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Papst Franziskus: Messe in Asti Papst Franziskus: Messe in Asti 

Papst zu Christkönig: Jesus, der König mit offenen Armen

Mit mehr als 20.000 Gläubigen hat Papst Franziskus an diesem Sonntag in der piemontesischen Stadt Asti die Heilige Messe zum Christkönigsfest gefeiert. Am Christkönigssonntag wird seit vergangenem Jahr auch der diözesane Weltjugendtag begangen, so dass die Kathedrale auch von besonders vielen jungen Menschen bevölkert war. Auch die Beauftragung eines Akolythen nahm Franziskus im Lauf der Messe vor.

Mit dem Papamobil war Papst Franziskus vom Sitz des Bischofs von Asti zur Kathedrale gefahren, wo ihn zahlreiche Menschen erwarteten. Mit 4.000 Gläubigen war die Kathedrale bis auf den letzten Platz gefüllt, doch auch vor dem Kirchengebäude konnten die Besucher der Messe folgen und einen Blick auf das Kirchenoberhaupt erhaschen. Musikalisch untermalt wurde das Eintreffen des Papstes von der Hymne des Weltjugendtages 2000 in Rom, „Jesus Christ, you are my life", während die jungen Leute, die in der Jugendpastoral aktiv sind, das Weltjugendtagskreuz trugen. 

Ein ungewöhnlicher König

Jesus ist ein König, durch den unsere Vorstellung eines Souveräns auf den Kopf gestellt wird, das pure Gegenteil eines landläufigen Herrscherbildes, unterstrich Franziskus anschließend in seiner Predigt in der Kathedrale von Asti. Vom Thron des Kreuzes aus lehre Christus die Menge „ohne Worte und „ohne seine Hand zu heben: „Er tut mehr: Er zeigt auf niemanden mit dem Finger, sondern breitet seine Arme für alle aus. So zeigt sich unser König: mit offenen Armen, a brasa aduerte“, fügte Franziskus mit piemontesischem Zungenschlag ein.

Nur wenn wir uns in diese Umarmung begäben, könnten wir begreifen, wie weit Gott gegangen sei, um wirklich „alles von uns“ zu umarmen, auch das, was ihm „am fernsten war“, nämlich „unseren Tod (…), unseren Schmerz, unsere Armut, unsere Zerbrechlichkeit und unsere Miseren“: „Er hat all das umarmt“, unterstrich der Papst in seiner Predigt, in der er vor allem vom Tagesevangelium ausging, in dem das Gespräch Jesu mit dem ebenfalls zum Tod am Kreuz verurteilten Guten Schächer geschildert wird. 

Bei der Messe in Asti
Bei der Messe in Asti

Nichts an uns ist Jesus fremd

„Siehst du, er betrachtet dein Leben nicht nur einen Moment lang, er wirft dir nicht nur einen flüchtigen Blick zu, wie wir es oft mit ihm tun, sondern er bleibt da, a brasa aduerte, um dir in der Stille zu sagen, dass ihm nichts an dir fremd ist, dass er dich umarmen, aufrichten und retten will, so wie du bist, mit deiner Geschichte, deinem Elend, deinen Sünden“, betonte der Papst. Damit gebe Jesus uns auch die Möglichkeit, „im Leben zu herrschen“, unter der Bedingung, dass „wir uns von ihm lieben lassen, denn nur so werden wir von der Sklaverei unseres Egos befreit, von der Angst, allein zu sein, von dem Gedanken, es nicht zu schaffen“.

Das Böse, das sich durch Gleichgültigkeit verbreitet

Das „Rette dich selbst“, das angesichts des gekreuzigten Jesus aus der Menge wie ein Refrain ertöne, sei ansteckend, eine „Welle des Bösen“, die fast alle erfasse, „eine Welle, die sich durch Gleichgültigkeit ausbreitet, weil diese Leute über Jesus reden, sich aber nicht mal für einen Augenblick in seine Lage versetzen“, mahnte Franziskus:

„Die Welle des Bösen breitet sich immer auf diese Weise aus: Sie beginnt damit, dass man Abstand hält, dass man zuschaut, ohne etwas zu tun, dass man sich nicht kümmert; dann denkt man nur an das, was einen interessiert und gewöhnt sich daran, sich abzuwenden. Das ist auch ein Risiko für unseren Glauben, der verkümmert, wenn er Theorie bleibt und nicht in die Tat umgesetzt wird, wenn es keine Anteilnahme gibt, wenn man sich nicht persönlich hingibt und engagiert, dann werden wir zu Rosenwasser-Christen, die sagen, dass sie an Gott glauben und Frieden wollen, aber nicht beten und sich nicht um ihren Nächsten kümmern.“

„Dann werden wir zu Rosenwasser-Christen, die sagen, dass sie an Gott glauben und Frieden wollen, aber nicht beten und sich nicht um ihren Nächsten kümmern“

Das Evangelium lege uns aber noch eine andere Art der Reaktion vor, die „heilsame Welle des Guten“, die sich in der Anteilnahme des Schächers zeige, der Jesus beim Namen nenne: „So wird ein Übeltäter zum ersten Heiligen: Er ist Jesus für einen Augenblick nahe und der Herr behält ihn für immer bei sich. Nun, das Evangelium erzählt von dem guten Schächer um unseretwillen, um uns einzuladen, das Böse zu überwinden, indem wir aufhören, bloße Zuschauer zu bleiben.“

Bei der Messe in Asti
Bei der Messe in Asti

Ärmel hochkrempeln oder unbeteiligt bleiben?

Es liege an uns, ob wir Zuschauer oder Beteiligte sein wollten, ob wir angesichts der „Krisen von heute“, des Rückgangs des Glaubens oder der fehlenden Teilnahme  uns in Theorien und Kritik flüchteten oder „die Ärmel hochkrempeln“, „von den ,Wenn‘ der Ausreden zu den ,Ja‘ von Gebet und Dienst“ übergingen, so der Papst: „Wir alle glauben zu wissen, was in der Gesellschaft, in der Welt und sogar in der Kirche nicht geht, aber tun wir dann auch etwas? Machen wir uns die Hände schmutzig, wie unser an das Holz genagelter Gott, oder stehen wir mit den Händen in den Hosentaschen da und schauen zu?“ Christen müssten sich dazu durchringen, zu Dienern zu werden, um mit Jesus zu herrschen, schloss Franziskus seine Überlegungen zum Tagesevangelium.

Hier die Höhepunkte der Messe
Bei der Messe in Asti begrüßte der Papst auch seine Cousine
Bei der Messe in Asti begrüßte der Papst auch seine Cousine

Die feierliche Messe in der Kathedrale von Asti hatte jedoch auch einen besonderen Bezug zu dem argentinischen Papst, mit dem auch er bei seiner Predigt nicht hinter dem Berg hielt: Denn sein Vater sei aus genau dieser Gegend aufgebrochen, um nach Argentinien auszuwandern, erläuterte der Papst vor den stolzen Piemontesern, die sich bei sonnigem, aber kaltem Wetter auch nicht gescheut hatten, vor der Kirche über Großbildschirme die Messe mitzuverfolgen: „Und in diese Gegend, die durch gute Bodenprodukte und vor allem durch den echten Fleiß der Leute wertvoll ist, bin ich gekommen, um den Geschmack dieser meiner Wurzeln wiederzufinden."

Bei der Messe in Asti
Bei der Messe in Asti

Einen besonderen Moment bescherte Franziskus auch einem jungen Mann, den er im Rahmen der Messe als Akolythen aussendete. Auf verbindliche Weise wandte sich Franziskus vor seiner Predigt an ihn und bat scherzhaft um Gebet für Priesterberufungen unter jungen Männern:  

„Wir sehen diesen jungen Mann, Stefano, der auf seinem Weg zum Priestertum um die Beauftragung zum Akolythen bat. Wir müssen für ihn beten, dass er in seiner Berufung vorankommt und treu ist; aber wir müssen auch für diese Kirche von Asti beten, dass der Herr Priesterberufungen schickt, denn wie ihr seht, sind die meisten alt, wie ich [Gelächter]: wir brauchen junge Priester, wie einige hier, die sehr gut sind, eh! Bitten wir den Herrn, dieses Land zu segnen.“ Nach der Predigt beauftragte der Papst den jungen Seminaristen feierlich mit dem Akolythenamt.

Anschließend an Messe und Angelus nahm er am Bischofssitz mit dem Bischof von Asti, Marco Prastaro, das Mittagessen ein. Der Helikopter-Rückflug nach Rom war für den Nachmittag geplant.

(vatican news - cs)

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20. November 2022, 11:59