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Hl. Ägidius, Abt

Hl. Ägidius, Hans Memling (© St. Annen-Museum/Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck) Hl. Ägidius, Hans Memling (© St. Annen-Museum/Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck) 

Vom Eremiten zum Abt

Das Grab des Heiligen wird in einer Abtei in der Region von Nîmes in Frankreich verehrt. Es stammt wahrscheinlich aus merowingischer Zeit, auch wenn die Inschrift nicht vor dem 10. Jahrhundert angebracht worden ist. Zu der Zeit wurde auch die Lebensgeschichte von Ägidius verschriftlicht, sie ist durchwoben von wunderbaren Ereignissen.

Eine der wahrscheinlichsten Rekonstruktionen des Lebens von Ägidius (oder St. Gilles, wie er in Frankreich genannt wird), besagt, dass er aus reicher Familie in Athen stammte und in einem Wald im Süden Frankreichs, nahe der Rheinquelle, das Leben eines Eremiten gewählt hatte, um Gott auf diese Weise besser zu dienen. Er verbrachte den Großteil seiner Zeit im Gebet, in Schlichtheit und mit Fasten. Er ernährte sich von Gräsern, Wurzeln und Wildfrüchten und schlief auf der nackten Erde, mit einem Stein als Kopfkissen.

Durch die Opferbereitschaft des Eremiten gerührt, soll Gott ihm eine Hirschkuh geschickt haben, die ihn täglich mit ihrer Milch nährte. Doch eines Tages wurde er durch den Gotenkönig Flavius, der im Wald jagte, entdeckt. Dieser war auf der Spur der Hirschkuh, die sich zu Ägidius geflüchtet hatte; ein Pfeil, den Flavius abgeschossen hatte, traf statt des Tieres den Heiligen. Zwischen dem Herrscher und dem Emeriten entwickelte sich eine Freundschaft; Flavius bot in der Folge dem Ägidius ein Stück Land an, um dort eine Abtei zu errichten. Dieser nahm das Angebot an und tauschte das Leben in Einsamkeit gegen ein Leben in einer Gemeinschaft von Mönchen, die rasch anwuchs und über ihre Mauern hinaus bekannt wurde. Bis zu seinem Tod, am 1. September 720, stand Ägidius dem Kloster, das den Namen „Saint-Gilles“ erhielt, als Abt vor.

Kult und Wunder über Frankreich hinaus

Gemeinsam mit seinen Mönchen unternahm der heilige Ägidius eine große Evangelisierungskampagne in der Region des heutigen Languedoc, die mit der Urbanisierung der Gegend Hand in Hand ging. Sie rodeten Felder, nutzten bis dato brachliegende Felder für den Ackerbau, und eröffneten neue Handelswege.

Vor allem aber predigte der Heilige das Evangelium und bewirkte zahlreiche Bekehrungen. Dank der vielen Wunder, die er gewirkt hatte, war er in Frankreich bald unter dem Namen „heiliger Wundertäter“ bekannt. Doch seine Verehrung überschritt auch die Grenzen nach Belgien, Holland und Italien, wie zahlreiche Zeugnisse beweisen.

Im deutschsprachigen Raum sind viele Orte nach ihm benannt, oftmals unter Verwendung des vereinfachten „Gilg“ oder „Ilg“. Auch der Gillamoos, eines der ältesten Jahrmarktfeste in Bayern, ist nach dem Heiligen benannt – es findet jedes Jahr um den ersten Septembersonntag im Ort Abensberg statt. Der heilige Ägidius ist der Schutzheilige von Städten wie Graz, Nürnberg, Osnabrück und zahlreichen anderen Orten, außerdem ist er einer der vierzehn Nothelfer, deren Fest die katholische Kirche am 8. August begeht. Weltweit bekannt ist die nach ihm benannte Gemeinschaft Sant´Egidio, die im römischen Stadtteil Trastevere entstanden ist und sich um Ökumene und Friedensstiftung bemüht.