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Pater Federico Lombardi Pater Federico Lombardi 

Jesuitenpater Lombardi: Schmerzhaft, aber dringend nötig, über Missbrauch zu sprechen

Es ist schmerzhaft und unangenehm über das Thema der sexuellen Übergriffe in der Kirche zu sprechen, aber unbedingt notwendig. Das schreibt der frühere Pressesprecher des Vatikans und Jesuitenpater Federico Lombardi in einem Beitrag für die italienische Zeitschrift „Civiltà Cattolica“.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Manchmal höre man auch in Kirchenkreisen, dass es an der Zeit sei, das Thema zu wechseln, anstatt weiter über den Missbrauchsskandal zu sprechen, so Pater Lombardi in der italienischen Ausgabe der Jesuitenzeitschrift. Einige behaupteten, es sei nicht richtig, diesem Thema „zu viel Gewicht zu geben“. „Aber das ist der falsche Weg“, so der ehemalige Direktor von Radio Vatikan und Pressesprecher des Papstes. Wenn das Thema nicht „in seinen verschiedenen Aspekten“ eingehend behandelt werde, würde die Kirche weiterhin von einer Krise in die andere gleiten. Auch werde damit ihre Glaubwürdigkeit und die all ihrer Priester „ernsthaft geschädigt“, fügt er an. Leiden würde vor allem „die Substanz ihrer Mission“, also der evangelischen Verkündigung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Dies wäre ein großer Verlust, weil die Verkündung und Bildung „seit Jahrhunderten einer der schönsten und wertvollsten Aspekte“ des kirchlichen Dienstes an der Menschheit sei, schreibt Lombardi.

Nicht bei null anfangen

Zum großen Treffen im Februar 2019, bei dem der Papst mit den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und Vorstehern von Ordensgemeinschaften und kirchlichen Einrichtungen über das Missbrauchsthema sprechen wird, schreibt Lombardi: „Damit beginnt man nicht bei null, aber es ist sicherlich ein beispielloses Ereignis, das einen starken Impuls für neue dringende Schritte geben wird. Wie wir gesehen haben, sind die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen vielfältig, aber es gibt auch viele offene Fragen.“

In etlichen Ländern habe die Ortskirche viel unternommen und so „eine erhebliche Verringerung der Missbrauchsfälle erreicht“ sowie wirksame Präventions- und Trainingsprogramme eingeleitet. Dies müsse anerkannt werden. Auf der anderen Seite gebe es aber auch einige Länder, die wenig oder gar nichts getan hätten. „Manchmal täuscht man sich immer wieder vor, dass es sich um ein Problem handelt, das einzig ,den Westen´ betrifft, also nur ein ,amerikanisches´ oder ,englischsprachiges´ Problem sei, und mit unbegreiflicher Naivität denkt man dann, dass es im eigenen Land kein Thema sei“, schließt Lombardi. Doch dem sei nicht so und diesen falschen Umkehrschluss müsse man dringendst ändern.

Um die Bedeutung des Themas und die Ernsthaftigkeit zu untermauern, mit der die Kirche das Übel des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Umfeld angehen will, findet sich in einer eigenen Rubrik auf der Homepage des Vatikans eine Zusammenstellung der wichtigsten Dokumente zum Thema.

Federico Lombardi ist gegenwärtig Präsident der Ratzinger-Stiftung und geistlicher Leiter der Gemeinschaft der Jesuiten der Zeitschrift „Civiltà Cattolica“.

(vatican news)

14 Dezember 2018, 10:26