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Papst Franziskus bei der Messe am Sonntagabend im Petersdom Papst Franziskus bei der Messe am Sonntagabend im Petersdom  (Vatican Media)

Papst: Die Kirche muss Platz für alle haben

Kein „kleiner und geschlossener Kreis“, sondern eine „Gemeinschaft mit offenen Armen, die alle aufnimmt", soll die Kirche sein. Das sagte der Papst am Sonntagabend im Vatikan in einer Predigt zum Hochfest Fronleichnam. Darin ging er auch kurz auf das Thema „Synode“ ein.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

Im Vatikan ist Fronleichnam Feiertag, ebenso wie in einigen deutschen Bundesländern - nicht aber in Italien. Deshalb begeht Papst Franziskus Fronleichnam erst am darauffolgenden Sonntag, damit die Gläubigen seiner Bischofsstadt mitfeiern können. Aufrund der Corona-Pandemie war die Teilnehmerzahl bei der Messe stark beschränkt; rund 200 Teilnehmer waren im Petersdom dabei. Prinzipiell solle in der Kirche jedoch Platz für alle sein, betonte Papst Franziskus in seiner Predigt zum Fronleichnamsfest.

Hier im Audio: Papst Franziskus predigt zu Fronleichnam im Petersdom

„Wenn sich jemand nähert, der verwundet ist, der verfehlt hat, der einen anderen Lebensweg hat, ist dann die Kirche, diese Kirche, ein großer Raum, um ihn aufzunehmen und ihn zur Freude der Begegnung mit Christus zu führen? Die Eucharistie will denjenigen nähren, der entlang des Weges müde und hungrig geworden ist, vergessen wir das nicht! Die Kirche der Vollkommenen und Reinen ist eine Kammer, in der es für niemanden einen Platz gibt; die Kirche der offenen Tür, die sich feiernd um Christus versammelt, ist hingegen ein großer Raum, in den alle eintreten können - alle, Gerechte und Sünder."

„Die Kirche der offenen Tür, die sich feiernd um Christus versammelt, ist ein großer Raum, in den alle eintreten können - alle, Gerechte und Sünder“

Schlenker zur Synode

Zu Fronleichnam, in dessen Zentrum Gottes Gegenwart in der Eucharistie steht, wies der Papst auch auf die Anbetung als zentrales Element im Leben gläubiger Katholiken hin. Dabei machte er, in freier Rede, auch einen kleinen Exkurs zum Thema Synoden:

„Man muss das Herz weit machen. Es tut Not, aus dem kleinen Zimmer unseres Ichs herauszukommen und in den großen Raum des Staunens und der Anbetung einzutreten. Und das fehlt uns sehr: Das fehlt uns in vielen Bewegungen, die wir machen, um uns zu treffen, zu vereinen, die Pastoral zu überdenken... Aber wenn das fehlt, wenn das Staunen und die Anbetung fehlen, gibt es keinen Weg, der zum Herrn führt. Dann gibt es noch nicht einmal eine Synode. Nichts. Dies ist die Haltung gegenüber der Eucharistie, die wir benötigen: Anbetung.“

Synodalität ist Papst Franziskus ein wichtiges Anliegen. Darum geht es auch bei der nächsten Bischofssynode im Vatikan, die im Oktober 2022 geplant ist. Sie steht unter dem Motto: „Für eine synodale Kirche – Gemeinschaft, Teilhabe und Mission“.

Dieses Thema erwähnte der Papst in seiner Predigt jedoch nur mit einem kurzen Exkurs - Hauptthema seiner Predigt war, passend zu Fronleichnam, die Eucharistie. In der heutigen Zeit sei es schwierig geworden, die Menschen am Altar zu versammeln, da bei vielen der „Durst, den nur Gott stillen kann“, fehle, sagte Franziskus.

„Die Fragen zu Gott sind verklungen, die Sehnsucht nach ihm ist verebbt, die Gottsucher werden immer seltener“

„Um die Eucharistie zu feiern, müssen wir also an erster Stelle den eigenen Durst nach Gott erkennen: dass wir seiner bedürfen, dass wir uns nach seiner Gegenwart und seiner Liebe sehnen, dass wir uns bewusst sind, dass wir es alleine nicht schaffen können, sondern einer Nahrung und eines Tranks des ewigen Lebens bedürfen, die uns auf dem Weg stützen. Das Drama von heute ist, könnten wir sagen, dass der Durst oftmals erloschen ist. Die Fragen zu Gott sind verklungen, die Sehnsucht nach ihm ist verebbt, die Gottsucher werden immer seltener. Gott ist nicht mehr anziehend, weil wir unseren tiefsten Durst nicht mehr spüren.“

Nicht mit dem kleinen Kreis zufrieden geben

Die Kirche dürfte sich daher nicht mit dem „Grüppchen der üblichen Leute, die zur Feier der Eucharistie zusammenkommen“ zufrieden geben, sondern sei gerufen, unter die Menschen zu gehen, ihnen zu begegnen und ihren „Durst nach Gott und die Sehnsucht nach dem Evangelium“ erneut zu entfachen, so der Appell von Papst Franziskus in seiner Predigt am Sonntagabend im Petersdom:

„Brechen wir unser Leben in Mitleid und Solidarität, auf dass die Welt durch uns die Größe der Liebe Gottes sehe. Und dann wird der Herr kommen“

„Öffnen wir das Herz weit in der Liebe, damit wir der kostbare und gastfreundliche Saal sein können, in den alle eintreten können, um dem Herrn zu begegnen. Brechen wir unser Leben im Mitleid und der Solidarität, auf dass die Welt durch uns die Größe der Liebe Gottes sehe. Und dann wird der Herr kommen, er wird uns weiter überraschen, er wird sich weiterhin zur Nahrung für das Leben der Welt machen. Und er wird uns für immer sättigen bis zu dem Tag, an dem wir beim himmlischen Mahl sein Angesicht in unendlicher Freude schauen werden.“

(vatican news – sst)

07 Juni 2021, 10:48