der Erzbischof:

„Es ist erwähnenswert, dass es 39 internationale Organisationen gibt, die ihren Sitz in Genf haben, das geht es um Themen von Abrüstung bis Handel, von Menschenrechten bis Migration. Das bedeutet ein enormes Kapital an Menschenrechten und Menschenwürde. Genf muss, wie wir, nicht nur an Inspirationen glauben, sondern auch an die Kraft des Dialogs, der Strukturen braucht. Man kann die Vereinten Nationen kritisieren - und es ist leicht, sie zu kritisieren, vielleicht sogar notwendig -, aber man muss sagen, dass die Welt heute ohne die Vereinten Nationen wahrscheinlich viel schlechter dran wäre und ohne sie nicht denkbar ist. Große Ideen und große Inspirationen brauchen auch Strukturen, und das versuchen wir zu unterstreichen und zu unterstützen, auch als die Vertretung der Mission des Heiligen Stuhls.“

Dialog der Religionen bestimmt Zukunft der Welt 

Ein Teil der Online-Veranstaltung konzentriert sich an diesem Donnerstag auch auf den interreligiösen Dialog. So tragen bei einem Panel zum Thema „Brüderlichkeit, Interreligiöser Dialog und Soziale Gerechtigkeit“ etwa der Präsident des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog, Kardinal Miguel Ángel Ayuso Guixot, und der jordanische Prinz El Hassan bin Talal, der Vorsitzender des Kuratoriums des „Royal Institute of Interfaith Studies“ in Jordanien ist, vor. Wie können die Religionen in der Pandemie-Zeit zu Frieden und Entwicklung beitragen? Dazu der Vatikanvertreter in Genf, Erzbischof Jurkovič:

„Ich würde sagen, dass es einen Bedarf an Dialog innerhalb der Religion gibt. Man kann die passendsten Worte finden, um es zu definieren, aber auf beiden Seiten muss man wissen, dass es eine Notwendigkeit ist, und unsere Wahrnehmung ist, dass diese Überzeugung immer tiefer und realer wird. Das sind keine Worte, das ist eine echte Notwendigkeit. Die Welt muss den Weg des Dialogs zwischen den Religionen beschreiten. Wir sind nah dran, und die Zukunft der Welt hängt von uns ab, besonders bei den großen Religionen, die etwas mehr als die Hälfte der Menschheit repräsentieren. Das bedeutet, dass von der Qualität des Dialogs von zwei oder drei großen Religionen die Zukunft von mehr als der Hälfte der Menschheit abhängt…“

Organisator der virtuellen Konferenz ist die Ständige Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf. Förderer sind die Mission des Malteserordens bei den Vereinten Nationen in Genf, die Internationale Katholische Migrationskommission, das Forum katholischer Nichtregierungsorganisationen, die Päpstliche Lateran-Universität und die Stiftung Caritas in Veritate. Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hält eine Ansprache. Im Internet ist die Tagung zwischen 15.00 und 17.00 Uhr auf Youtube zu verfolgen.

(vatican news – pr)
 

15 April 2021, 13:12