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Papst Franziskus bei der Audienz im Vatikan Papst Franziskus bei der Audienz im Vatikan  (Vatican Media) Auf dem weg zur Synode

Papst: Kirche nach eigenen Ideen gestalten zu wollen, ist Lästerung

In der Kirche gibt es einige, „die sich an die Stelle Gottes setzen und behaupten, die Kirche nach ihrem eigenen Vorbild gestalten zu müssen“. Doch auf diese Weise würden sie nur Grenzen aufbauen und vor allem gegen Gott lästern. Dies sagte der Papst an diesem Samstagmittag bei einer Audienz im Vatikan für die Gläubigen der Diözese Rom.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Eröffnung des neuen Diözesanjahres für die Stadt Rom begann im Zeichen der kommenden Bischofssynode. Papst Franziskus erinnerte die Gläubigen in der Audienzhalle an diesem Samstag an den „cammino sinodale“ – dem Synodalen Weg – den er für die Weltkirche ausgerufen hat. Der Papst empfing die Gläubigen der Diözese Rom in Begleitung von Kardinal Angelo De Donatis, Vikar für die Stadt Rom.

Der Papst und der Kardinalvikar für Rom, Angelo De Donatis (rechts)
Der Papst und der Kardinalvikar für Rom, Angelo De Donatis (rechts)

Wenn die Kirche in Wort und Tat Zeugnis für den Herrn ablege, dann könne sie sicher mit der bedingungslosen Liebe Gottes rechnen, aber auch mit seiner Gastfreundschaft. Nur durch das wahre Zeugnis bringe die Kirche ihre Katholizität wirklich zum Ausdruck, erläuterte der Papst.

Zum Nachhören - was der Papst an Roms Katholiken sagte

Widerstände innerhalb der Kirche

„Es gibt so viele Widerstände, um das Bild einer Kirche zu überwinden, die starr zwischen Führern und Untergebenen, zwischen denen, die lehren, und denen, die lernen müssen, aufgeteilt ist, wobei vergessen wird, dass Gott gerne Positionen umstößt“, sagte Papst Franziskus bei der Audienz für die Gläubigen der Diözese Rom.

„Die synodale Kirche - so betonte der Papst - stellt den Horizont wieder her, aus dem Christus wie die Sonne aufgeht: Hierarchische Denkmäler zu errichten bedeutet, ihn zu verdecken. Die Hirten gehen mit den Schafen, manchmal vorne, manchmal in der Mitte, manchmal hinten“, erläuterte Franziskus. „Vorne, um zu führen, in der Mitte, um zu ermutigen und nicht zu vergessen die den Geruch der Herde aufnehmen, denn auch die Menschen haben eine ,Nase´, einen Geruchssinn. Sie haben ein Gespür dafür, neue Wege auf dem Pfad zu finden, oder einen Instinkt dafür, neue Wege zu entdecken, um den verlorenen Weg wiederzufinden“, so der Papst weiter.

Der Papst bei der Audienz im Vatikan
Der Papst bei der Audienz im Vatikan

Die Gemeinde, also die Pfarrei, sei kein exklusiver Club, die Türen stünden allen offen, mahnte das katholische Kirchenoberhaupt. „Nur 3, 4, 5 Prozent gehen regelmäßig hin und denken wie ihr“, erklärte der Papst. „Da die Pfarrei das Zuhause aller Menschen in der Nachbarschaft ist und kein exklusiver Club, so empfehle ich: Lassen Sie die Türen und Fenster offen, beschränken Sie sich nicht darauf, nur diejenigen zu berücksichtigen, die zu Ihnen kommen oder nur jene anzunehmen, die so denken wie Sie, denn das werden 3, 4, 5 Prozent sein, nicht mehr. Erlaubt allen den Zutritt!“ Und weiter bat er darum, hinauszugehen und auf die Menschen zu hören: „Geht hinaus und lasst euch befragen, lasst ihre Fragen eure Fragen sein, lasst euch gemeinsam auf den Weg machen: Der Geist wird euch führen. Habt keine Angst, in den Dialog zu treten“, fügte Papst Franziskus hinzu, „und lasst euch vom Dialog bewegen: Er ist der Dialog des Heils, der Erlösung. Lasst euch nicht entmutigen, bereitet euch auf Überraschungen vor.“

Warum diese Audienz?

Hintergrund des Treffens in der Aula „Paolo VI“ war, um über „den neuen synodalen Prozess“ zu sprechen, den der Papst selbst wünscht. „Dieser Weg ist als eine Dynamik des gegenseitigen Zuhörens konzipiert, die auf allen Ebenen der Kirche stattfindet und das gesamte Volk Gottes einbezieht. Es geht nicht darum, Meinungen zu sammeln, sondern auf den Heiligen Geist zu hören“, sagte der Papst zu den Gläubigen.

Die Audienz im Vatikan
Die Audienz im Vatikan

„Die erste Phase des Prozesses (Oktober 2021 - April 2022, Anm. d. Red.) betrifft die einzelnen Diözesen. Und deshalb bin ich hier, als euer Bischof, um euch zu informieren, denn es ist sehr wichtig, dass sich die Diözese Rom mit Überzeugung auf diesen Weg begibt, es wäre eine Blamage für die Diözese und für den Papst“, erklärt der Bischof von Rom und erntet auch ein paar Lacher.

„Das Thema Synodalität ist kein Kapitel in einem Traktat über Ekklesiologie, und schon gar nicht eine Modeerscheinung, ein Slogan oder ein neuer Begriff, den wir bei unseren Treffen verwenden oder ausnutzen. Nein! Die Synodalität drückt das Wesen der Kirche aus, ihre Form, ihren Stil, ihren Auftrag. Und so sprechen wir von der synodalen Kirche, wobei wir jedoch vermeiden, dies als einen Titel unter anderen zu betrachten, als eine Denkweise mit Alternativen“, so der Papst.

Für den Papst ist „Kirche sein ein Weg, um in diese Weite Gottes einzutreten“. „Es kann auch zu Auseinandersetzungen kommen, die dramatische Ausmaße annehmen, wie das Problem der Beschneidung der Heiden, bis hin zu den Beratungen des so genannten Konzils von Jerusalem. Auch heute gibt es eine starre Betrachtungsweise der Umstände, die die makrothymía Gottes abtötet, d.h. jene Geduld des Blicks, die von tiefen, weiten und langen Visionen genährt wird: Gott sieht weit, Gott hat es nicht eilig“, so der Papst weiter.

In der Pflege der Vertrautheit auf Gott

„Eine synodale Kirche ist das kirchliche Sakrament dieser Verheißung, die sich in der Pflege der Vertrautheit mit dem Geist und mit der kommenden Welt aufzeigt. Es wird immer Diskussionen geben, aber Lösungen müssen gesucht werden, indem wir Gott und seinen Stimmen in unserer Mitte das Wort geben; indem wir beten und unsere Augen für alles öffnen, was uns umgibt; indem wir ein Leben in Treue zum Evangelium führen; indem wir die Offenbarung gemäß einer pilgernden Hermeneutik hinterfragen, die den in der Apostelgeschichte begonnenen Weg zu bewahren weiß“, sagte Papst Franziskus.

„Wenn nicht der Heilige Geist, dann wird es nur ein Diözesanparlament sein, hören wir auf den Heiligen Geist, auch eine Diskussion mit dem Heiligen Geist ist eine Art des Gebets“, fügte der Papst beiläufig an. „Bei der Synode geht es auch darum, Raum zu schaffen für einen Dialog über unsere Nöte, die Nöte, die ich als euer Bischof habe, die Nöte, die die Weihbischöfe haben, die Nöte, die Priester und Laien haben, und die, die zu Verbänden gehören; nehmt all diese Nöte! Aber wenn wir die Elenden - in Anführungszeichen - der Gesellschaft, die Ausgestoßenen, nicht mit einbeziehen, werden wir nie in der Lage sein, unser Elend zu bewältigen. Und das ist wichtig: dass im Dialog unsere eigenen Nöte zum Vorschein kommen können, ohne dass wir uns rechtfertigen müssen. Habt keine Angst!“, sagte er.

Für Franziskus sei „die diözesane Phase sehr wichtig, denn sie ermöglicht es, auf die Gesamtheit der Getauften zu hören, die Gegenstand des sensus fidei infallible in credendo sind“. „Der Heilige Geist kennt in seiner Freiheit keine Grenzen und lässt sich auch nicht durch Zugehörigkeiten einschränken“, unterstrich der Papst.

Die Audienz im Vatikan
Die Audienz im Vatikan

„Ich bin hierhergekommen, um Sie zu ermutigen, diesen synodalen Prozess ernst zu nehmen, und um Ihnen zu sagen, dass der Heilige Geist Sie braucht. Hört ihm zu, indem ihr euch selbst zuhört. Lassen Sie niemanden außen vor oder zurück. Es wird gut sein für die Diözese Rom und für die ganze Kirche, die nicht nur durch die Reform von Strukturen, durch Anweisungen, Exerzitien und Konferenzen oder durch Richtlinien und Programme gestärkt wird, sondern wenn sie wieder entdeckt, dass sie ein Volk ist, das miteinander gehen will, untereinander und mit den Menschen. Ein Volk, das Volk von Rom, das die Vielfalt aller Völker und aller Bedingungen in sich vereint: welch außerordentlicher Reichtum in seiner Komplexität“, schloss Franziskus seine Ansprache.

(vatican news)

Die Audienz im Vatikan
Die Audienz im Vatikan
18 September 2021, 12:23