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Erzbischof Paul Richard Gallagher (rechts im Bild) Erzbischof Paul Richard Gallagher (rechts im Bild) 

Vatikan: Atomwaffen müssen geächtet werden

Der Heilige Stuhl will, dass Atomwaffen in den Kreis permanent geächteter Waffen eintreten. Deshalb habe man sich aktiv an der Abfassung und dem Inkrafttreten des Vertrags zum Verbot von Atomwaffen beteiligt, sagte Erzbischof Paul Richard Gallagher, der „Außenminister“ des Heiligen Stuhles, im Gespräch mit den Vatikan-Medien.

Erstes internationales Rechtsinstrument

Bis zur Verabschiedung des Vertrags über das Verbot von Atomwaffen (TPAN) im Jahr 2017 habe kein internationales Rechtsinstrument existiert, das solche Waffen ausdrücklich verboten hätte, sagte der Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten. Sein Inkrafttreten schließe nun „die Lücke zwischen den verschiedenen Arten von Massenvernichtungswaffen." Hauptziel des Vertrages sei es, „Atomwaffen eindeutig zu verbieten und sie in die gleiche Kategorie zu stellen wie andere Massenvernichtungswaffen, die bereits verboten sind, etwa chemische und biologische Waffen“. Mit dieser neuen Kategorisierung seien Atomwaffen nun Waffen, „deren Einsatz und Besitz immer wieder gebrandmarkt und für unrechtmäßig erklärt werden muss“, sagte der Erzbischof. „Dies ist einer der Gründe, warum sich der Heilige Stuhl für das Inkrafttreten des Vertrages eingesetzt und aktiv an dessen Erarbeitung mitgewirkt hat.“

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Gallagher verwies auf den internationalen, von möglichst vielen Staaten und Organisationen geteilten Horizont des Vertrags: „Es ist notwendig, die Bemühungen zu intensivieren, um dem Druck gegen den Multilateralismus entgegenzuwirken und die Dynamik des Argwohns und des Misstrauens zu überwinden“, so der „Außenminister“ des Heiligen Stuhles. Er warb für eine - im Vertrag verankerte - breite Friedenserziehung im Sinn einer „Bewusstseinsbildung über die Risiken und Folgen von Atomwaffen für die gegenwärtige und die zukünftige Generation“. Bildung und Bewusstseinsbildung trügen dazu bei, „das Mosaik einer atomwaffenfreien Welt zusammenzusetzen“. Es gelte eine Kultur zu schaffen, „die solche Waffen ablehnt“, und das sei „eine Kultur des Lebens und des Friedens, eine Kultur der Sorgfalt."

Nicht die Stärke des Rechts durch das Recht des Stärkeren ersetzen

Zum Thema nukleare Abschreckung sagte der Erzbischof, gerade die Corona-Pandemie sei in diesem Punkt lehrreich. Sie zeige nämlich auf, wie wichtig es ist, „unser Konzept der Sicherheit zu überdenken“. Internationaler Frieden und Sicherheit könnten nicht auf der Androhung gegenseitiger Zerstörung oder totaler Vernichtung beruhen, noch auf der Aufrechterhaltung eines Machtgleichgewichts oder der Regelung politischer Beziehungen, indem man „die Stärke des Rechts“ durch das „Recht des Stärkeren“ ersetze.

„Frieden und Sicherheit müssen auf Dialog und Solidarität aufgebaut werden“

Gallagher entwarf das Gegenbild zu einer solchen Drohvision: „Frieden und Sicherheit müssen auf Dialog und Solidarität aufgebaut werden, auf Gerechtigkeit, auf ganzheitlicher menschlicher Entwicklung, auf der Achtung der grundlegenden Menschenrechte, auf der Bewahrung der Schöpfung, auf der Förderung von Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen und auf dem Aufbau von Vertrauen zwischen den Völkern."

Über die nukleare Abschreckung hinausgehen

Es gelte, „über die nukleare Abschreckung hinauszugehen“, erklärte Gallagher. Die Verwirklichung einer Welt ohne Atomwaffen passe in diese weitsichtige Strategie, die auf dem Bewusstsein beruht, dass „alles miteinander verbunden ist" – eine Perspektive, die Papst Franziskus in seiner Sozial- und Umweltenzyklika Laudato si' auftat. „TPAN geht in diese Richtung“, sagte der Erzbischof. „Diese Strategie kann nur durch einen Dialog aufgebaut werden, der fest auf das Gemeinwohl und nicht auf den Schutz verschleierter oder einseitiger Interessen ausgerichtet ist."

(vatican news)

 

21 Januar 2021, 14:30