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Amtierender und emeritierter Papst unterstützen sich: Franziskus (links) schrieb nun ein Vorwort zu einem Buch seines Vorgängers, Benedikt XVI. (rechts) - Aufnahme von 2020 Amtierender und emeritierter Papst unterstützen sich: Franziskus (links) schrieb nun ein Vorwort zu einem Buch seines Vorgängers, Benedikt XVI. (rechts) - Aufnahme von 2020  (Vatican Media)

Franziskus schreibt Vorwort zu Ratzinger-Sammelband über Europa

Papst Franziskus hat die Gedanken seines Vorgängers im Amt zu Europa gelobt. Der emeritierte deutsche Papst Benedikt XVI. zeige uns „den Weg, der für eine Neugeburt Europas gegangen werden muss", heißt es in einem Vorwort von Papst Franziskus zu einem Sammelband von Texten Joseph Ratzingers/Benedikt XVI. zu Europa.

Die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera" veröffentlichte das Vorwort von Franziskus zum italienischenen Band „La vera Europa, identità e missione" diesen Sonntag.

„Mit der ihm eigenen Klarheit, Unmittelbarkeit und mit Tiefgang umreißt der emeritierte Papst hier in großartiger Weise die ,Idee Europas`, die zweifellos die Gründerväter inspiriert hat und die Grundlage seiner Größe ist", so Franziskus zu der Textsammlung. Er erinnert mit einem Zitat daran, dass Kardinal Ratzinger und der spätere Papst Benedikt XVI. oft auf das Christentum und den Humanismus Europas verwiesen:

„Die Gestalt Jesu Christi steht in der Mitte der europäischen Geschichte, und sie ist die Grundlage des wahren Humanismus, einer neuen Menschlichkeit“

„Die Gestalt Jesu Christi steht in der Mitte der europäischen Geschichte, und sie ist die Grundlage des wahren Humanismus, einer neuen Menschlichkeit. Denn wenn Gott Mensch geworden ist, dann empfängt der Mensch eine ganz neue Würde. Wenn der Mensch Produkt einer zufälligen Evolution ist, dann ist sein Menschsein selbst ein Zufall und dann kann man ihn auch einmal scheinbar höheren Zwecken opfern. Wenn aber Gott jeden einzelnen Menschen geschaffen und gewollt hat, dann ist es ganz anders. Und wenn Gott selbst ein Mensch geworden ist, wenn er sogar für den Menschen gelitten hat, dann nimmt der Mensch an Gottes eigener Würde teil.“

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Die „endgültige Verschleierung" dieser Idee Europas würde den „unumkehrbaren Niedergang" bedeuten, so Papst Franziskus. Sein Fazit:

„Jenseits vieler Worte und lautstarker Proklamationen verschwindet heute in Europa immer mehr der Gedanke der Achtung vor jedem menschlichen Leben“

„Jenseits vieler Worte und lautstarker Proklamationen verschwindet heute in Europa immer mehr der Gedanke der Achtung vor jedem menschlichen Leben. Dies beginnt mit dem Verlust des Bewusstseins der Heiligkeit des Lebens, also genau damit, dass das Bewusstsein dafür schwindet, dass wir Geschöpfe Gottes sind." Benedikt XVI. habe sich im Laufe der Jahre nicht gescheut, „mit großem Mut und Weitblick die vielen Erscheinungsformen dieser dramatischen Abkehr vom Schöpfungsgedanken anzuprangern", so der amtierende Papst. 

Warum es Hoffnung gibt

Um Europa steht es also nicht gut - darin sind sich emeritierter und amtierender Papst einig. Doch schon Benedikt XVI. verzagte nicht angesichts der Lage, sondern erklärte, dass der Wunsch Gottes und die Suche der Menschen nach Gott tief in jedem menschlichen Wesen verankert sei, und daher nicht verschwinden könne. Man könne Gott vergessen, aber er werde nicht verschwinden. Von daher habe er die Hoffnung, dass die Menschen sich immer wieder auf die Suche nach Gott machten - auch in der heutigen Zeit. Auf diese Weise zeigt Benedikt XVI. laut Papst Franziskus den Weg auf, den Europa für sein Wiederaufblühen gehen sollte.

(vatican news - sst)

 

 

 

 

 

Der Band, den Pierluca Azzaro übersetzte, enthält ausgewählte Texte und Übersetzungen von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. und wurde anlässlich des 50.-Jahr-Jubiläums der diplomatischen beziehungen zwischen Heiligem Stuhl und Europa veröffentlicht. 

12 September 2021, 09:07