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Papst Franziskus und Hieronymos II. in Athen Papst Franziskus und Hieronymos II. in Athen  (Vatican Media)

Papst an Orthodoxe in Athen: Mut zur Wahrheit statt Vorurteile

Nach den Treffen mit Politiker und Behörden in Athen ist an diesem Samstag der zweite Teil der Griechenlandreise für Franziskus gefolgt: der Besuch beim orthodoxen Erzbischof von Athen, Hieronymos II. Bei dem ökumenischen Treffen ging es um die Überwindung der Trennung und die Herausforderungen für die Christen.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Der Besuch beim orthodoxen Gastgeber stand im Zeichen des Apostel Paulus, der sowohl bei Katholiken als auch bei Orthodoxen hochgeschätzt wird. Er – Papst Franziskus – sei von den Gräbern der Apostel und Märtyrer nach Athen gekommen und zwar „mit großer Achtung und Demut“, unterstrich der Gast aus Rom.

Der Gastgeber, Erzbischof Hieronymos, ging auf das Engagement des Papstes für den ökumenischen Dialog und den Einsatz für die Migranten und Benachteiligten ein. Franziskus erinnerte in seiner Ansprache daran, dass sie sich bereits vor fünf Jahren auf Lesbos getroffen hätten. Es sei damals um die Notlage der Flüchtlinge gegangen. Jetzt treffe man sich wieder und es ginge diesmal darum, „die Freude der Geschwisterlichkeit zu teilen“. Der Papst betonte das Verbindende. Dazu gehöre auch das Mittelmeer, dass nicht nur geographisch trenne und für Leid sorge. Hinzu fügte er die jahrhundertealten Olivenbäume, ein Sinnbild für Griechenland, aber auch für Italien. Und da habe der Apostel Paulus eine Besonderheit genannt, die dem Papst ein Anliegen sei: die Wurzeln. Diese seien eine Stütze für den Baum und im übertragenen Sinn für den Glauben.

Zum Nachhören - was der Papst dem orthodoxen Erzbischof von Athen sagte

Die Geschichte habe aber durch die „weltlichen Gifte“ dazu geführt, dass sich die Gläubigen von Ost und West voneinander weg gewachsen seien, erinnerte der Papst weiter. Er habe abermals das Bedürfnis „Gott und meine Brüder und Schwestern erneut um Vergebung zu bitten für die Fehler, die so viele Katholiken begangen haben“. Ein großer Trost liege jedoch in der Gewissheit, „dass unsere Wurzeln apostolisch sind und dass die Pflanze Gottes trotz der Irrtümer der jeweiligen Zeit im selben Geist wächst und Frucht bringt“, fügte Franziskus an.

Die drei Öle des Heiligen Geistes

Ausgehend vom Olivenbaum sprach er von drei Ölen, die Sinnbild für den Heiligen Geist seien: einerseits vom Öl der Gemeinschaft, was der Heilige Geist an sich sei, erläuterte der Papst seinem Gastgeber. Deshalb solle man sich nicht voneinander fürchten und es mache auch keinen Sinn getrennt zu bleiben, denn man könne der Menschheit nicht von der Liebe Gottes sprechen und gleichzeitig untereinander nicht geeint sein. Man müsse eine Gemeinschaft aufbauen, die nicht auf Berechnungen, Strategien und Zweckmäßigkeit gründet, sondern auf das „einzige Vorbild, auf das wir schauen müssen: die Heilige Dreifaltigkeit“, so der Papst.

Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis und Hieronymos II. in Athen
Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis und Hieronymos II. in Athen

Ein weiteres Öl sei jenes der Weisheit. Da denke er an die Salbung. Der Heilige Geist habe durch die Salbung eine Inspiration geschenkt. Dazu zählte der Papst jene Gesten der griechischen Orthodoxie, die auf Zusammenarbeit in ökumenischer und kultureller Hinsicht bisher geschehen ist.

Einen dritten Aspekt des Heiligen Geistes als Öl sein jenes des Trostes, schloss der Papst seine Überlegungen ab: „Und er drängt uns nach wie vor, uns um die Schwächsten und Ärmsten zu kümmern und ihre Anliegen, die in den Augen Gottes vorrangig sind, in der Welt bekannt zu machen.“ Hierbei erinnerte Franziskus an die Unterstützung der Kirche an die Bedürftigsten in den schwersten Zeiten der Wirtschaftskrise. Griechenland erlebte 2010 eine tiefe Finanzkrise, die das Land fast aus der Euro-Währungsunion ausgeschlossen hätte. Neben den finanziellen Nöten seien auch andere Wunden verursacht worden. „In der Tat ruft uns der Heilige Geist heute mehr als in der Vergangenheit auf, die Wunden der Menschheit mit dem Öl der Nächstenliebe zu heilen“, sagte der Papst.

Versöhnung und Überwindung der Vergangenheit

Ausgehend vom Mut zur Wahrheit und von dem aufrichtigen Willen, einander zu verzeihen und sich zu versöhnen, seien nun alle Christen aufgerufen, ihre schmerzvolle Vergangenheit und jene Wunden, die diese leider auch heute noch immer hervorriefen, gemeinsam neu zu bedenken, zitierte Franziskus seinen Vorgänger Johannes Paul II. aus der Ökumene-Enzyklika „Ut unum sint“.

Deshalb rufe der Papst dazu auf, sich nicht von Negativität und Vorurteilen der Vergangenheit lähmen zu lassen. „Möge der Geist des gekreuzigten und auferstandenen Herrn über uns kommen, möge er uns einen ruhigen und klaren, der Wahrheit verpflichteten und von der göttlichen Barmherzigkeit belebten Blick, der imstande ist, den Geist zu befreien und in einem jeden eine neue Bereitschaft zu wecken, schenken“, so Franziskus.

Und dann erinnerte er an die nächste große Bischofssynode: „Als Katholiken haben wir uns gerade auf den Weg gemacht, die Synodalität zu vertiefen, und wir haben das Gefühl, dass wir viel von euch lernen können. Wir wünschen uns das von ganzem Herzen, denn wir sind sicher, dass der Trost des Geistes in die Herzen kommt, wenn sich die Brüder im Glauben näherkommen.“

Erzbischof Hieronymos II. ist seit 2008 Oberhaupt der autokephalen orthodoxen Kirche von Griechenland und fungiert zudem auch als Chefsekretär der Heiligen Synode von Griechenland. Der Heilige Synod ist in der Orthodoxie ein ständiges Kirchengremium, das sich an der Spitze der orthodoxen Kirchen befindet.

(vatican news)

04 Dezember 2021, 15:45