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Pater Federico Lombardi und Papst Franziskus Pater Federico Lombardi und Papst Franziskus 

„Kein Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie"

„Aus verschiedenen Gründen“ scheint es, dass es keine allgemeine Verbindung gibt zwischen Pädophilie und Homosexualität. Das schreibt der Moderator des Kinderschutz-Gipfels von Ende Februar, Jesuitenpater Federico Lombardi, in einem Buch, das der Vatikanverlag LEV herausgeben wird und in dem die Arbeitsbeiträge der Konferenz in einem Band zusammengestellt sind.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Auf der italienischen Internetseite von Vatican News wurde der Beitrag von Pater Lombardi bereits jetzt veröffentlicht. Der Vatikan-Verlag LEV gibt bald den Sammelband mit den Berichten der Arbeitsgruppen heraus. Titel des Werkes lautet „Consapevolezza e purificazione“ – auf Deutsch übersetzt: „Bewusstwerdung und Reinigung“. Ob es eine deutsche Ausgabe geben wird, ist noch nicht bekannt.

Zum Nachhören

„In verschiedenen Arbeitsgruppen wurden Fragen nach der Existenz eines Zusammenhangs zwischen sexuellem Missbrauch und Homosexualität gestellt. Die Frage ist komplex und aus verschiedenen Gründen scheint es, dass eine Verbindung nicht hergestellt werden kann. Das Thema verdient jedoch weitere Überlegungen für den katholischen Klerus, da die bekannten Fälle von Missbrauch meist gegen Jungen und nicht gegen Mädchen gerichtet sind“, schreibt Pater Lombardi.

Bereits vor dem Kinderschutz-Kongress im Vatikan stellten deshalb einige Kirchenvertreter und Theologen einen direkten Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie her und verlangten vom Papst, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Was bedeutet Nulltoleranz?

Auf dem Antimissbrauchsgipfel wurde auch über „Nulltoleranz“ gesprochen, und zwar konkret über die Bedeutung dieses Ausdrucks, so Pater Lombardi weiter. Es seien die entsprechenden Interpretationen und deren Umsetzung durch Bischofskonferenzen angesprochen worden. Konkret wurde dazu die Einstellung betont, man müsse alle Fälle „rigoros und ohne Ausnahme behandeln“ und die des Missbrauchs für schuldig befundenen Personen vom öffentlichen Dienst ausschließen. „Aber es wurde auch von den unterschiedlichen Interpretationen gesprochen, die dieser Ausdruck enthält, von seiner juristischen Unbestimmtheit und von der Schwierigkeit, ihn mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Strafe in Einklang zu bringen; außerdem scheint dieser Begriff eine Sprache auszudrücken, die nicht nach dem Evangelium klingt“, hält Pater Lombardi fest.

Die Bedeutung des Geheimnisses

Ein weiterer heikler Punkt sei das Thema des „Geheimnisses“ gewesen. Es sei notwendig, dieses Thema zu klären, so Lombardi. So gebe es ein „Papstgeheimnis“, das Dinge betreffe, die nur der Papst und die Institutionen der Kurie wüssten; man müsse aber auch an das Beichtgeheimnis erinnern. Die Beseitigung des „päpstlichen Geheimnisses“ sei im Zusammenhang mit dem Verfahren über den sexuellen Missbrauch von Kindern mehrfach erwähnt worden, müsse aber noch weiter geklärt werden, was damit verbunden sei, fasst Lombardi zusammen. „Darüber hinaus sollten Transparenz und Kommunikation auch unter einem positiven Gesichtspunkt betrachtet werden, indem bekannt gemacht wird, was im Bereich des Kinderschutzes und der Prävention getan wird“, schreibt der Präsident der Joseph Ratzinger-Benedikt XVI.-Stiftung. In Zusammenarbeit mit den Zivilbehörden müsse der Zugang zu den angeforderten Dokumenten gewährt werden, jedoch nur zu jenen Dokumenten, die sich auf die konkreten Fälle beziehen, also in denen ermittelt werde. Es sei falsch, dies „zu einem undifferenzierten Zugang“ auszuweiten.

(vatican news)

25 März 2019, 10:34