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Papst Franziskus wurde im Sommer 2021 in der Gemelli-Klinik behandelt Papst Franziskus wurde im Sommer 2021 in der Gemelli-Klinik behandelt  (Vatican Media)

Päpste und das Gemelli - Eine lange gemeinsame Geschichte

Papst Franziskus hat diesen Freitag eine Messe in der römischen Gemelli-Klinik gefeiert. Anlass war der 60. Geburtstag der dortigen Fakultät für Medizin und Chirurgie. Das von Pater Agostino Gemelli gegründete Universitätsklinikum und die Päpste verbindet eine lange gemeinsame Geschichte. Einige Etappen lassen wir Revue passieren. Der deutsche Papst Benedikt XVI. beispielsweise traf 2011 Studenten und Dozenten der Uniklinik. Anlass auch damals: Ein Jubiläum.

Stefanie Stahlhofen und Amedeo Lomonaco – Vatikanstadt

2011 feierte das Gemelli sein 90. Gründungsjubiläum; Teil der Feierlichkeiten war auch eine Audienz mit Papst Benedikt XVI. am 21. Mai 2011 im Vatikan. Der Franziskanerpater und Arzt Agostino Gemelli, dem die Klinik ihren Namen verdankt, hatte sie 1921 gegründet. Papst Benedikt XVI. erklärte in seiner Rede zum 90. Jahrestag der Gründung, was für ihn eine katholische Universität ausmacht: 

„Der Horizont, auf den die Arbeit an der Universität ausgerichtet ist, kann und muß die wahre Leidenschaft für den Menschen sein. Nur im Dienst am Menschen wird die Wissenschaft tatsächlich zur Bebauung und Bewahrung des Universums betrieben (vgl. Gen 2,15). Und dem Menschen zu dienen bedeutet, die Wahrheit in der Liebe zu tun, bedeutet, das Leben zu lieben, es immer zu respektieren, dort angefangen, wo es am zerbrechlichsten, am wehrlosesten ist. Das ist unsere Aufgabe, besonders in Zeiten der Krise: die Geschichte der Kultur zeigt, daß die Menschenwürde in ihrer Ganzheitlichkeit im Licht des christlichen Glaubens wirklich erkannt worden ist. Die Katholische Universität ist gerufen, ein Ort zu sein, an dem diese Aufgeschlossenheit für das Wissen eine vorbildliche Form annimmt, diese Leidenschaft für die Wahrheit, dieses Interesse für die Geschichte des Menschen, die die wahre christliche Spiritualität kennzeichnet."

Hier im Audio: Die Päpste und die Gemelli-Klinik

„Der Horizont, auf den die Arbeit an der Universität ausgerichtet ist, kann und muß die wahre Leidenschaft für den Menschen sein.“

Johannes Paul II. am "Papst"-Fenster der Gemelli-Klinik
Johannes Paul II. am "Papst"-Fenster der Gemelli-Klinik

Johannes Paul II. und das Gemelli

Benedikts Vorgänger im Amt, Papst Johannes Paul II., hatte eine besonders enge Verbindung zur Gemelli-Klinik, in der er auch im Jahr 1981 notoperiert wurde - nach dem Schusswaffen-Attentat bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Dies führte sicher zu einer ganz besonders persönlichen Beziehung des polnischen Papstes mit dem Uniklinikum: 

„Die Universität ist nicht allein dazu bestimmt, Wissen zu vermitteln, sondern auch Menschen zu formen. Dieser erzieherische Auftrag darf niemals unterbewertet werden. Auch kann die eigentliche Vermittlung der Wahrheit nur Gewinn ziehen aus einem Klima menschlicher Beziehungen, in dem die Werte Offenheit, Freundschaft, Unentgeltlichkeit und gegenseitige Achtung zum Ausdruck kommen. Ich bin überzeugt, daß Dozenten, die wirkliche Ausbilder sein wollen, dies nicht nur als Lehrmeister, sondern auch als ,Lebensmeister` sein müssen..."

Johannes Paul II. bei der Eröffnung des Akademischen Jahrs 2000
Johannes Paul II. bei der Eröffnung des Akademischen Jahrs 2000

„Die Universität ist nicht allein dazu bestimmt, Wissen zu vermitteln, sondern auch Menschen zu formen“

Dies sagte Johannes Paul II. am 9. November 2000 zur Eröffnung des Akademischen Jahrs der Katholischen Universität vom Heiligen Herzen, zu der das Gemelli-Klinikum gehört.

Paul VI. und Johannes XXIII. über das Uniklinikum

Wir gehen noch weiter zurück in der Geschichte der Päpste und der Gemelli-Klinik und machen einen großen Zeitsprung, zum 1. März 1969. Damals traf Papst Paul VI. Ärzte und Studenten des Uniklinikums. Er betonte, Aufgabe der Universität sei das christliche Denken, Wissen und Kultur zu fördern und ihre Studenten so auszubilden, „daß sie zu wahrhaft kundigen Menschen werden, die bereit sind, anspruchsvolle Aufgaben in der Gesellschaft zu erfüllen und ihren Glauben vor der Welt zu bezeugen". Paul VI. würdigte zudem auch explizit die Arbeit aller Laienmitarbeiter der katholischen Universität. 

Papst Johannes XXIII. bei der Einweihung der Fakultät für Medizin und Chirurgie am 5. November 1961
Papst Johannes XXIII. bei der Einweihung der Fakultät für Medizin und Chirurgie am 5. November 1961

Die Gründung der Fakultät für Medizin und Chirurgie

Wir kommen zu Papst Johannes XXIII. und dem Jahr 1961, in dem sich der Kreis zum Besuch von Papst Franziskus diesen Freitag in der Gemelli-Klinik schließt. Franziskus war ja gekommen, um das 60-jährige Bestehen der Fakultät für Medizin und Chirurgie zu würdigen. Diese war am 5. November 1961 eingeweiht worden - von Papst Johannes XXIII. Der sagte damals:  

„Wir sind Gott sehr dankbar, dass er uns ermöglicht die Fakultät für Medizin hier im römischen Viertel Montemario einzuweihen. Die Universität vom Heiligen Herzen hier ist ein Ableger der glorreichen Katholischen Universität von Mailand. Mit Freude haben wir ihre Anfänge gesehen und mit noch größerer Freude ihre Fortschritte. Wie viele Jahre sind seit dem vergangen! Nun endlich ist das Projekt, das Agostino Gemelli mit beharrlichem Willen verfolgt hat, mit Mut großartig und großherzig umgesetzt worden." 

„Nun endlich ist das Projekt, das Agostino Gemelli mit beharrlichem Willen verfolgt hat, mit Mut großartig und großherzig umgesetzt worden“

(vatican news)

05 November 2021, 09:06