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Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch  (Vatican Media)

Papst: Kontemplatives Beten ist Aufruf zu Nächstenliebe

Kontemplatives Beten reinigt das Herz, verändert unseren Blick auf die Wirklichkeit und öffnet uns für unsere Mitmenschen. Das hat Papst Franziskus an diesem Mittwoch bei seiner Generalaudienz verdeutlicht.

Anne Preckel - Vatikanstadt

Papst Franziskus schlug im Apostolischen Palast ein weiteres Kapitel seiner Reihe zum Thema Gebet auf: Schlüsselbegriffe seiner Katechese waren Kontemplation, Demut, Liebe und Verwandlung.

Der Papst ging in seiner Katechese zunächst von der „kontemplativen Dimension des Menschen“ aus, als einer Vorstufe kontemplativen Betens. Diese Dimension gebe unserem Sein und Erleben „Geschmack“, sei eine Art „Salz des Lebens“, so Franziskus – ob beim Betrachten der Natur im Frühling, beim Genuss von Musik oder beim Lesen eines menschlichen Gesichtes.

In einer „künstlichen und funktionalen“ Umgebung wie der Großstadt liefen Menschen Gefahr, diese Gabe zu verlieren, merkte er weiter an und hielt fest: „Dieses Sich-Versenken ist nicht in erster Linie eine Art des Tuns, sondern eine Art des Seins, des Kontemplativ-Seins. Kontemplativ zu sein hängt nicht von den Augen ab, sondern vom Herzen.“

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Beten ist „Atem unserer Beziehung zu Gott“

Erneut markierte der Papst in seiner Katechesen-Reihe das Herz als eine Art „Organ“ des Betens. Beten sei „ein Akt des Glaubens und der Liebe“, der „Atem unserer Beziehung zu Gott“. Es könne zum Guten verändern und den Blick für Neues öffnen: „Das Gebet reinigt das Herz und erhellt damit auch den Blick, sodass wir die Wirklichkeit aus einem anderen Blickwinkel erfassen können.“

„Alles kommt von dort: von einem Herzen, das sich mit Liebe angeschaut fühlt. Dann wird die Realität mit anderen Augen betrachtet.“

Beim Beten wandle sich unser Herz, betonte Franziskus weiter, denn das Gebet sei Ort unserer Begegnung mit Jesus: dieser erleuchte uns „und lässt uns alles im Licht seiner Wahrheit und seines Mitleids mit allen Menschen sehen“, so der Papst. „Ich schaue Ihn an, und Er schaut mich an“ – so habe der heilige Pfarrer von Ars diese innige Gebetserfahrung in den Worten eines Bauers beschrieben. „Meister“ dieses liebenden Blicks sei Jesus selbst, dessen „Geheimnis seine Beziehung zu seinem himmlischen Vater“ war, so der Papst. Christi Leben selbst habe uns im Ereignis der Verklärung gezeigt, dass dieses Licht der Liebe Gottes inmitten eines kritischen Momentes seiner Sendung unter Unverständnis und Anfeindung aufscheint.

Aufruf zur Nächstenliebe

Diese Form der „liebenden Betrachtung“ bedürfe nicht vieler Worte, so Franziskus weiter. Kontemplatives Beten sei keine Weltflucht und stehe nicht im Gegensatz zum Tun, nannte er ein weiteres Merkmal: „In Wirklichkeit gibt es in Jesus Christus und im Evangelium keinen Gegensatz zwischen Kontemplation und Aktion.“

„In diesem Sinne sind Nächstenliebe und Kontemplation Synonyme, sie sagen das Gleiche.“

Kontemplatives Beten als Zwiegespräch mit Gott rufe zur Nächstenliebe auf, schloss er daran an. „Es gibt nur einen großen Aufruf im Evangelium, und das ist, Jesus auf dem Weg der Liebe zu folgen. Dies ist der Höhepunkt und das Zentrum von allem. In diesem Sinne sind Nächstenliebe und Kontemplation Synonyme, sie sagen das Gleiche.“

Werke, die solchermaßen aus dem Beten geboren werden - „kleine Akte reiner Liebe“, zitierte Franziskus den heiligen Johannes vom Kreuz - seien „für die Kirche nützlicher als alle anderen Werke zusammengenommen“, unterstrich der Papst: „Das, was aus dem Gebet und nicht aus der Einbildung unseres Egos geboren wird, das, was durch Demut gereinigt wird, auch wenn es ein zurückgezogener und stiller Akt der Liebe ist, ist das größte Wunder, das ein Christ vollbringen kann. Und das ist der Weg des kontemplativen Gebetes: Ich schaue Ihn an, Er schaut mich an! Dieser Akt der Liebe im stillen Dialog mit Jesus tut der Kirche gut.“

(vatican news – pr)

 

05 Mai 2021, 10:35