Suche

Vatican News
Der papst empfing die Teilnehmer des Kurses in der Audienzhalle Der papst empfing die Teilnehmer des Kurses in der Audienzhalle  (Vatican Media)

Papst: „Beichten ist nicht wie zur Reinigung gehen“

Beichten ist kein Mechanismus, sondern lebt von einer lebendigen Beziehung zwischen Beichtvater und Beichtendem. Das hat Papst Franziskus an diesem Freitag vor Teilnehmern eines Kurses für Beichtväter im Vatikan betont.

Papst Franziskus erläuterte das Sakrament der Beichte ausführlich in seiner Ansprache vor Teilnehmern der bereits 31. Ausgabe des Kurses, der jährlich von der Apostolischen Pönitentiarie organisiert wird. Zentral in allen Phasen der Beichte sei die Liebe, betonte der Papst vor den Priestern, die mit Kardinal Mauro Piacenza in die Audienzhalle gekommen waren:

„Denn Beichten zu gehen ist nicht wie zur Reinigung gehen, um einen Fleck entfernen zu lassen. Nein. Das ist etwas anderes. (…) Wenn es keine Liebe in dem Sakrament gibt, ist es nicht so wie Jesus es will. Wenn es Funktionalität gibt, ist es nicht so, wie Jesus es will. Es braucht die Liebe.“

Hier zum Nachhören

Liebe zentraler Punkt

Der Papst nutzte drei Ausdrucksweisen, um dies näher zu erläutern: „Sich der Liebe hingeben“, „sich von der Liebe verwandeln lassen“ und „der Liebe gleich werden“.

Erstens brauche es Hingabe im Glauben – und zwar auf Seite des Beichtenden und des Spenders der Beichte:

„Der erste Schritt für eine gute Beichte ist (…) gerade der Akt des Glaubens, der Hingabe, mit dem sich der Pönitent der Barmherzigkeit nähert. Und so muss jeder Beichtvater fähig sein, immer wieder über die Geschwister zu staunen, die im Glauben um die Vergebung Gottes bitten und sich, immer noch nur im Glauben, Ihm überlassen, indem sie sich in der Beichte ausliefern. Der Schmerz über die eigenen Sünden ist das Zeichen einer solchen vertrauensvollen Hingabe an die Liebe.“

Bekehrung aus Erfahrung von Liebe

Dann komme eine zweite Dimension ins Spiel, fuhr der Papst fort, der dann auf die verwandelnde Kraft des Beichtens zu sprechen kam: die Bekehrung. Diese geschehe nicht aus dem reinen Befolgen von Gesetzen heraus, sondern vor Hintergrund der „Liebe, die sich in Jesus Christus und in seinem Tod am Kreuz für uns vollständig manifestiert hat“, so Franziskus:

„Der Pönitent, der im sakramentalen Gespräch einem Strahl dieser einladenden Liebe begegnet, lässt sich von der Liebe, von der Gnade verwandeln und beginnt, jene Verwandlung eines Herzens aus Stein in ein Herz aus Fleisch zu erleben - eine Verwandlung, die sich in jeder Beichte vollzieht. So ist es auch im affektiven Leben: Man wird durch die Begegnung mit einer großen Liebe verändert.“

Ein guter Beichtvater sei immer dazu berufen, diese „Wunder der Wandlung zu erkennen, das Werk der Gnade in den Herzen der Pönitenten zu bemerken und so weit wie möglich das verwandelnde Handeln zu fördern.“

Nächstenliebe leben

Schließlich gehe es darum, dieser erfahrenen Liebe selbst „zu entsprechen“ und sie zu leben, kam der Papst auf den dritten Punkt zu sprechen.

„Der wirkliche Wille zur Bekehrung wird konkret in der Entsprechung zur empfangenen und angenommenen Liebe Gottes. Es ist eine Entsprechung, die sich in der Veränderung des Lebens und in den darauf folgenden Werken der Barmherzigkeit zeigt. Wer selbst von der Liebe aufgenommen wurde, kann nicht anders, als seinen Bruder, seine Schwester aufzunehmen. Wer sich der Liebe hingegeben hat, kann nicht anders, als die Betrübten zu trösten. Wem von Gott vergeben worden ist, kann nicht anders, als seinen Geschwistern von Herzen zu vergeben.“

Diese „unverzichtbare Nächstenliebe“ sei wie eine „Turnhalle“, in der die Liebe zu Gott täglich trainiert werde, so Franziskus.

Kein Richter, sondern Bruder und Tröster

Die Priester rief er dazu auf, bei Abnahme der Beichte „Bruder, Vater und Tröster“ zu sein und in aller Ruhe zuzuhören. Dabei gehe es nicht um Strenge, sondern Barmherzigkeit, unterstrich der Papst: „Bitte verzichtet auf das akademische Prüfungsgericht nach dem Motto , wie und wann…? Schnüffelt nicht herum in den Seelen anderer Leute...“

In der Fastenzeit rückt das Sakrament der Buße in den Mittelpunkt. Die Kirche verlangt von ihren Gläubigen, mindestens einmal im Jahr, vor Ostern, zur Beichte zu gehen. 

(vatican news – pr)
 

12 März 2021, 14:03