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Tagle: „Im Pandemie-Jahr ruft uns Weihnachten zur Solidarität auf“

Kummer und Hoffnung: Das seien die Gefühle, die aufgrund der Pandemie diese Tage vor Weihnachten kennzeichnen, sagt der Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Kardinal Luis Antonio Tagle, im Gespräch mit Radio Vatikan. Der von den Philippinen stammende Kirchenmann hat selbst eine Corona-Infektion hinter sich.

Mario Galgano und Alessandro Gisotti – Vatikanstadt

Tagle, der auch Präsident von Caritas Internationalis ist, betont die Bedeutung der Geburt Jesu als Zeichen der Hoffnung und Wiedergeburt für die ganze Menschheit.

„Ich denke, wir sollten uns auch daran erinnern, dass wahrscheinlich schon zur ersten Weihnacht, als Christus geboren wurde, die Situation nicht ideal war: Israel befand sich in sehr schwierigen Lebensumständen, und inmitten all dessen wurde der Sohn Gottes geboren. Ich denke, dass die Probleme und Leiden dieses Jahres uns dabei helfen werden, uns auf die Hoffnungsbotschaft von Weihnachten zu konzentrieren. Was ist Weihnachten? Es ist Gott, der unter uns kommt. Wir werden nie allein sein. Emmanuel, also Gott mit uns! Und so werden andere Dinge, die uns wichtig erscheinen, einfach zweitrangig werden: die Investitionen, die Erfolge, die Geschenke, unser Geld ... die treten dann in den Hintergrund. All diese Dinge, die wir mit Weihnachten assoziiert haben, können auch wegfallen. Aber Jesus, der mitten unter uns kommt, Gott mit uns, wird für immer bei uns sein. Das ist unsere Hoffnung.“

Zum Nachhören - die Gedanken zu Weihnachten von Kardinal Tagle

Aus eigener Erfahrung

Er wolle allen sagen, die derzeit mit dem Coronavirus infiziert sind, dass sie in ihm „einen Bruder haben, der den inneren Aufruhr, die Qualen und die Angst kennt“.

„Ich möchte ihnen und allen, die mir zuhören, sagen, dass wir mit Recht von so etwas überrascht sind: Sowas erwartet man nicht! Wie das Evangelium sagt: ,Ihr wisst nicht, wann es kommt, wann der Herr kommen wird, also seid bereit.' So hoffe ich, dass wir alle jeden Moment, jeden Tag unseres Lebens, in Frieden mit Gott und in Frieden mit unserem Nächsten leben können. Lassen Sie uns gute Taten, die wir jetzt tun könnten, nicht aufschieben, kleine Gesten... Ein einfacher Akt der Freundlichkeit, ein kleiner Akt der Gerechtigkeit, ein einfacher Telefonanruf, ein Lächeln, eine Erinnerung, weil wir vielleicht keine weitere Chance bekommen, es zu tun.“

Papst Franziskus habe in diesem Jahr mehrfach angesichts der Pandemie gemahnt, dass sich niemand selbst retten könne. Jeder Christen könne konkret etwas dafür tun, um diese Worte des Papstes zu bezeugen:

Menschen auf einem Straßenmarkt in Manila am Montag
Menschen auf einem Straßenmarkt in Manila am Montag

Die Kreativität der Christen

„Ich erinnere mich immer gerne daran, wie kreativ die Christen aus verschiedenen Orten und verschiedenen Generationen Weihnachten feiern; man reist von einem Land zum anderen und sieht die Kreativität der Christen. Dieses Weihnachten 2020 in der Pandemie ruft uns zur Solidarität auf. Ich hoffe, dass wir diesbezüglich kreativ sein werden; dass wir Wege finden können, vor allem, um unsere Brüder und Schwestern daran zu erinnern, dass sie einen Freund haben, auf den sie zählen können. Vielleicht sollte ich, statt für mich selber Geld zu sparen, lieber für meinen Nachbarn sparen, der nichts hat? Anstatt ein Festmahl nur für mich und meine Familie zu haben, warum kann ich nicht auch für jemand anderen Essen bestellen? Es gibt viele, viele Möglichkeiten, um Menschen beizustehen. Damit versteht jeder: Ich habe einen Bruder, ich habe eine Schwester, ich habe einen Freund.“

Sein Wunsch zum neuen Jahr: dass die Menschen die Kraft, die Hoffnung, den Glauben und die Freude haben werden, um das neue Jahr fröhlicher zu gestalten.

„Wir können nicht erwarten, dass externe Faktoren die Dinge ändern. Vielleicht werden sie sich nicht ändern. Aber wir können unsere Perspektive ändern, und das wird das neue Jahr heller machen: unsere Hoffnung, unsere Solidarität, unsere Freude.“

(vatican news)

15 Dezember 2020, 13:00