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Papst Franziskus in der Pfarrei San Giovanni Maria Vianney ion Borghesiana Papst Franziskus in der Pfarrei San Giovanni Maria Vianney ion Borghesiana  (Vatican Media)

Franziskus spricht mit Kindern über das Gebet in schweren Zeiten

Eine Stunde Katechismus mit dem Papst: Diese seltene Gelegenheit hatten am Donnerstagnachmittag 200 Kinder, die sich in einem römischen Vorortviertel im Osten der Hauptstadt auf die Erstkommunion vorbereiten. In einem offenen Gespräch beantwortete der Papst ihnen auch Fragen zu Krieg, Glauben und Krankheit. Es handelte sich um den Auftakt zur Initiative „Schule des Gebets“, in deren Rahmen der Papst im aktuellen Jahr des Gebets verschiedene Gläubige in der Diözese Rom treffen wird.

Salvatore Cernuzio und Christine Seuss - Vatikanstadt

Es war ein gut gehütetes Geheimnis, nur wenige wussten, dass Papst Franziskus höchstpersönlich diese ganz besondere Katechismus-Stunde leiten würde. Entsprechend groß war das Staunen, als vor dem Eingang zum Pfarrsaal der weiße Fiat 500 L mit dem Kennzeichen SCV vorfuhr, in dem Papst Franziskus sich normalerweise außerhalb des Vatikans bewegt. Schauplatz: Die Pfarrei San Giovanni Maria Vianney in Borghesiana, einem Vorort an der äußersten östlichen Peripherie Roms, wo rund 200 Kinder sich mit einem zweijährigen Katechismus auf das Sakrament der Erstkommunion vorbereiten.

Zum Nachhören - was der Papst sagte
Der Papst begrüßt die anwesenden Kinder
Der Papst begrüßt die anwesenden Kinder

Nach der Begrüßung des Pfarrers Don Marco Gandolfo und von Erzbischof Rino Fisichella, dem Pro-Präfekten des Dikasteriums für Evangelisierung und Organisator des Treffens, grüßte der Papst die Anwesenden mit einem Winken – und von da ab gab es kein Halten mehr. Wie Papst Franziskus selbst immer wieder gerne sagt: die jungen Leute sollten „Lärm“ machen, „lío“ auf Spanisch. Und so reagierten auch die Kinder, die in dem Drang, dem Papst nahe zu kommen, geradezu übereinander kletterten. „Mir wurde gesagt: Seien Sie vorsichtig, Herr Papst, denn die Kinder machen Lärm. Stimmt das?“, wandte sich Franziskus an die Kinder.

Der Papst grüßt die Kinder
Der Papst grüßt die Kinder

Mit den Jungen und Mädchen aus Grund- und weiterführenden Schulen, die sich auf ihre Erstkommunion vorbereiten, eröffnete der Papst etwa eine Stunde lang die „Schule des Gebets“, das erste von vielen geplanten Treffen, die das Jahr des Gebets skandieren, das Franziskus als geistliche Vorbereitung auf das Heilige Jahr 2025 ins Leben gerufen hat. Ein neuer Zyklus, der das nächste Heilige Jahr in gewisser Weise mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit 2016 und dem Zyklus der „Freitage der Barmherzigkeit“ verbindet, bei dem der Papst ein Jahr lang an einem Freitag im Monat einen Ort in der Hauptstadt besucht hatte, um mit Menschen zusammenzutreffen, die am Rande der Gesellschaft leben oder in Not geraten sind.

Fragen und Antworten mit dem Papst
Fragen und Antworten mit dem Papst

Fragen und Antworten

Für den aktuellen Zyklus an Begegnungen fiel die Wahl darauf, mit Kindern zu starten. Ohne sich durch die Anwesenheit des Kirchenoberhauptes einschüchtern zu lassen, sprachen die Kinder frei von der Leber weg und stellten dem Papst bewegende Fragen zum Tod, die Zuneigung zu Familie und Freunden, die Sorgen und Freuden des Lebens und die Bedeutung des Gebets. Franziskus nahm sich die Zeit, jedes der aufgeregten Kinder zumindest mit einem Handschlag zu begrüßen, doch am Ende hielt er dann auch noch für ein paar Sekunden bei der kleinen Alice inne, die mit ihren 10 Jahren im Rollstuhl sitzt, um ihren in ein Tuch gewickelten Kopf zu streicheln.

Die kleine Alice in der ersten Reihe
Die kleine Alice in der ersten Reihe

Dialog von etwa einer Stunde Dauer

„Ich werde keine Rede halten, weil das langweilig ist, aber ich werde eure Fragen beantworten", eröffnete Franziskus die Begegnung. Und er hielt Wort: Etwa 50 Minuten lang widmete er sich den Kindern, indem er im Chor die Worte wiederholte, die man sich gut einprägen sollte („Danke, Verzeihung, Entschuldigung“, absolut die wichtigsten), indem er darauf achtete, alle zu Wort kommen zu lassen („Du hast ja schon gesprochen, noch einer!“), indem er diejenigen einlud, die zu schüchtern waren, um mutig zu sein („Kommt her, sagt es ins Mikrofon“) oder indem er den Kindern dankte, die durchdachte Fragen gestellt hatten („Du bist gut, du bist ein Philosoph“).

„Danke, Verzeihung und Entschuldigung“

Papst Franziskus wollte den Kindern vor allem vermitteln, wie wichtig es sei, „für alles Danke zu sagen“: den Eltern, den Freunden, den Lehrern und Katecheten, aber vor allem Gott. „Es ist wichtig, für alles Danke zu sagen. Wenn du zum Beispiel in das Haus einer Person gehst und dich nicht bedankst oder nicht grüßt, ist das gut?“ Besonders im Sinn hatte Franziskus dabei die Worte „Danke“, „Verzeihung“ und „Entschuldigung“: „Ist eine Person, die sich nie entschuldigt, gut? Es ist schwierig, sich zu entschuldigen, manchmal kommen Scham und Stolz ins Spiel. Aber es ist wichtig, sich zu entschuldigen, wenn man ausrutscht. Drei Worte: Danke, Verzeihung, Entschuldigung.”

"High Five" mit Papst Franziskus
"High Five" mit Papst Franziskus

Beten auch in den dunklen Momenten des Lebens

Im Mittelpunkt des Dialogs stand das Thema des Gebets, das, so der Papst, auch in den „dunklen Momenten” des Lebens nicht fehlen darf. „Welche sind das?“, fragte der Papst seine jungen Gesprächspartner: „Wenn jemand stirbt, wenn jemand in Ohnmacht fällt, wenn man sich mit einem Freund streitet“, riefen die Kinder durcheinander. Eine der bewegendsten Fragen kam von Alice: „Wie kann ich dem Herrn in der Krankheit danken?“. „Auch in dunklen Momenten müssen wir dem Herrn danken, denn er gibt uns die Geduld, Schwierigkeiten zu ertragen. Lasst uns gemeinsam sagen: Danke, Herr, dass du uns die Kraft gibst, den Schmerz zu ertragen“, antwortete der Papst.

Eine ganz besondere Katechismusstunde
Eine ganz besondere Katechismusstunde

„Aber betet ihr auch? Wie betet ihr? Was könnt ihr dem Herrn sagen?", fragte er daraufhin weiter. Eines der Kinder stand auf und erzählte, dass er und seine Familie immer vor dem Essen beten. „Er hat etwas Wichtiges gesagt. Aber wisst ihr, dass es so viele Kinder gibt, die nichts zu essen haben? Danke ich dem Herrn, dass er mir zu essen gibt? Danke ich ihm, dass er mir eine Familie geschenkt hat?“

Eine weitere Frage berührte das Thema des Glaubens. „Seid ihr Christen?“, fragte Papst Franziskus, „Habt ihr Glauben? Lasst es uns gemeinsam sagen: Danke, Herr, dass du mir den Glauben geschenkt hast.“ Andere Kinder fragten, warum es den Tod und die Einsamkeit gibt, während Sofia, die in ein paar Tagen die Kommunion empfangen wird, eingestand, dass sie von den Nachrichten über die Kriege erschüttert sei. Auch hier eine Frage: Wie kann man in einer so tragischen Zeit „Danke“ sagen? „Wir müssen immer danke sagen, zu jeder Zeit. Ich gebe euch einen Rat“, schloss der Papst, „bevor ihr schlafen geht, denkt: Wofür kann ich dem Herrn heute danken? Dankt ihm“.

Auch die Kinder traten ans Mikrofon
Auch die Kinder traten ans Mikrofon

Gebete und Geschenke

Mit launigen Sprüchen – „Langweilt ihr euch? Ich gehe jetzt“ - und weiteren Fragen beendete Franziskus das Treffen, indem er mit den Jugendlichen ein eigens für diesen Anlass verfasstes Dankgebet vortrug, das auf einem Faltblatt mit dem Logo des Heiligen Jahres gedruckt war. An jeden verteilte er Rosenkränze: „Ich habe euch Rosenkränze und auch Schokoladeneier mitgebracht. Was wollt ihr, Rosenkränze oder Eier?“. Widersprüchliche Antworten der Kinder riefen Gelächter bei den Katechisten hervor. Ihnen und den anwesenden Priestern überreichte der Papst die ersten sechs Bände der Reihe „Appunti sulla Preghiera“ (etwa: „Notizen zum Gebet“), die von der ersten Abteilung des Dikasteriums für die Evangelisierung zur Unterstützung des pastoralen Lebens im Hinblick auf das Heilige Jahr veröffentlicht wurden.

Ein launiger Austausch
Ein launiger Austausch

Der Gruß auf der Straße an Eltern, Katecheten und Bewohner

Ein Halleluja-Gesang begleitete Franziskus, als er den Saal verließ. Draußen, hinter den Absperrungen, warteten die Eltern der Kinder auf den Bischof von Rom: „Hallo Papst! Papst segne uns!“, riefen auch sie sichtlich erfreut über die seltene Begegnung. Es war nur ein flüchtiger Moment; viel länger dauerte die Fahrt zurück auf die Straße, wo Gemeindemitglieder und Einheimische versuchten, sich dem Auto zu nähern, indem sie „Viva der Papst“ riefen oder darum baten, dass er ihre Kinder segne. Franziskus ließ den Fiat mehrmals anhalten, um Kinder in Kinderwagen zu streicheln oder Rosenkränze zu verteilen. Dann verabschiedete er sich von diesem Randgebiet der Hauptstadt und kehrte nach Santa Marta zurück, mitten im Abendverkehr und unter den staunenden Blicken der Passanten.

(vatican news)

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12. April 2024, 10:20