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Der Papst mit Kardinal Parolin Der Papst mit Kardinal Parolin 

Kardinal Parolin: „Papst ist offen für Kritik und Kommentare“

Die jüngste Ansprache des Papstes an die Nuntien soll man nicht als „Rüffel“ sondern als „positive Besinnung“ betrachten. So fasst der „Leiter“ der vatikanischen Diplomatie, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die Rede von Franziskus an die Vatikan-Diplomaten zusammen, die das katholische Kirchenoberhaupt am Donnerstag hielt.

Mario Galgano und Andrea Tornielli – Vatikanstadt

Die Zusammenkunft der vatikanischen Nuntien in Rom sei positiv verlaufen, so Kardinal Parolin. „Bescheidenheit“ und „Brüderlichkeit“ hätten die Gespräche geprägt. Im Gespräch mit Vatican News sagt der Kardinalstaatssekretär, dass auch die Audienz bei Papst Franziskus, an der über 100 Nuntien teilgenommen hätten, positiv verlaufen sei.

„Diese Begegnungen haben einen Wert an sich, denn sie sind ein Moment der Begegnung zwischen Menschen, die mit demselben Ziel, demselben Geist und im Dienst derselben Realität - der Kirche und dem Papst - arbeiten, auch wenn sie dies örtlich weit voneinander entfernt tun. Die in diesen Tagen behandelten Themen sind bei den Teilnehmern auf großes Interesse gestoßen, was sich vor allem in den vielen Stellungnahmen nach den einzelnen Vorträgen gezeigt hat.“

Zum Nachhören

Papst Franziskus hatte zu Beginn seines Pontifikats beschlossen, die Treffen mit den Nuntien alle drei Jahre fortzusetzen. Nach der Erfahrung von 2013 folgte ein weiteres Treffen 2016, im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit.

„Die Medien werden immer dazu angehalten, nach dem zu suchen, was in den Interventionen des Heiligen Vaters oder anderer Mitglieder der Kirche verlockend klingt.“

Wir wollten von Kardinal Parolin, der als Vorsteher des vatikanischen Staatssekretariats für die Diplomaten zuständig ist, wissen, wie die Nuntien die Rede von Papst Franziskus aufgenommen haben. Die Medien haben sich ja vor allem auf die Vorwürfe konzentriert...

„Ich glaube, dass diese Hinweise durchaus berechtigt sind. Die Medien werden immer dazu angehalten, nach dem zu suchen, was in den Interventionen des Heiligen Vaters oder anderer Mitglieder der Kirche verlockend klingt. Ich persönlich glaube nicht, dass man sich darauf beschränken kann, nur diese Aspekte aufzugreifen. In meinem ersten Grußwort an den Papst sprach ich von ,Korrekturen´. Ich sagte: Wir sind offen für jede Ermutigung, und auch für jede Korrektur, die dazu dienen kann, unseren Dienst zu verbessern. Schließlich wollen wir einen immer größeren Dienst an der Kirche, am Papst und an den Menschen leisten. Und so müssen auch die Hinweise in der Rede des Heiligen Vaters in diesem positiven Kontext gelesen werden. Es scheint mir, dass sie von den Teilnehmern durchaus so aufgenommen und erlebt wurden.“

Zur Anmerkung des Papstes, dass ein Nuntius berufen sei, ein „Mann Gottes“ zu sein, der die Kirche und den Papst vertrete, seine Mission daher also „unvereinbar“ sei mit Kritik am Papst oder damit, sich „Blogs oder sogar feindlichen Gruppen anzuschließen“, sagt Kardinal Parolin:

„Ich denke, es ist eine richtige Entscheidung. Man kann nicht den Anspruch stellen, dass es im Denken Uniformität gibt; es gibt immer Dinge, über die man diskutieren kann, wie schon das alte Axiom besagt: in necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas states – also im Notwendigen Einheit, im Fraglichen Freiheit, in allem aber Liebe. Wir aber sind Vertreter des Papstes, wir müssen ihm also in aller Freiheit sagen, was unserer Meinung nach gesagt werden muss. Ich glaube, dass der Heilige Vater sehr offen dafür ist, Kommentare, Betrachtungen und Überlegungen zu den verschiedenen Fragen anzunehmen. Gleichzeitig müssen wir aber auch versuchen, die Einheit zu wahren, die die Voraussetzung für die Wirksamkeit unseres Handelns in der Welt ist. Wir werden umso effektiver sein, wenn wir uns in den grundlegenden Dingen wirklich einig sind. Deshalb müssen wir vor allem als päpstliche Vertreter diese Einheit mit dem Papst und diese Bejahung seiner Lehre haben, die dann konkret in Einstellungen umgesetzt werden muss, die sein Denken und seine Richtung teilen.“

Zum Dialog „hinter verschlossenen Türen“ zwischen dem Papst und den Nuntien sei folgendes zu sagen:

„Es war ein sehr offener Dialog, bei dem mit viel Bescheidenheit und Brüderlichkeit gesprochen wurde. Es wurden einige Themen auf den Tisch gebracht, auf die ich aber nicht eingehen möchte, da es sich um ein Treffen hinter verschlossenen Türen handelte. Sicherlich schätzten die Nuntien die Antworten, die der Papst gegeben hat, weil er keine Angst hatte, sich mit heiklen Themen zu befassen, mit viel Offenheit und Offenheit gesprochen hat.“

(vatican news)

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15. Juni 2019, 15:27