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Die Bußliturgie mit dem römischen Klerus in der Lateranbasilika Die Bußliturgie mit dem römischen Klerus in der Lateranbasilika  (Vatican Media)

Bußgottesdienst in Lateranbasilika: Probleme der Priester

Papst Franziskus nahm diesmal nicht persönlich an der Bußliturgie in der Lateranbasilika teil, da er sich nicht ganz fit fühlte. Der Kardinal-Vikar des Bistums Rom, Angelo De Donatis, verlas die von Franziskus vorbereitete Ansprache. Darin ging es um Verbitterung bei Priestern - und wie sie überwunden werden kann.

Stefanie Stahlhofen – Vatikanstadt

Der traditionelle Bußgottesdienst des Papstes mit den Priestern des Bistums Rom hat diesen Donnerstag ohne Papst Franziskus stattgefunden. Das Kirchenoberhaupt habe es „aufgrund leichten Unwohlseins“ vorgezogen, in der Nähe der Casa Santa Marta im Vatikan zu bleiben, teilte Vatikansprecher Matteo Bruni mit. Seine anderen Termine werde der 83-jährige Papst wie geplant wahrnehmen. Die traditionelle Bußliturgie mit dem römischen Klerus in der Lateranbasilika leitete statt Franziskus der Kardinal-Vikar des Bistums Rom, Angelo De Donatis. Er verlas die vom Papst für diesen Anlass vorbereitete Rede.

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Drei Hauptursachen der Verbitterung

Als Schwerpunkt hatte Franziskus das Thema „Verbitterung“ bei Priestern gewählt, da dieses Thema bei vielen Gesprächen mit Priestern in Italien immer wieder aufgekommen sei. Ein Großteil der Priester des Lands sei jedoch zufrieden und wisse mit schwierigen Situationen oder gelegentlichen Glaubenskrisen gut umzugehen, heißt es in der Rede des Papstes. Franziskus machte drei Hauptursachen für Verbitterung unter Priestern aus: mangelndes Gottvertrauen und Gebet; Probleme mit autoritären Bischöfen, die sich selbst über andere stellen, und drittens auch mangelnde Gemeinschaft und Vertrauen untereinander – nicht zuletzt aufgrund diverser Skandale.

„Verdacht und Zweifel haben die Beziehungen untereinander kälter und förmlicher werden lassen“

„Die Priesterschaft hat in den vergangenen Jahren Tiefschläge aufgrund von Finanz- und Sex-Skandalen erlitten. Verdacht und Zweifel haben die Beziehungen untereinander kälter und förmlicher werden lassen. Das Geschenk der Gemeinschaft wird weniger geschätzt, es scheint im Gegenteil zur Mission geworden zu sein, Zwist, Schönrederei und Verdächtigungen zu säen. Angesichts der Skandale versucht das Böse, eine ,donatistische` Vision der Kirche zu schaffen: Drinnen die Unfehlbaren, draußen alle, die Fehler machen!“

Erneut verurteilte das Kirchenoberhaupt laut Redetext auch Geschwätz und Lästerei. Er riet Priestern zudem, sich bei Problemen nicht zu isolieren, sondern Hilfe bei einem „gewitzten, alten“ geistlichen Begleiter zu suchen. Zu Problemen mit Bischöfen heißt es im Papsttext, jeder mache Fehler, es gehe auch nicht um Fragen des Führungsstils oder der Seelsorge. Die Beziehung der Bischöfe zu ihren Priestern könne jedoch besonders gefährdet werden durch ein autoritäres Verhalten, das keine anderen Meinungen akzeptiere:

 vermeintliche Loyalität statt echter Kompetenz 

„Gleichberechtigung ist hingegen weniger üblich, Gleichberechtigung heißt, die Meinungen aller aufnehmen und die ganze Herde zu repräsentieren, ohne Präferenzen zu haben. Die große Versuchung des Hirten ist, sich nur mit Gleichgesinnten, mit , Nachbarn`zu umgeben. So überwiegt leider eine vermeintliche Loyalität statt echter Kompetenz und man ist nicht mehr in der Lage, Äußerungen, die gefallen wollen, von denen zu unterscheiden, die uneigennützig wirklich beraten wollen. Darunter leidet die Herde sehr, die diese Situation oft so akzeptiert, ohne ihr Unbehagen öffentlich zu machen.“

Verbitterung beim Volk und den Priestern gibt es laut dem Papst auch häufig noch aus einem anderen Grund: Mangelndem Gottvertrauen:

„Nicht auf sich selbst vertrauen, sondern auf Gott vertrauen“

„Der Schlüssel zu allem liegt hingegen in einer doppelten Bewegung: Nicht auf sich selbst vertrauen, sondern auf Gott vertrauen. Hoffnung beginnt nicht, wenn ich persönlich nichts mehr tun kann, sondern wenn ich aufhöre, mich nur um mich zu kümmern. Hoffnung basiert auf einem Bündnis: Gott hat zu mir gesprochen, mir ein erfülltes Leben versprochen, mit der Fülle und Schönheit der Seligpreisungen. Natürlich gibt es auch Qualen, sowie immer unter den Menschen, aber das Leben ist schön. Mein Leben ist süß, wenn ich an die Auferstehung denke, nicht wenn die Dinge so laufen, wie ich es sage.“

Priester dürften daher nicht in Zynismus und Frustration verfallen. Es sei jedoch auch falsch, solche Gefühle gar nicht zulassen zu wollen, so der Appel in der Rede des Papstes an den römischen Klerus:

„Auch Freudlosigkeit kann uns zu Gott führen“

„Verbitterung ist keine Schuld, es geht darum, sie aufzunehmen. So kann sie zu einer großen Chance werden, wahrscheinlich ist das auch gesund, eine Art ,innere Alarmanlage`: Achtung, du hast Sicherheit und Bündnis verwechselt, du bist dabei, ,töricht und träge im Herzen` zu werden. Auch Freudlosigkeit kann uns zu Gott führen. Lasst sie uns also annehmen und uns nicht über uns selbst ärgern! Das kann unsere Chance sein“, hieß es in der Rede, die Franziskus für den traditionellen Bußgottesdienst mit den Priestern seines Bistums Rom vorbereitet hatte. 

(vatican news – sst) 

27 Februar 2020, 13:30