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Kardinal Gerhard Ludwig Müller Kardinal Gerhard Ludwig Müller 

Kardinal Müller waren keine Sanktionen gegen McCarrick bekannt

Dem deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller waren nach eigener Aussage keine Sanktionen gegen den früheren Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick bekannt. Müller wirkte von 2012 bis 2017 als Präfekt der Römischen Glaubenskongregation.

„In der Kongregation wussten wir, wusste ich nichts von irgendwelchen Maßnahmen gegen ihn", sagte Müller in einem am Donnerstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des katholischen TV-Senders EWTN in Washington. „Privat hörte man schon mal, er sei zu liberal, aber was heißt das schon", ergänzte der deutsche Kardinal. Zugleich forderte er einen offiziellen kirchenrechtlichen Prozess der Glaubenskongregation zur Untersuchung aller Missbrauchsvorwürfe gegen McCarrick.

Papst Franziskus hatte McCarrick Ende Juli aus dem Kardinalsstand entlassen. Zuvor hatten kirchliche Stellen erstmals Vorwürfe sexueller Vergehen auch an Minderjährigen als „glaubwürdig und substanziell" eingestuft. Bereits länger sah sich der Kardinal dem Vorwurf des homosexuellen Machtmissbrauchs ausgesetzt: McCarrick soll in seiner Zeit als Erzbischof von Newark seit 1986 sexuelle Kontakte zu erwachsenen Seminaristen gesucht haben.

Bisher keine Bestätigung für derartige Sanktionen

Erzbischof Carlo Maria Vigano, von 2011 bis 2016 Apostolischer Nuntius in den USA, hatte Papst Franziskus jüngst wegen angeblicher Versäumnisse im Umgang mit McCarrick zum Amtsverzicht aufgefordert. Zu Viganos zentralen Vorwürfen gehört die Aussage, der 2013 zum Papst gewählte Franziskus habe Sanktionen gegen McCarrick ignoriert, die sein Vorgänger Benedikt XVI. gegen den früheren Erzbischof von Washington verhängt habe. Bisher gibt es aber keine Bestätigung für derartige Sanktionen.

Der Privatsekretär von Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, hatte in der „Tagespost" Behauptungen zurückgewiesen, der frühere Papst habe Viganos Aussagen bestätigt: „Papst Benedikt hat sich zum 'Memorandum' von Erzbischof Vigano nicht geäußert und wird es auch nicht tun."

Unabhängigere Untersuchungen der Glaubenskongregation

In dem EWTN-Interview forderte Kardinal Müller auch unabhängigere Untersuchungen der Glaubenskongregation bei Vergehen von Bischöfen - und das auch ohne vorherige Zustimmung des Papstes. „Für Untersuchungen gegen Bischöfe und Kardinäle braucht die Kongregation vorab die Erlaubnis des Papstes, das ist das Problem und man sollte das ändern", sagte Müller. Die Kongregation sollte zunächst unabhängig ermitteln ohne jeden Einfluss von außen. „Erst am Ende des ganzen Prozesses müsste dann der Heilige Vater informiert werden, um die letzte Entscheidung zu treffen."

In den Normen der Glaubenskongregation heißt es wörtlich mit Blick auf „Straftaten gegen den Glauben und schwerwiegendere Straftaten gegen die Sitten", die Kongregation habe das Recht, „im Auftrag des Papstes die Kardinäle, die Patriarchen, die Gesandten des Apostolischen Stuhls, die Bischöfe und andere natürliche Personen zu richten".

Zu konkreten Fragen, ob Papst Franziskus selbst oder Vertraute aus seinem Umfeld Einfluss auf Missbrauchsuntersuchungen genommen hätten, wollte sich Müller nicht äußern unter Verweis auf das „päpstliche Geheimnis", dem er weiterhin verpflichtet sei.

(kna – gs)

05 Oktober 2018, 16:13