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Papst beim Angelus: Freude ist charakteristisch für Glauben

Am dritten Adventssonntag hat Papst Franziskus sich bei seinem Angelus-Gebet dem Thema der freudigen Erwartung gewidmet. Am Beispiel Johannes des Täufers führte er aus, dass für die wahre christliche Freude auch einige Bedingungen erfüllt werden müssten. Es gelte, Jesus statt sich selbst ins Zentrum zu stellen und weltlichen Dingen zu entsagen, sagte Franziskus vom Fenster des Apostolischen Palastes aus.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

„Die Einladung zur Freude ist charakteristisch für die Adventszeit: Ein Erwarten der Geburt Jesu, das wir freudig erleben, ein bisschen so, wie wenn wir den Besuch eines Menschen erwarten, den wir sehr lieb haben – zum Beispiel einen guten Freund, den wir schon lange nicht mehr gesehen haben.  Wir sind freudiger Erwartung. Und genau diese Dimension der Freude spüren wir heute ganz besonders, am dritten Sonntag (des Advents), der mit dem Aufruf des Paulus im Brief an die Philipper beginnt: ,Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!‘, freut euch“, begann Franziskus seine Ansprache vor dem Angelus.

Freude charakteristisch für Adventszeit und den Glauben

Das Motiv dieser Freude: Die Nähe des Herrn. Je näher uns der Herr ist, desto größer sei auch unsere Freude, je entfernter er ist, desto trauriger sind wir, erklärte der Papst. Jeder müsse sich selbst fragen: Bin ich froh, weil der Herr mich liebt?

Hier im Audio: Papst Franziskus beim Angelus über Freude als Charakteristik des christlichen Glaubens

Dann ging Franziskus genauer auf das Tagesevangelium ein, das sich Johannes dem Täufer widmet. Ihn, den ersten Zeugen Jesu, empfahl der Papst allen als Vorbild. Denn auch wenn er seinerzeit viel Ruhm genoss, gab er nicht eine Sekunde der Versuchung nach, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, betonte der Papst. Stattdessen verwies Johannes der Täufer immer auf den Messias:

„Und das ist die erste Bedingung der christlichen Freude: Sich von der Selbstzentrierung lösen und Jesus ins Zentrum stellen. Und das ist keine Entfremdung, denn Jesus ist in der Tat das Zentrum, er ist das Licht, das dem Leben jedes Mannes und jeder Frau, die auf diese Welt kommen, vollumfassenden Sinn verleiht. Es ist die gleiche Dynamik der Liebe, die mich dazu bringt, aus mir selbst herauszukommen, nicht um mich zu verlieren, sondern um mich wiederzufinden, indem ich mich hingebe, bei der Suche nach dem Wohl des Anderen.“

„Freude bedeutet, sich an Jesus orientieren. Und die Freude muss die Charakteristik unseres Glaubens sein, auch in dunklen Momenten. Diese innere Freude. Das Wissen: Der Herr ist bei mir, bei uns.“

Kein Spaziergang

Dass das nicht so leicht sei, räumte der Papst ein  – der Weg der Freude sei „kein Spaziergang“. Johannes habe alles hinter sich gelassen, sich aller überflüssigen Dinge entledigt, um dem heiligen Geist zu folgen:

„Natürlich sind einige Züge seiner Persönlichkeit einzigartig, nicht wiederholbar, nicht übertragbar auf alle. Aber sein Zeugnis ist beispielhaft für jeden, der den Sinn des eigenen Lebens suchen und die wahre Freude finden will. Der Täufer ist besonders ein Vorbild für all jene, die in der Kirche gerufen sind, Christus den Anderen zu verkünden: Sie können dies nur, indem sie sich von der Selbstzentrierung und von der Weltlichkeit lösen, indem sie nicht andere zu sich ziehen, sondern diese zu Jesus hin orientieren. Freude bedeutet, sich an Jesus orientieren. Und die freude muss die Charakteristik unseres Glaubens sein, auch in dunklen Momenten. Diese innere Freude. Das Wissen: Der Herr ist bei mir, bei uns.“

Maria als ,Ursache unserer Freude‘

Es braucht also einiges an persönlichem Einsatz, um das eigene Leben an Christus auszurichten und auch andere dorthin zu orientieren und die wahre christliche Freude leben zu können. Neben Johannes dem Täufer nannte der Papst diesen Sonntag beim Angelus als weiteres positives Beispiel dafür auch die Gottesmutter Maria:

„Sie hat in der Stille auf Gottes Wort der Erlösung gewartet, es gehört und aufgenommen, es empfangen. In ihr ist Gott nahe gekommen. Deshalb nennt die Kirche Maria auch ,Ursache unserer Freude‘.“

„Segnung der Bambinelli“

Nach seiner Katechese grüßte der Papst insbesondere die Kinder und Familien, die zur traditionellen Segnung der Jesuskrippenfiguren auf den Petersplatz gekommen waren. Jedes Jahr kommen auf Einladung der römischen Gemeinden die Familien am dritten Adventssonntag unter dem Fenster des Apostolischen Palastes zusammen, um ihre Jesusfiguren für die Krippen segnen zu lassen – in diesem Jahr allerdings konnten aufgrund der Corona-Pandemie nur wenige Vertreter anwesend sein. Franziskus wandte sich daher auch ausdrücklich an alle, die am Angelusgebet mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel teilnahmen. Auch für sie galt selbstverständlich der Segen der Jesuskinder, den Papst Franziskus nach dem Angelusgebet sprach.

(vatican news – sst) 

13 Dezember 2020, 10:53