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Papst Franziskus bei der Generalaudienz Papst Franziskus bei der Generalaudienz  (Vatican Media)

Papst: Wenn auf Fehler hinweisen, dann sanft und demütig

Papst Franziskus hat vor einem falschen Verständnis der „brüderlichen Zurechtweisung“ gewarnt. Es sei sehr leicht, andere zu kritisieren, sagte der Papst bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch. Wer andere auf Fehler hinweise, müsse das zurückhaltend und liebevoll tun, oft auch erst nach einer Phase des stillen Ertragens.

Die „brüderliche Zurechtweisung“ gehört zur geistlichen Tradition des Christentums. Gemeint ist das gegenseitige Sich-Aufmerksam-Machen auf Fehler und Sünden im Sinn des spirituellen Wachstums. Doch das Vorgehen hat gewisse Gefahren, wie Franziskus bei der Generalaudienz ausführte. Unter Berufung auf den Galaterbrief von Paulus, dem der Papst die derzeitig laufende Katechesenreihe widmet, sprach er von verschiedenen „Begehren des Fleisches“ wie Neid, Vorurteile, Heuchelei und Groll. Mit solchen Versuchungen im Herzen könne dann „der Rückgriff auf starre Vorschriften eine leichte Versuchung sein“, wenn es darum gehe, andere auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

„Die oberste Regel der brüderlichen Zurechtweisung ist die Liebe“

„Die oberste Regel der brüderlichen Zurechtweisung ist die Liebe: das Wohl der Brüder und Schwestern zu wollen“, stellte Franziskus klar. „Und sehr oft bedeutet das auch: die Probleme und Schwächen der anderen ertragen, in Stille und Gebet, um dann den richtigen Weg zu finden, um ihm zu helfen.“ Das sei nicht einfach, räumte der Papst ein. Abermals warnte er vor dem Geschwätz, der üblen Nachrede. „Den anderen durchzuhecheln - als ob ich perfekt wäre! Das sollte man nicht tun. Sanftmut, Geduld, Gebet, Nähe.“

Zuerst über die eigene Schwäche nachdenken

Einem gläubigen Menschen müsse das Wahrnehmen der Sünden anderer Anlass zur Selbsterforschung sein. „Wenn wir nämlich versucht sind, andere zu verurteilen, was oft der Fall ist, müssen wir zuerst über unsere eigene Schwäche nachdenken. Wie leicht ist es, die anderen zu kritisieren. Es gibt Leute, die scheinen einen Hochschulabschluss in übler Nachrede zu haben. Jeden Tag kritisieren sie die anderen. Schau lieber mal auf dich selbst!“

Zum Nachhören: Papst Franziskus spricht bei seiner Generalaudienz über brüderliche Zurechtweisungen

Was bewegt uns zur brüderlichen Zurechtweisung?

Franziskus riet ausdrücklich dazu, sich immer selbst zu fragen, „was uns dazu bewegt, einen Bruder oder eine Schwester zu korrigieren, und ob wir nicht in gewisser Weise für ihren Fehler mitverantwortlich sind“. Der Heilige Geist schenke „nicht nur die Gabe der Sanftmut, sondern lädt uns auch zur Solidarität ein, um die Lasten der anderen zu tragen.“

„Er sagt nicht: Ich bin der Chef, ihr seid der Rest“

Auch Priester und Bischöfe sind nach den Worten des Papstes der Versuchung der Überheblichkeit ausgesetzt. Der heilige Paulus selbst erhebe sich nicht über seine Gemeinschaft, so Franziskus: „Er sagt nicht: Ich bin der Chef, ihr seid der Rest, sondern er stellt sich in die Mitte des Weges aller, um ein konkretes Beispiel dafür zu geben, wie notwendig es ist, Gott zu gehorchen und immer mehr und immer besser auf die Führung des Geistes zu reagieren.“ Es sei schön, Bischöfe und Priester zu haben, die „mit ihrem Volk gehen und sich nicht von ihm ablösen: Ich bin wichtiger, ich bin ein Hirte für dich, ich bin Priester, ich bin Bischof, die Nase hoch tragend - nein! Hirten, die mit der Herde gehen. Das ist so schön - das tut der Seele gut!“

(vatican news - gs)

 

03 November 2021, 10:58