Cerca

Vatican News
Die Situation der Ureinwohner im Amazonas-Gebiet soll auf die Tagesordnung der Synode kommen Die Situation der Ureinwohner im Amazonas-Gebiet soll auf die Tagesordnung der Synode kommen  (AFP or licensors)

Drei Themen bei Amazonien-Synode: Indigene, Priester, Natur

Einer, der sich ganz besonders auf die Sonderbischofssynode zur Amazonas-Region freut, weil er selber lange in jenem Gebiet gewirkt hat, ist der brasilianisch-österreichische Bischof Erwin Kräutler.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Er setze große Hoffnungen in das von Papst Franziskus angekündigte große Bischofstreffen, sagte der emeritierte Bischof von Xingu im Gespräch mit Radio Vatikan. Kräutler gehört zu den „Impuls-Gebern“ einer solchen Synode und hat Papst Franziskus bereits mehrmals in Rom getroffen.

„Ich denke, dass drei Themen ganz besonders wichtig sein werden: Der erste Themenkreis betrifft die indigenen Völker. Da geht es um die Frage, welche Form der Evangelisierung dort in Frage kommt. Geht es da um die Evangelisierung der indigenen Kultur oder um eine Evangelisierung, die von der jeweiligen indigenen Kultur ausgeht? Wie können wir uns als Kirche zusammen mit den indigenen Völkern stärker für die Verteidigung ihrer Rechte und Würde einsetzen? Welchen Zugang können wir zu jenen Völkern finden, die heute noch isoliert leben?“

Der zweite Themenbereich, so Bischof Kräutler, betrifft die sogenannten „eucharistielosen Gemeinden“. Im Amazonas-Gebiet haben laut Kräutler über 90 Prozent der Gläubigen keinen regulären Sonntagsgottesdienst, und 70 Prozent können nur drei, höchstens vier Mal im Jahr an einer Eucharistiefeier teilnehmen. Dies sei nicht hinnehmbar.

„Da müssen wir uns schon fragen: Was können wir tun, damit diesen Gemeinden die Eucharistie nicht vorenthalten wird? Die Zahl der Bevölkerung wächst, aber die Zahl der Priester bleibt mehr oder weniger konstant. Da geht es um die Frage nach den Zulassungsbedingungen zum Weihepriestertum. Eine Reform des priesterlichen Dienstes ist heute im Amazonas-Gebiet bei den indigenen Völker gefordert.“

Und schließlich gebe es noch ein drittes Thema, das die Synodenväter im Oktober 2019 in Rom behandeln sollten: die ökologischen Herausforderungen. Da geht es also um die Rolle der katholischen Kirche bei der Verteidigung des bedrohten Lebensraumes der Menschen in Amazonien.

„Viele Gebiete sind einer skrupellosen Waldrodung zum Opfer gefallen. Agrobusiness, Riesenwasserkraftwerke, Holzunternehmen und Bergbau, all das nimmt kaum mehr Rücksicht auf die Natur und die Urbevölkerung. Welche Art von Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung kann hierzu die Kirche anbieten? Das ist die Frage  für Amazonien und seine Menschen, um damit den gesamten Planeten zu retten. Wir wissen, dass Amazonien eine klimaregulierende Funktion hat, und die Zerstörung Amazoniens hat Folgen nicht nur für Brasilien und Lateinamerika, sondern auch für die ganze Welt.“

Hintergrund

Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof der flächenmäßig größte Diözese Brasiliens mitten im Amazonasgebiet. Der 78-Jährige ist weiterhin Sekretär der brasilianischen Bischöflichen Kommission für Amazonien und im länderübergreifenden kirchlichen panamazonischen Netzwerk REPAM (Rede Eclesial Panamazonica) tätig. Das vom Lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM, der Brasilianischen Bischofskonferenz und der Lateinamerikanischen Religionenkonferenz CLAR gegründete Netzwerk dürfte bei der Vorbereitung der Bischofssynode eine wesentliche Rolle spielen. Das Projekt einer Amazonas-Synode war in den vergangenen Jahren von den Ortsbischöfen in der betroffenen Region – und hier besonders von Bischof Kräutler – mehrfach ins Spiel gebracht worden.

20 Oktober 2017, 13:02