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Theresia Benedikta vom Kreuz (Edith Stein), Karmelitin, Märtyrerin, Patronin Europas

Edith Stein Edith Stein 

„Ave Crux, Spes Unica“: Mit Christus im Herzen geht Edith Stein im August 1942 dem Märtyrertod entgegen: die Gaskammern im KZ Auschwitz-Birkenau sind die Endstation einer langen Reise, die sie vom Philosophiestudium über das Engagement für die Emanzipation der Frau bis zum kontemplativen Leben geführt hat.
Edith Stein wurde 1891 als jüngstes von elf Kindern jüdischer Eltern in Breslau geboren. Sie war eine brillante Schülerin, die schon bald ein kritisches Verhältnis zur Religion entwickelte, ja sich sogar als Atheistin verstand. Im 1. Weltkrieg pflegte sie im Lazarett verwundete Soldaten. 1916 promovierte sie „summa cum laude“ bei Edmund Husserl an der Universität Freiburg. Als jüdischer Frau war ihr die Habilitation jedoch verwehrt. Nach der Lektüre der Autobiographie der hl. Teresia von Àvila konvertierte sie zur katholischen Kirche.

Glaube und Nationalsozialismus

Edith Stein setzte sich mit dem Denken von Thomas von Aquin, Husserl und Heidegger auseinander. 1922 wurde sie gegen den Willen ihrer Eltern getauft und gefirmt; ihre jüdische Herkunft verleugnete sie jedoch nie. Sie wurde Lehrerin, trat 1933 in Köln ins Kloster der Karmelitinnen ein und nahm den Ordensnamen Teresia Benedicta vom Kreuz an. In den Jahren der Verfolgung litt sie mit ihrem Volk: Nach der Reichskristallnacht wurde sie nach Holland, ein neutrales Land, versetzt. In ihrem im Kloster von Echt verfassten Testament schrieb sie, sich „dem Herzen Jesu als Sühneopfer für den wahren Frieden“ anbieten zu wollen.

Märtyrertod in Auschwitz

Am 2. August 1942 wurde sie mit 244 anderen katholischen Juden verhaftet und nach Auschwitz deportiert – wohl ein Racheakt gegen die holländischen Bischöfe, die die nationalsozialistischen Besatzer öffentlich kritisiert hatten. Im KZ nahm sie sich der Kinder an und brachte den Verhafteten das Evangelium. Auf den Weg in die Gaskammer sagte sie zu ihrer Schwester Rosa, die mit ihr zusammen verhaftet worden war: „Komm, wir gehen für unser Volk“. Die Worte, die sie selbst geschrieben hatte, sollten sich als prophetisch erweisen: „Die Welt steht in Flammen: Der Kampf zwischen Christus und dem Antichristen ist offen ausgebrochen; wenn du dich für Christus entscheidest, so kann es dein Leben kosten“.

Toleranz und Gastfreundschaft: Ein Vorbild für Europa

Das Denken und der Glaube Edith Steins leben in ihren Werken weiter, vor allem in der philosophisch-theologischen Schrift „Endliches und Ewiges Sein – Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins“, in der sie den Grundriss einer Seinslehre entwickelt. Bei ihrer Seligsprechung 1998 bezeichnete sie der hl. Johannes Paul II. als „herausragende Tochter Israels und treue Tochter der Kirche“ (11. Oktober 1998). „Wenn Edith Stein heute zur Mitpatronin Europas erklärt wird, soll damit auf dem Horizont des alten Kontinents ein Banner gegenseitiger Achtung, Toleranz und Gastfreundschaft aufgezogen werden.“ Doch dafür gilt es, „die für Europa authentischen Werte zu betonen, deren Fundament das in das Herz eines jeden Menschen eingeschriebene allgemeine Sittengesetz ist. Ein Europa, das den Wert der Toleranz und der allgemeinen Achtung mit ethischem Indifferentismus und Skeptizismus in Bezug auf die unverzichtbaren Werte verwechselte, würde sich den riskantesten Abenteuern öffnen und früher oder später die erschreckendsten Gespenster seiner Geschichte in neuer Gestalt wiederauftauchen sehen“ (Apostolisches Schreiben in Form eines »Motu Proprio« zur Erklärung der hl. Birgitta von Schweden, der hl. Katharina von Siena und der hl. Teresia Benedicta a Cruce zu Mitpatroninnen Europas, 1. Oktober 1999).