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Der Libanon: Ein Land am Abgrund Der Libanon: Ein Land am Abgrund  (AFP or licensors)

Libanesische Ärzte schlagen Alarm: Krankenhäusern droht Schließung

Dem Libanon geht der Treibstoff aus. Ein Notstand, der die Ärzte des Landes um das Leben ihrer Patienten fürchten lässt. Eine Katastrophe in den Krankenhäusern kann nur vermieden werden, wenn sobald wie möglich Krafttstoff für den Betrieb der Generatoren beschafft wird.

„Bald werden Beatmungsgeräte und andere lebensrettende medizinische Geräte nicht mehr funktionieren, was 40 erwachsene Patienten und 15 Kinder das Leben kosten wird,“ bringt ein Bericht des „American University of Beirut Medical Center“ (Aubmc) die kritische Lage im libanesischen Gesundheitssektor auf den Punkt. „180 Menschen, die an Nierenversagen leiden, werden ohne Dialyse in wenigen Tagen an einer Vergiftung sterben; und dasselbe Schicksal wird ohne angemessene Behandlung in den folgenden Wochen und Monaten auch Hunderte von Krebspatienten ereilen“, heißt es in der Stellungnahme der libanesischen Ärzte weiter.

Das Krankenhaus appelliert daher dringend an die Landesregierung, die UNO, WHO, UNICEF und alle „Agenturen und Organisationen, die helfen können“, das medizinische Zentrum mit „dem notwendigen Treibstoff zu versorgen, bevor es gezwungen ist, zu schließen.“

Chronischer Mangel an Personal, Medikamenten und Strom

Doch nicht nur der Weiterbetrieb der lebensrettenden Gerätschaften ist ein Problem, es herrscht auch ein chronischer Mangel an Personal, Medikamenten und Strom, betont Aubmc und macht darauf aufmerksam, dass die notwendigen Ausrüstungsgegenstände, die ohnehin schon rationiert wurden, bald ganz zur Neige gehen werden. Das Krankenhaus macht daher den libanesischen Staat „in vollem Umfang für diese Krise, die anhaltende humanitäre Katastrophe und alle Todesfälle verantwortlich, die sich aus der Unfähigkeit ergeben, Patienten medizinische Hilfe zu leisten.“

Die Verwaltung des Aubmc – so der Krankenhausbericht weiter – bestehe darauf, dass die Verantwortlichen ihre Streitigkeiten beilegen und zusammenarbeiten, um diese drohende Katastrophezu verhindern, die niemand verdiene, „am allerwenigsten die Libanesen und die anderen Bewohner dieses Landes, deren ungerechtfertigtes Leid nicht noch von einer weiteren unnötigen Tragödie verschlimmert werden darf.“ 

Hintergrund

Der Libanon steckt seit Monaten in einer tiefen Krise. Der Versuch einer Regierungsbildung ist bisher gescheitert, die Währung des Landes hat eine starke Abwertung erfahren – und die Coronakrise hat die soziale Lage im Land weiter verschärft. Dazu kommen noch die dramatischen wirtschaftlichen und sozialen Folgen der schweren Explosion im Hafen von Beirut am 4. August 2020 mit rund 200 Toten und 7.000 Verletzten.

(vaticannews – skr)
 

15 August 2021, 11:17