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Kardinal Konrad Krajewski, hier beim Besuch eines Flüchtlingscamps auf Lesbos Kardinal Konrad Krajewski, hier beim Besuch eines Flüchtlingscamps auf Lesbos  (ANSA)

Päpstlicher Almosenmeister schaltet armen Familien den Strom wieder an

Der Kardinal, der im Auftrag von Papst Franziskus Arme versorgt, hat Familien in einem besetzten Haus in Rom die Stromversorgung wiederhergestellt. Die Menschen waren seit Dienstag ohne Licht und warmes Wasser gewesen - bis Krajewski kam. Der Kardinal brach am Samstagabend die Sicherungsplombe am Verteilerkasten auf und stellte den Strom wieder ein.

Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Der Energieversorger hatte die Leitung gesperrt, weil Schulden von 300.000 Euro aufgelaufen waren. Der Kardinal sagte, er sei auf eigene Faust eingeschritten, weil die Lage der Betroffenen dramatisch gewesen sei. „Es war eine verzweifelte Geste“, sagte Krajewski gegenüber der Agentur ansa. „Da waren mehr als 400 Menschen ohne Strom, Familien mit Kindern, ohne die Möglichkeit, die Kühlschränke zum Laufen zu bringen".

Über die Lage in dem besetzten früheren Bürogebäude in der Nähe der Basilika Santa Croce in Gerusalemme war der Kardinal eigenen Angaben zufolge schon länger informiert. „Wir schickten ihnen vom Vatikan Ambulanzen, Ärzte und Essen“, so Krajewski in einer Stellungnahme für den „Corriere della Sera“. Einige Ordensfrauen betreuen die Menschen in dem Gebäude seit längerer Zeit.

Der aus Polen stammende päpstliche Almosenmeister, den Franziskus in den Kardinalstand erhoben hat, beklagte die mangelnde Fürsorge der Stadt Rom für die Bewohner in dem besetzten Haus. „Wir sind hier im Herzen von Rom. Fast 500 Menschen, die sich selbst überlassen sind. Das sind Familien, die keinen anderen Ort haben, wohin sie gehen können, Menschen, die Schwierigkeiten haben zu überleben.“

Kardinal übernimmt die Verantwortung

Der Kurienkardinal übernahm die volle Verantwortung für sein Tun zugunsten der Hausbewohner. Falls eine Geldstrafe anfalle, werde er sie bezahlen, sagte Krajewski. Die Manipulation von Sicherungsplomben an elektrischen Einrichtungen gilt in Italien als Straftat. Das Gesetz sieht eine Haft von sechs Monaten bis drei Jahren und eine Geldstrafe vor. Das vorrangige Problem sei aber in diesem Fall nicht das Geld, betonte der Kardinal, vielmehr gehe es um die Frage: „Warum sind diese Menschen hier? Wie ist es möglich, dass sich Familien in einer solchen Situation befinden?“

Die Bewohner des besetzten Hauses gehören Medienangaben zufolge 18 verschiedenen Nationen an, rund 100 sind minderjährig. Der Kurienkardinal brachte bei seinem Besuch Geschenke für die Kinder mit.

Kommentare aus der Politik

Krajewskis Geste wurde umgehend Gegenstand verschiedener Stellungnahmen aus der Politik. Der Vize-Ministerpräsident Italiens, Matteo Salvini von der rechtsgerichteten „Lega, forderte den Almosenmeister dazu auf, die 300.000 Euro Schulden für die Energieversorgung zu übernehmen. Sozial- und Arbeitsminister Luigi Di Maio von der (gleichfalls populistischen) 5-Sterne-Bewegung dagegen verteidigte den Almosenmeister. Er stehe an der Seite „von Papst Bergoglio und allen, die sich mit ihm für eine bessere und menschlichere Zukunft einsetzen“, so der Minister.

(vatican news)

13 Mai 2019, 11:47