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Vatican News
Archivbild: Messe am Ende der letzten Bischofssynode 2018 Archivbild: Messe am Ende der letzten Bischofssynode 2018  (AFP or licensors)

Bischofssynode: Die Stimme des Amazonas

Die dramatische Situation im Amazonasbecken verlangt von der Kirche ein aufmerksames Zuhören und neue Wege des Umgangs mit den Herausforderungen: Das legt das so genannte „Instrumentum Laboris“, das Arbeitsdokument, der im Oktober beginnenden Bischofssynode auf den Schreibtisch. Der Vatikan stellte das Dokument an diesem Montag vor.

P. Bernd Hagenkord – Vatikanstadt

Wenn am 6. Oktober die Bischöfe im Vatikan zusammenkommen, um über drei Wochen lang die „Neuen Wege für die Kirche und die integrale Ökologie“ zu beraten, dann können sie bereits auf einen langen Vorbereitungsprozess zurück schauen. Alle Vorarbeiten sind im Arbeitsdokument gebündelt, das bei den Synoden „Instrumentum Laboris“ heißt. Es hatte Fragebögen, Vorbereitungstreffen in Rom und vor Ort gegeben, und viele Stimmen waren in die Erstellung des Dokuments eingeflossen.

Zum Mithören

Dieses Eingebundensein in einen Prozess wird auch vom Dokument selber betont. Er müsse „während und nach der Synode weitergehen, als ein zentrales Element der Zukunft der Kirche“ (Nr. 3).

Ein „Test“ für die ganze Kirche und Gesellschaft

Der Text stellt die gestellte Aufgabe in eine Spannung: Zum einen sind es lokale Fragen, und deswegen müssten vor allem und zuerst die Stimmen der Menschen gehört werden, die von den dramatischen Veränderungen betroffen seien.

Andererseits stehe das Amazonasgebiet auch für die Probleme des gesamten Planeten (Nr. 44). Die Verkündigung und das Handeln der Kirche in diesem Teil der Welt seien ein „Test“ für die gesamte Kirche und Gesellschaft (Nr. 106).

Immer wieder lehnt sich das Dokument an die Aussagen Papst Franziskus‘ an, besonders an Evangeli Gaudium und die Sozialenzyklika Laudato Si‘. „Die Kirche mit dem Antlitz Amazoniens in ihren vielen Nuancen muss eine Kirche im Aufbruch sein, die eine sich aufdrängende monokulturelle, klerikale und koloniale Tradition ablehnt und die vielen verschiedenen kulturellen Ausdrucksweisen der Völker zu unterscheiden weiß“ (Nr. 110).

Auf die örtlichen Kulturen hören

Deutlich ist auch immer wieder die Warnung, nicht westliche, letztlich europäische Modelle auf das Amazonasgebiet und seine Menschen zu übertragen; immer wieder wird das mit dem Wort „Kolonialismus“ belegt (Nr. 76), das zeige eine paternalistische Sicht auf Menschen und Probleme.

Dagegen setzt das Dokument auf die lokalen Kulturen – vor allem der indigenen Völker, aber auch der Menschen afrikanischer Herkunft, die einst als Sklaven nach Lateinamerika gebracht worden waren. Deren Sicht auf die Welt sei in einer Krise, wie auch die christliche Sicht auf die Welt.

„Der Schrei der Erde und der Armen“

Die Amazonasregion ist in Gefahr. Diese Einsicht zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Dokument. Ökologisch betrachtet sei sie verwundbar, fast so wie die Arktis, wenn es um die Folgen der Erderwärmung gehe (Nr. 9). Dazu kämen Ausbeutung und Zerstörung, Flucht und Verletzung fundamentaler Menschenrechte (Nr. 14). All das wird im Laufe des Dokuments in aller Klarheit aufgelistet und begründet.

Der Text geht in drei Teilen vor: Der erste will wahrnehmen und trägt die Überschrift „Die Stimme des Amazonas“. Der zweite Teil ist überschrieben mit „Integrale Ökologie: Der Schrei der Erde und der Armen“ und will die Probleme einzeln aufzeigen. Der dritte Teil schließlich befasst sich mit dem kirchlichen und pastoralen Handeln, „Eine prophetische Kirche in Amazonien: Herausforderungen und Hoffnungen“ (Nr 4).

Frage verheirateter Priester wird erwähnt

Durchzogen wird das Dokument in den Teilen zwei und drei immer wieder von Blöcken von konkreten Vorschlägen, insgesamt siebzehn dieser Gruppen von Vorschlägen gibt es. Dabei geht es um konkrete Programme, um ein kirchliches Eintreten, um Bildung und Gesundheit sowie um kirchliche Veränderungen.

Die vor allem im Westen immer wieder an die Synode herangetragene Frage nach verheirateten Priestern kommt auch vor (Nr. 129), aber als ganz auf die örtlichen Herausforderungen bezogene Frage. Direkt im Anschluss geht es auch um die Ämter, die Frauen übertragen werden können. In beiden Punkten wie auch in vielen anderen bleibt das Dokument aber seinem Charakter als Arbeitsdokument treu und liefert weniger Lösungsvorschläge als vielmehr Fragestellungen für die Bischofssynode.

„Wir verteidigen kein Projekt weniger für wenige“

„Wir verteidigen kein Projekt weniger für wenige, oder einer aufgeklärten Minderheit“, zitiert das Dokument den Papst (Nr. 37, vgl. EG 239). Amazonien, seine Menschen, Herausforderungen und Probleme stünden hier als „pars pro toto, einen Teil des Ganzen, ein Paradigma, eine Hoffnung für die ganze Welt“ (ebd.). Damit ist der Ton für die Synode gesetzt – und gleichzeitig die Bedeutung der Debatte über die Amazonasregion hinaus, für die ganze Kirche, auf den Punkt gebracht.

(vatican news)

17 Juni 2019, 11:30