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Papst Franziskus bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch Papst Franziskus bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch  (Vatican Media)

Papst: Nur Liebe hat die Macht, Menschen zu ändern

Bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch hat Papst Franziskus davor gewarnt, in Geboten und Vorschriften Sicherheit zu suchen, statt sich der Liebe Gottes zu öffnen, die allein Freude, Friede und Liebe bringt. „Das Leben des Geistes, das in den Sakramenten zum Ausdruck kommt, darf nicht durch eine Bürokratie erstickt werden, die den Zugang zur Gnade des Geistes behindert“ - so brachte der Papst eine Gefahr auf den Punkt, die heute viele Menschen von der Kirche entfernt.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

„Auch heute noch suchen viele nach religiösen Gewissheiten und nicht nach dem lebendigen und wahren Gott“, warnte Franziskus. Er verwies auf Paulus, der in einem Brief die Galater dafür rügt, sich nur auf Gesetze und Vorschriften zu versteifen - wo es doch der Geist, den uns Jesus mit seinem Tod und seiner Auferstehung hinterlassen hat, sei, der unsere Herzen verwandeln wolle.

Hier der Beitrag zur Katechese des Papstes zum Nachhören

Das Wirken des Heiligen Geistes verändert das Herz, nicht unsere Werke

„Er ist es, der das Herz verändert: nicht unsere Werke - er ändert unser Herz, nicht das was wir tun -, sondern das Wirken des Heiligen Geistes in uns,“ erklärte der Papst. „Er ist es, der die Kirche leitet, und wir sind gerufen, uns seinem Wirken zu fügen, das sich zeigt, wo und wie er will. Gerade die Erkenntnis, dass der Heilige Geist auf alle Menschen herabgekommen ist und seine Gnade ohne Unterschied ausgegossen hat, hat selbst die widerstrebendsten Apostel davon überzeugt, dass das Evangelium Jesu für alle und nicht für einige wenige Privilegierte bestimmt war.“

Jene, die nur Sicherheit suchen würden, ließen nicht zu, dass die Freiheit des Geistes in sie einkehre, beklagte Franziskus.

„Der Apostel zeigt uns zwei gegensätzliche Fronten auf: auf der einen Seite die Werke des Fleisches, auf der anderen die Frucht des Geistes. Was sind die Werke des Fleisches? Es sind Verhaltensweisen, die dem Geist Gottes widersprechen. Der Apostel nennt sie nicht deshalb Werke des Fleisches, weil in unserem menschlichen Fleisch etwas Falsches oder Schlechtes wäre… Fleisch ist ein Wort, das den Menschen in seiner irdischen Dimension bezeichnet, in sich selbst eingeschlossen, in einem horizontalen Leben, in dem man weltlichen Instinkten folgt und die Tür zum Geist verschließt, der uns erhebt und uns aufgeschlossen macht für Gott und für die anderen“.

Franziskus gab seinen Zuhörern diesbezüglich folgenden konkreten Rat:

„Liebe, Friede und Freude: Daran erkennt man einen Menschen, der vom Geist Gottes bewohnt wird.“

„Es kann eine gute geistliche Übung sein, die Liste des Paulus zu lesen und das eigene Verhalten daraufhin zu prüfen, ob unser Leben wirklich dem Heiligen Geist entspricht, ob es diese Früchte trägt: Die Früchte der Liebe, Freude, des Friedens, der Großherzigkeit, der Freundlichkeit, der Güte, der Treue, der Sanftmut, der Selbstbeherrschung - trägt mein Leben diese Früchte? Ist es der Geist, der sie hervorbringt? Zum Beispiel die ersten drei genannten: Liebe, Friede und Freude. Daran erkennt man einen Menschen, der vom Geist Gottes bewohnt wird. Jemand, der mit sich im Reinen ist, der freudig ist und der liebt - an diesen drei Dingen erkennt man den Geist.“

Die Gefahr der Bürokratie...

Abschließend machte Franziskus noch auf eine Gefahr in der Kirche aufmerksam, die sich immer dann stellt, wenn die Menschen, die sich der Kirche nähern wollen, den Eindruck haben, vor einer Mauer von Geboten und Vorschriften zu stehen.

„Das Leben des Geistes, das in den Sakramenten zum Ausdruck kommt, darf nicht durch eine Bürokratie erstickt werden, die den Zugang zur Gnade des Geistes, dem Urheber der Umkehr des Herzens, verhindert. Wie oft sind wir Priester und Bischöfe sehr bürokratisch, wenn wir ein Sakrament spenden wollen, wenn wir die Leute empfangen, so dass die Leute sagen: Nein, das gefällt mir nicht, und wieder gehen. Sie sehen in uns oft nicht die Kraft des Geistes, der erneuert, der uns alle neu macht. Wir haben also die große Verantwortung, den gekreuzigten und auferstandenen Christus zu verkünden, beseelt vom Atem des Geistes der Liebe. Denn nur diese Liebe hat die Macht, das Herz des Menschen anzuziehen und zu verändern. Danke.“

(vaticannews – skr)

 

27 Oktober 2021, 11:15