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Papst Franziskus mit den Teilnehmern am Internationalen Thomistenkongress, der von der Päpstlichen Akademie Thomas von Aquin veranstaltet wird Papst Franziskus mit den Teilnehmern am Internationalen Thomistenkongress, der von der Päpstlichen Akademie Thomas von Aquin veranstaltet wird  (Vatican Media)

Papst: Die Suche nach Gott ist Gebet und Kontemplation

An diesem Donnerstag hat Franziskus die Teilnehmer des 11. Internationalen Thomistenkongresses in Audienz empfangen. In seiner aus dem Stegreif gehaltenen Rede erinnerte der Papst die Kongressteilnehmer daran, dass der Thomismus kein Museumsstück sei, sondern eine lebendige Quelle.

Antonella Palermo und Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

„Bevor man über den heiligen Thomas spricht, bevor man über den Thomismus spricht, bevor man lehrt, muss man kontemplieren: den Meister kontemplieren, über das intellektuelle Denken hinaus verstehen, was der Meister gelebt hat und was er uns sagen wollte,“ leitete der Papst seine spontanen Überlegungen ein. Den schriftlich vorbereiteten Redetext hatte er zuvor dem Präsidenten der Päpstlichen Akademie „Thomas von Aquin“ überreicht.

Das Kirchenoberhaupt warnte davor, die Figur des Thomas von Aquin allein auf die eines Denkers zu reduzieren: Auf diese Weise ruiniere man sein Denken, nehme ihm die Kraft, das Leben. „Der heilige Thomas war ein Licht für das Denken der Kirche, und wir müssen ihn gegen die 'intellektualistischen Reduktionismen' verteidigen, die die Größe seines lehrhaften Denkens gefangen halten,“ so Franziskus wörtlich.

Das Streben nach der Heiligkeit des Lebens

In seiner Ansprache würdigte der Papst den Kirchenlehrer, der 1323 heiliggesprochen wurde, als „treuen Schüler der fleischgewordenen Weisheit," der stets nach der Heiligkeit des Lebens gestrebt habe. Thomas von Aquin habe „unermüdlich nach dem Antlitz Gottes gesucht und gezeigt, dass das demütige Streben nach dem „intellectus fidei“ unter der Führung des Heiligen Geistes für den Gläubigen zur eigentlichen Dynamik des Glaubens gehöre.

Das Zusammenspiel von Glaube und Vernunft

Das im Herzen aufgenommene Wort Gottes müsse den Verstand erreichen, damit es unser Denken erneuern könne, so Franziskus weiter. „Die leidenschaftliche Suche nach Gott ist zugleich Gebet und Kontemplation, und somit ist der heilige Thomas ein Vorbild für eine Theologie, die in der Atmosphäre der Anbetung geboren wird und weiter wächst.“ Und diese Suche nach der Wahrheit über Gott nutze die beiden "Flügel", mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebe: Glaube und Vernunft. Nicht umsonst habe schon der heilige Papst Paul VI. die Brillanz gelobt, mit der es Thomas von Aquin verstanden hat, die Säkularität der Welt und die Radikalität des Evangeliums miteinander in Einklang zu bringen.

Papst Franziskus erinnerte auch an die erleuchtende Lehre des Thomas von Aquin über die Schöpfung, die auch in seine Enzyklika Laudato si' eingeflossen ist:

„Für den heiligen Thomas ist die Schöpfung die allererste Manifestation der unermesslichen Großzügigkeit Gottes, ja, seiner unentgeltlichen Barmherzigkeit. Der heilige Thomas nennt sie den Schlüssel der Liebe, der die Hand Gottes geöffnet hat und sie immer offenhält.“ Und er habe die Schönheit Gottes betrachtet, die in der geordneten Vielfalt der Geschöpfe aufleuchtet:

„Das Universum der sichtbaren und unsichtbaren Geschöpfe ist weder ein monolithischer Block noch eine formlose Vielfalt; es bildet vielmehr eine Ordnung, ein Ganzes, in dem alle Geschöpfe miteinander verbunden sind, weil sie alle von Gott kommen und zu Gott gehen - und weil sie aufeinander einwirken und so ein dichtes Netz von Beziehungen schaffen".

Zum Abschluss seiner Ansprache rief der Papst die Gelehrten der Akademie des heiligen Thomas dazu auf, sich nicht zu scheuen, „die alten und immer fruchtbaren Dinge zu vermehren und mit Neuem zu bereichern".

(vaticannews - skr)
 

22 September 2022, 15:01