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Vatican News

Die Angelus-Katechese am zweiten Adventssonntag im Wortlaut

Wir dokumentieren hier eine deutsche Übersetzung der Katechese von Papst Franziskus beim Angelusgebet, am zweiten Adventssonntag auf dem Petersplatz. Die offizielle Übersetzung finden Sie auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das Evangelium dieses Sonntags (Mk 1,1-8) stellt die Gestalt und das Werk Johannes des Täufers vor. Er zeigte seinen Zeitgenossen einen ähnlichen Glaubensweg, wie ihn der Advent uns vorschlägt, die wir uns darauf vorbereiten, den Herrn an Weihnachten zu erwarten. Es ist eine Reise der Bekehrung. Was bedeutet das Wort "Bekehrung"? In der Bibel bedeutet es zunächst einmal, die Richtung und Orientierung zu ändern und dann auch die Denkweise. Im moralischen und spirituellen Leben bedeutet Bekehrung, sich vom Bösen zum Guten, von der Sünde zur Liebe Gottes zu wenden. Dies lehrte der Täufer, der in der Wüste von Judäa „eine Taufe der Bekehrung zur Vergebung der Sünden verkündete“ (V. 4). Die Taufe zu empfangen war ein äußeres und sichtbares Zeichen der Bekehrung derer, die auf seine Predigt hörten und sich zur Buße entschlossen. Diese Taufe erfolgte durch Untertauchen in Wasser, aber sie war nutzlos, wenn nicht die Bereitschaft zur Buße und zur Veränderung des eigenen Lebens vorhanden war.

Zur Bekehrung gehört der Schmerz über die begangenen Sünden, der Wunsch, sie loszuwerden, die Absicht, sie für immer aus dem eigenen Leben auszuschließen. Um aber die Sünde zu vermeiden, muss man auch alles ablehnen, was mit ihr verbunden ist: die weltliche Einstellung, die übermäßige Wertschätzung von Komfort, Vergnügen, Wohlbefinden, Reichtum. Das Beispiel dieser Loslösung tritt uns aus dem heutigen Evangelium noch einmal in der Gestalt Johannes des Täufers vor Augen: ein strenger Mann, der auf das Überflüssige verzichtet und das Wesentliche sucht. Hier ist der erste Aspekt der Bekehrung: Loslösung von Sünde und Weltlichkeit.

Der andere Aspekt der Bekehrung ist die Suche nach Gott und seinem Reich. Der Verzicht auf Bequemlichkeit und weltliche Mentalität ist kein Selbstzweck, sondern zielt darauf ab, etwas Größeres zu erreichen, nämlich das Reich Gottes, die Gemeinschaft mit Gott, die Freundschaft mit Gott. Aber das ist nicht leicht, denn es gibt viele Bindungen, die uns in der Nähe der Sünde halten: Wankelmut, Entmutigung, Bosheit, schädliche Umgebungen, schlechte Beispiele. Manchmal ist der Antrieb, den wir gegenüber dem Herrn empfinden, zu schwach, und es scheint fast so, als ob Gott schweigt; seine Verheißungen des Trostes erscheinen uns fern und unwirklich, wie das Bild des fürsorglichen Hirten, das uns heute in der Lesung des Jesaja begegnet (vgl. Jes 40,1.11). Und so ist man versucht zu sagen, dass es unmöglich ist, sich wirklich zu bekehren, und statt sich von der Welt zu Gott zu bekehren, läuft man Gefahr, im „Treibsand“ einer mittelmäßigen Lebensweise zu verharren. Was kann man in solchen Fällen tun? Erinnern wir uns zunächst daran, dass die Bekehrung eine Gnade ist, also ein Geschenk, das von Gott mit aller Kraft erbeten werden muss. Wir bekehren uns wirklich in dem Maße, wie wir uns der Schönheit, Güte und Zärtlichkeit Gottes öffnen. Lassen wir also das Falsche und Vergängliche für das Wahre, Schöne und Ewige zurück.

Möge die heiligste Jungfrau Maria, die wir übermorgen als die Unbefleckte feiern werden, uns helfen, uns immer mehr von der Sünde und der Weltlichkeit zu lösen, uns Gott, seinem Wort und seiner Liebe zu öffnen, die uns erneuert und rettet.

(vatican news)

06 Dezember 2020, 12:21