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Franziskus vor der Heilig-Herz-Uni in Rom Franziskus vor der Heilig-Herz-Uni in Rom  (Vatican Media)

Papst Franziskus: „Liebe spricht für sich – nicht von sich“

Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Herz-Jesu-Verehrung hat Papst Franziskus gehalten. Auf dem römischen Gelände der „Sacro-Cuore“-Uni feierte er am Morgen eine Messe zum Herz-Jesu-Freitag.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Dabei sagte er, die Herz-Jesu-Verehrung sei „keine fromme Andacht, um ein wenig Wärme im Inneren zu spüren“, und auch kein „zartes Bild, das auf Zuneigung spekuliert“. Vielmehr sei das Herz Jesu „ein leidenschaftliches, von Liebe verwundetes Herz - dafür genügt es, das Evangelium zu lesen - das am Kreuz für uns aufgerissen wurde“.

Die durch einen Lanzenstich geöffnete Seite des gekreuzigten Jesus galt schon in der Urkirche als Sinnbild der gottmenschlichen Liebe Jesu. Deutsche Mystikerinnen des Mittelalters wie Gertrud von Helfta (1256-1302), aber auch der deutsche Theologe Hugo Rahner (1900-1968, übrigens ein Bruder von Karl Rahner) stehen für die Herz-Jesu-Verehrung.

Ein Wortspiel

Franziskus spielte in seiner Predigt mit dem italienischen Wort ricordo, das aus re- (zurück) und cuore (Herz) zusammengesetzt ist. „Wohin bringt uns das Herz Jesu zurück?“, fragte der Papst in seiner Predigt. „Es bringt uns zurück zu dem, was er für uns getan hat: Das Herz Christi zeigt uns Jesus, der sich selbst opfert: Es ist der Inbegriff seiner Barmherzigkeit.“ Barmherzigkeit gehört zu den wichtigsten Akzenten dieses Pontifikats; Franziskus hat 2016 ein „Außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit“ durchgeführt.

Ein paar Eindrücke von der Messfeier

Eine tägliche, konkrete Übung

Der Papst ermunterte seine Zuhörer auf einem Rasengelände vor dem Uni-Gebäude zu einer täglichen, konkreten Übung des liebevollen Erinnerns. „In der heutigen Hektik, inmitten von tausenderlei Herumrennen und ständigen Sorgen, verlieren wir die Fähigkeit, uns bewegen zu lassen und Mitgefühl zu empfinden, weil wir diese Rückkehr zum Herzen, zur Erinnerung verlieren… Es ist gut für uns, die Erinnerung an diejenigen zu pflegen, die uns geliebt, für uns gesorgt und uns erzogen haben.“

Franziskus empfahl auch eine ganz praktische Übung, die er „Erinnerungs-Therapie“ nannte: „Es tut uns gut, am Abend die Gesichter, die wir getroffen haben, das Lächeln, das wir erhalten haben, die guten Worte Revue passieren zu lassen. Sie sind Erinnerungen an die Liebe und helfen unserer Erinnerung, sich wiederzufinden… Ein geschwisterliches Wort, ein Lächeln, ein Streicheln des Gesichts: das sind Erinnerungen, die innerlich heilen, die dem Herzen gut tun.“

Zum Nachhören: Papst Franziskus bricht bei einer Messe eine Lanze für die Herz-Jesu-Verehrung

Die Ikone der Passion

Das Herz Jesu nannte Franziskus „die Ikone der Passion“: „Es zeigt uns die innige Zärtlichkeit Gottes, seine liebende Leidenschaft für uns... In seiner Zärtlichkeit und seinem Schmerz offenbart dieses Herz, kurz gesagt, was die Leidenschaft Gottes ist: der Mensch. Wir.“ Das war eine Anspielung auf das berühmte Diktum des hl. Irenäus von Lyon (ca. 130-ca. 200): „Gloria dei vivens homo“, „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“.

„Wenn wir Gott wirklich lieben wollen, müssen wir uns für den Menschen begeistern“

„Was bedeutet das? Wenn wir Gott wirklich lieben wollen, müssen wir uns für den Menschen begeistern – für jeden Menschen. Vor allem für diejenigen, die in der Situation leben, in der sich das Herz Jesu offenbart hat: Schmerz, Verlassenheit, Marginalisierung, vor allem in dieser Kultur der Marginalisierung, in der wir heute leben. Wenn wir denen dienen, die leiden, trösten und freuen wir uns am Herzen Christi.“

Liebe spreche „für sich selbst, nicht von sich selbst“, so der Papst abschließend. Und er dankte der Katholischen Herz-Jesu-Uni, die dieses Jahr den 100. Jahrestag ihrer Gründung begeht, für die Pflege, die ihm im Sommer in der angeschlossenen Gemelli-Klinik zuteil wurde. Franziskus hat sich in der Klinik, die sein Vorgänger Johannes Paul II. (1978-2005) wegen seiner häufigen Krankenhausaufenthalte scherzhaft „Vatikan Nummer drei“ nannte, im Juli einer Darm-OP unterzogen.

(vatican news – sk)

05 November 2021, 13:12